Auff den trost/ daß man ihn mit ei- ner angenehmern weise zu verpflegen trachten werde

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Auff den trost/ daß man ihn mit ei- ner angenehmern weise zu verpflegen trachten werde (1703)

1
So darff ich dann der schrifft/ und meinen augen gläuben?
2
Es ist ja allzu gut/ was mein gesichte liest.
3
Ach ja/ die schöne hand kan nichts als güte schreiben
4
Weil ihre führerin die güte selber ist.
5
Man sagt mir zu/ daß man mich zu verpflegen trachte
6
Mit einer speise/ die mir angenehm soll seyn.
7
Dies wort macht/ daß ich ietzt gantz keines essens achte/
8
Biß diese ärtztin mir gibt ihre stärckung ein.
9
Kein hunger reitzet mich die speisen zu geniessen/
10
Die nur den faulen leib zu mästen tüchtig sind.
11
Ach jene speise wird mir so den mund durchsüssen/
12
Daß auch die seele selbst geschmack und krafft empfindt.
13
Sie lasse/ gütigste/ das halten und versprechen/
14
Und das verpflegen mit den worten eines seyn.
15
Zwar eher wird ihr hertz/ als sie den glauben/ brechen/
16
Doch spricht man/ wer bald gibt/ der stellt sich zweymahl ein.
17
Mein vorwitz darss hier nicht bemüht seyn nachzufragen/
18
Von was für gattung die bestimmte kost seyn soll?
19
Es wird der geberin ihr eignes hertze sagen/
20
Wie hoch (zwar unverdient/) sie mich verpflichten woll.
21
Genug ists/ daß ich weiß/ man wolle mich verpflegen
22
Mit speise/ speisen nimmt allein der mund zu sich.
23
Es kan kein andrer sinn ihm diesen trost zulegen/
24
Es ruffet der geschmack: dies alles ist für mich.
25
Man speißt bißweilen zwar einander auch die augen
26
Und trinckt die liebe sich in diesen schaalen zu.
27
Man läst sie flamm und brand eins aus den andern saugen/
28
Sie werden truncknen gleich/ und gehen halb zur ruh.
29
Wer leugnet/ daß ein bild ein auszug aller schönen/
30
Der augen weyde sey/ da ihr Chrystall sich speißt/
31
Wenn die vollkommenheit/ die alle welt muß krönen/
32
Sich ihnen deckel frey/ und unverholen weißt:
33
So hat auch das gehör/ gebiesamt zucker-essen/
34
Wenn ein liebkosend kind die süssen wörter nennt/
35
Die vielmahl ursach sind sein selbsten zu vergessen/
36
Daß der geruffene kaum seinen nahmen kennt.
37
Wann abgott/ seelen-schatz/ aug-apffel/ schönster engel
38
Und außerwehltes kind einander lösen ab.
39
So ist harthörigkeit/ und tauber ohren mängel
40
Beweiß: daß das gehör ein herrlich gastmahl hab.
41
Es speiset der geruch/ wenn ihn ein hauch vergnüget/
42
Sein bestes Amber-brodt ist eine süsse lufft.
43
Die wenn ein schöner mund auf einem andern lieget/
44
Uns offt entgegen geht/ und ins gesichte dufft.
45
Ists nicht ein freuden-mahl/ das das gefühl erquicket/
46
Wenn man das schönste bild der niederwelt berührt/
47
Die armen um sich schleußt/ wenn brust an brust sich drücket/
48
Und die geliebte schoß ein grab der geister wird.
49
Doch alles diefes ist nicht eigentlich gesprochen/
50
Wenn man die wollust speißt/ vergnügt sein essen heißt.
51
Dem munde bleibt sein recht und vorzug unentbrochen/
52
Weil dieser eigentlich/ und nur alleine speist.
53
Demnach ich schönste dann auß ihrer zusag schliessen/
54
Und sicher folgern darff/ mein mund soll glücklich seyn.
55
So mag es wie es will den andern leib verdriessen/
56
Sie flösse durch den mund der seele speisen ein.
57
Jetzt will ich auch nicht mehr den lieben vogel neiden/
58
Das arme thierchen mag in guten friede ruhn.
59
Wenn mich ein gleiches krönt/ kan ich sein glück wohl leiden/
60
Der vorzug geht wohl hin/ der nicht kan eintrag thun/
61
Sie lasse mich vergnügt an seinem tische speisen/
62
Obs närrgen gleich den todt an diesem zucker fraß/
63
So will ich doch mich so/ und aller welt erweisen/
64
Daß hier ein mensch/ und dort ein dummer vogel aß.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.