Nächtliche gedancken/ bey erbli- ckung des monden

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Nächtliche gedancken/ bey erbli- ckung des monden (1703)

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Halt ein mit deinem lauf/ du königin der sternen/
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Du silber-weißer mond mit deinem blassen schein/
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Du kanst aus deiner burg am besten ja von fernen/
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Ein zeuge meiner noth/ und meiner wehmuth seyn.
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Sag an/ ich schwere dir/ hastu mich auch erblicket/
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Seyt dem Melinde sich von hinnen hat verfügt/
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Daß mein verwachtes aug vom schlaffe sey erquicket/
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Ob schon die gantze welt in sichrer ruhe liegt?
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Du weist/ wann mensch und vieh die müden augen schliessen/
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Und die gestirnte nacht den stillen welt-creys deckt/
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So wach ich zwischen furcht/ und ängstlichem verdriessen/
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Und bleicher kümmernüs die geist und blut erschreckt/
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Bald klag ich meine noth mit jammernden geberden/
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Bald ruf ich himmel/ erd und das verhängnüs an;
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Bald red ich gantz verwirrt von tausend angst-beschwerden/
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Womit so kümmerlich mein hertz ist angethan.
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Bald spiel ich wieder auch mit flüchtigen gedancken/
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Doch häuf ich solcher art nur immer meine pein/
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Bis letzt die geister selbst aus ihren zirckeln wancken/
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Und drauf mein gantzer leib wil wie erstorben seyn.
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So pfleg ich tag und nacht den jammer zu beklagen/
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Der meine brust bestürmt mit ungemeiner noth/
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So wünsch ich mehrentheils bey hundert tausend plagen/
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Mir nichts als meinen sarg/ mein grab und meinen todt.
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Ja mond! du weist genug mein innerlich betrüben/
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Du kennest gar zu wohl den ursprung meiner pein.
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Laß dann Melinden auch ein theil von meinem lieben/
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Und meiner traurigkeit nicht unverholen seyn/
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Bring vor ihr zartes ohr mein jammer-volles klagen/
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Zeig ihr in deinem licht und deiner bleichen pracht
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Den abris meiner angst und meiner heissen plagen/
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Die meinen leib erstarrt/ mein autlitz blas gemacht.
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Sag ihr/ wie meine brust mit bleicher furcht ümbfangen/
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Worinn die trauer-sucht ihr schwartzes wonhaus baut/
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Wie mein gewöhntes aug mit seufzendem verlangen
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Viel tausend tausendmahl nach ihrer wohnung schaut/
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Wie mein bestürtzter geist mit ängstlichem beginnen/
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Auff seinen untergang und sein verderben läuft/
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Wie unmüth und verdrus/ die foltern meiner sinnen/
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Nur seele geist und blut mit drangsal überhäuft.
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Stell ihr auch endlich vor mein kümmerndes bezeigen/
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Und laß die seufzer ihr nicht unverborgen seyn/
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Die mit bedrängter stimm aus meiner seele steigen/
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Und himmel/ erd und lufft umb hülff und rettung schreyn.
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Nun Luna! lauffe fort mit deinen blancken pferden/
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Dein helles licht nimmt zu/ mein lebenslicht nimt ab/
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Du grüst der sternen heer mit jauchtzenden geberden/
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Ich aber traurens voll mein längst gewünschtes grab;
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Du cilest freudig fort Melindens mund zu küssen/
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Und senckst auf selbigen die reinste strahlen hin/
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Und ich hergegen mus dis alles alles missen/
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Weil ich nur allzuweit von ihr entfernet bin.
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Doch gönn ich gerne dir dein völliges vergnügen/
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Nur bitt ich/ wann dein licht sich einsten wieder zeigt/
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So sage mir alßdann ohn heucheley uud lügen/
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Was doch Melinde macht/ und wie sie mir geneigt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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