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Das hab ich wohl gedacht/ dein allzu gut geschicke/
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Mein zeißgen/ dräute dir den jähen untergang.
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Wer sich nicht mäßiget bey gar zu grossen glücke/
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Gewißlich er genießt des wechsels gar nicht lang.
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Da hast du nun die frucht der ungewehnten speisen/
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Von denen ich gesagt/ sie dienen vögeln nicht.
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Du kanst mir andere auf dein exempel weisen
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Wann sie an diesen tisch zu gehn der haber sticht.
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Was nützt dir nun der neid der mich zurück getrieben/
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Als ich dein gast zu seyn so sehnlich von dir bat.
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Der speisen ist ja noch viel vorrath überblieben/
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Da dich nunmehr der todt schon in den klauen hat.
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Hätt ich dirs vorgemacht/ und du mir zugesehen/
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Wie man von lippen trinckt/ und aus dem munde speißt
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So wäre es vielleicht noch nicht umb dich geschehen.
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Und deine seele zu dem grabe fortgereißt.
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Ich hätte dich gelehrt/ wie die Rubinen höle
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Zwar muß ein sammel platz der lebensgeister seyn;
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Doch so/ daß wiederum die satt geküste seele
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Sich von den lippen dringt in alle glieder ein.
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Da hastu armes thier der wiederkehr vergessen/
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Und wie dein leben an des schnabels spitze hieng/
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Da hastu zugeschnapt noch mehr und mehr zu essen/
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Biß durch das offne maul die seele von dir gieng.
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Jtzt solt ich billiger mich freuen/ als betrüben/
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(ein neydisches gemüth ist keiner thränen wehrt.)
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Doch muß ich dich mein thier des todtes wegen lieben/
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Deß ich mit mehrer lust/ als du/ gar offt begehrt.
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Doch mit dem unterscheid/ daß ichs so grob nicht machte/
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Und gar die seele aus den lippen von mir sties.
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Nein/ sondern wann das glück am freundlichsten mir lachte/
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Und es am besten schmeckt/ die speise fahreu ließ.
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Des zuckers gar zu viel verschleimet unß den magen/
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Alkermes wil gesund/ doch nicht gemißbraucht seyn.
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Gehäuffter Mithridat kan uns zu grabe tragen/
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Und Ambra stets gebraucht/ nimmt haupt und sinnen ein.
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Ey! Hättstu dies bedacht! doch magstu seyn gestorben
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Von thorheit oder auch von grossem überfluß;
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So hastu doch das lob von aller welt erworben/
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Daß man dich iederzeit glückselig preisen muß.
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Ich will dich und dein glück auch unauffhörlich lieben/
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Aus hoffnung/ daß du mich im testament bedacht.
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Und etwas süsses mir von deinem tisch verschrieben/
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Hab ich die grabeschrifft auff deinen stein gemacht.
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Wer dächte daß ein mund durch küsse tödten solte?
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Doch zeigts mein vogel an der hier im grabe ruht.
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Er fand den todt allda/ wo ich recht leben wolte/
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Doch weiß ich nur wies mir/ nicht wies den vögeln thut.