Antwort-schreiben an die Frau Gr. A. v. A

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Antwort-schreiben an die Frau Gr. A. v. A (1703)

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So bald ich dich und deinen einschluß laß/
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O werthes blat! von schönster hand geschrieben/
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Da wurd ich der/ der seiner selbst vergaß/
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Weil ich mich sah von der beständig lieben/
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Die auf der welt in warheit/ in der that
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An redlichkeit/ an treu/ verstand und güte/
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An schönem leib/ noch schönerem gemüthe/
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An tugend selbst/ nicht ihres gleichen hat.
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Wer bin ich doch und mein verdienst mit mir/
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Mich solcher gunst und liebe werth zu schätzen?
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Das heist sich selbst zu tief herunter setzen/
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Wenn man ein nichts zieht vielem etwas für.
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Wer kiefelstein vor diamanten kiest/
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Wer kohlen gräbt/ und läst den goldklump liegen/
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Wem kleinigkeit sein grosses wesen ist/
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Und kan mit witz sich doch dabey vergnügen:
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Den zwingt fürwahr der himmel selbst darzu
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Durch ein gerüst von sehr verborgnen stricken/
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Das heimlich wirckt/ und läst uns keine ruh/
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Biß man sich muß in sein verhängniß schicken.
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Man fühlt den trieb und merckt doch keinen zwang/
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Die reden sind samt ihrer krafft verborgen;
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Ein weiß nicht was durch unsichtbaren gang
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Verwickelt uns in weiß nicht was für sorgen.
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Da hört man nichts von klugem unterscheid/
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Da hebt sich auf/ was werth und unwerth machet/
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Der sitzt im schooß/ und jener stirbt vor neid;
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Der wird geliebt/ ein ander wird verlachet.
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Hier seht ihr euch leibhafftig vorgestellt/
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Moin ander ich/ mein eintziges vergnügen/
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Ich bin das nichts/ ihr mir die gantze welt;
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An statt ich solt zu euren füssen liegen/
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So liebt ihr mich und zwar mit höchster treu/
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Mit reinigkeit den engeln gleich zu schätzen;
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Mit keuscher brunst/ die immer kan ergetzen/
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Und ohne schuld wird alle morgen neu.
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Fahrt fort/ mein schatz/ mein allerhöchstes gut/
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Durch dieses band uns ewig zu verbinden/
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In meiner brust soll sich kein ende finden/
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Das schwer ich euch bey unsrer schönen glut.
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So lange sich mein blut in adern regt/
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Und meinem leib empfindlichkeit wird geben;
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So lange noch mein hertz zur lincken schlägt/
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So lange seyd auch ihr mein liebstes leben.
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Nun fragt euch selbst/ ob man dergleichen mann/
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Der sich so gar an euch hat übergeben/
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Der keine stund ohn euch begehrt zu leben/
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Auch wie ihr schreibt/ zu heftig lieben kan?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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