23.

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Arno Holz: 23. (1886)

1
Und grau in grau verschwimmt die Luft,
2
Und um den Herd und um sein Feuer
3
Webt Winterduft.

4
Das ist die Zeit, wo sich die Seele
5
Stilleinsam auf sich selbst besinnt
6
Und wie im Lenz einst Philomele
7
Auf Lieder sinnt.

8
Willkommen drum zur guten Stunde,
9
O Muse, unter meinem Dach;
10
Ist auch dies Stübchen hier im Grunde
11
Kein Prunkgemach!

12
Vier Wände nur und was darinnen,
13
Ein Tisch, zwei Stühle und ein Schrein;
14
So sitzen wir vergnügt und sinnen
15
Beim Lampenschein.

16
Doch draußen, welch ein grauses Wetter
17
Durchrast gespensterhaft die Nacht?
18
Mir däucht, so klingt das Horngeschmetter
19
Der wilden Jagd!

20
Der Regen peitscht in jähem Grimme
21
Ans Fenster, daß der Laden wankt,
22
Und durch die Luft heult eine Stimme
23
Und ächzt und bangt.

24
Ein Kreischen wie von Wetterhähnen
25
Umkreist der Kirche nahen Thurm,
26
Denn ihn bedräut mit giftgen Zähnen
27
Der Drache Sturm.

28
Von Menschen scheint die Stadt verlassen,
29
Kein Licht mehr, das nicht längst verblich,
30
Und wer hinabblickt auf die Gassen,
31
Bekreuzigt sich.

32
Fürwahr, ist da nicht unsre Zelle
33
Ein irdisch Stücklein Seligkeit,
34
Und predigt nicht des Lämpchens Helle
35
Gemüthlichkeit?

36
Und näher rücken wir zusammen
37
Und was ich frage, thust du kund;
38
Dein Auge spielt in blauen Flammen,
39
Es lacht dein Mund.

40
Aus Ost und Westen, Süd und Norden,
41
Von Steinen, Blumen und Gethier,
42
Warum und wie sie so geworden,
43
Erzählst du mir:

44
Und was einst vor so manchem Jährchen
45
Die Welt erlebt in Lust und Leid,
46
Und wenn ich bitte, auch ein Märchen
47
Aus alter Zeit.

48
Wie Siegfried einst die Maid Brunhilde
49
Durch seinen Kuß vom Schlaf erweckt,
50
Und wie sich hinter diesem Bilde
51
Ein Sinn versteckt.

52
Wie jährlich noch die Mutter Erde
53
Sich einspinnt in die Winternacht,
54
Bis sie im Lenz durch Gottes Werde
55
Aufs Neu erwacht.

56
Drum laß den Tod nur draußen dräuen,
57
Wir zwei sind gegen ihn gefeit;
58
Das Leben wird sich schon erneuen
59
Zu seiner Zeit.

60
Als Lenz wird es uns Veilchen bringen,
61
Und tändeln wird's als Blüthenfall,
62
Und Nachts im Flieder wird es singen
63
Als Nachtigall!

(Holz, Arno: Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen. Zürich, 1886.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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