Wie sie die schwanen auf dem wasser an sich lockte

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Wie sie die schwanen auf dem wasser an sich lockte (1703)

1
Als Venus neulich war zum himmel aufgeflogen/
2
Weil frost und strenge lufft sich hier auf erden faud/
3
Und sich in schneller eil der kalten welt entzogen/
4
Doch ehstens hier zu seyn in frischer hoffnung stand;
5
So ließ sie noch zuvor die schwanen für sich kommen/
6
Die sonst der Venus volck und liebes-boten seyn/
7
Und die sie anfangs bald zu diensten angenommen/
8
Als diese göttin erst sich fand auf erden ein.
9
Sie sprach: Mein werthes volck/ ihr meine hof-trabanten/
10
Die ihr mir jederzeit bisher getreu gewest/
11
Und als der buhlerey geheimste abgesandten/
12
Euch fleißig eingestellt bey meinem opfer-fest/
13
Jhr zeugen meiner lust/ ich muß itzt von euch scheiden/
14
Die rauhe winters-zeit verjagt mich aus der welt/
15
Ich muß/ ob wolt ich nicht/ euch eine zeitlang meiden/
16
Und dort im himmel seyn den göttern beygesellt.
17
Doch hof ich auch zugleich in kurtzem euch zu schauen/
18
Zieht ihr indessen hin/ gebrauchet euch der zeit/
19
Lebt wohl in süsser lust und lieblichem vertrauen/
20
Biß meine gegenwart euch wiederum erfreut.
21
Hiemit so hat sie sich bald in die lufft geschwungen/
22
Und ließ dies weiße volck bestürtzt und traurig stehn/
23
Der schmertz kam hauffen-weiß auf sie herzugedrungen/
24
Es schien/ sie solten fast in noth und angst vergehn.
25
Sie zitterten vor furcht und bebeten vor schrecken/
26
Sie schwommen in der irr gantz einsam und betrübt.
27
Und hat die bange zeit/ so alles wil beflecken/
28
Die gröste grausamkeit an ihnen ausgeübt.
29
Doch gestern weiß ich nicht/ wies das verhängnüs schickte/
30
Diß aber weis ich wohl/ es kam von ohngefehr/
31
Daß dieses schwanen-volck/ Melinde/ dich erblickte/
32
Als es noch voller schmertz so irrte hin und her.
33
Wie häufig kamen sie nicht auf dich zugedrungen/
34
Der meinung: Venus sey nun wieder auf der welt/
35
Sie habe wiederum sich himmelab geschwungen/
36
Und sich in deine zierd und schönste pracht verstellt.
37
Sie sahen auch das feur in deinen augen blitzen/
38
Das Venus nur allein in ihren sonnen trägt/
39
Und das durch einen blick kan seel und geist erhitzen/
40
Wann dieser wunderzeug die heissen kräffte regt.
41
Den purpur/ den sie sonst auff Venus mund gefunden/
42
Der zarten wangen pracht und süße lieblichkeit/
43
Diß alles sahen sie bey dir noch unverschwunden/
44
Und in dem höchsten glantz vollkommen ausgestreut.
45
Was wunder wann sie denn vor Venus dich erkanten/
46
Und deinen bloßen winck in stiller furcht verehrt/
47
Daß sie/ der Venus volck und treuste abgesandten/
48
Zu dir/ als herrscherin sich alsobald gekehrt?
49
Melinde/ glaube dem/ der dich noch nie belogen/
50
Es hat dich die natur recht himmlisch ausgeziert/
51
Kein wunder/ wann du nun die schwanen hast betrogen/
52
Ich selber bin von dir auch in das garn geführt.
53
Drum gönne/ daß ich dich darf meine Venus nennen/
54
Und weil du schon mein hertz hast einmal angezündt/
55
So laß mich ferner noch in diesem feuer brennen/
56
Das seine nahrung blos in deinen augen findt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.