1
Voreinst in Friedrich Rothbarts Sold
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Und schaute noch die Herrlichkeit
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Der goldnen Hohenstaufenzeit.
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Herr Du mein Gott! das war ein Leben,
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Wenn hoch ihr Schlachtpanier gerauscht
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Und wir den kargen Kranz der Reben
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Um einen Lorbeer eingetauscht!
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Da schien die ganze weite Welt
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Nur aufs Germanenthum gestellt,
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Und deutsche That und deutsches Wort
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Gebot im Süd und galt im Nord;
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Gesühnt war Tribur und Kanossa,
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O, wie doch dieses Namens Hauch
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Noch immer mir das Herz erfreut,
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Als ob ein blühender Rosenstrauch
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Mir alle seine Düfte streut!
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Wir dienten ihm im Heeresbann
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So an die hunderttausend Mann,
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Doch hätte Jeder wohl sein Leben
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Mit Freuden für ihn hingegeben!
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Ich bin so manches liebe Mal
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Ins Welschland vor ihm hergeritten,
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Wenn über uns ins Alpenthal
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Vom Felsgrat die Lawinen glitten.
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Der Pfad war eng, von rechts und links
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Umzischten uns die welschen Speere,
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Doch mitten durch die Feinde gings
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Zu seiner und zu unsrer Ehre.
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Dann sprengte er wohl siegbewußt
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Dicht neben mir auf seinem Rappen,
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Ich aber jauchzte auf vor Lust
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Und hoch hielt ich das Kaiserwappen.
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So kämpften wir uns wacker durch
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Und stürmten manche Felsenburg,
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Bis endlich wir in welschen Landen
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Die köstlichste Belohnung fanden.
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Wohl sind sie schön, Germaniens Gauen
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Und sagenraunend rauscht der Rhein
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Und lieblich ist's, in ihn zu schauen
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Beim Sonnen- wie beim Mondenschein;
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Denn rückgespiegelt siehst Du blinken
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In ihm der Burgen schlanken Bau
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Und tausend goldne Sterne sinken
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Des Nachts in seinen Wellenthau:
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Doch wem des Südlands Wunderdüfte
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Nur einmal Haupt umspielt und Brust,
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Dem dünken rauh die deutschen Lüfte
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Und sehnend lockt ihn seine Lust,
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Dahin zu ziehn auf schnellen Füßen,
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Wo hoch der Alpen Firne glühn,
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Und wandernd mit Gesang zu grüßen
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Das Land, wo die Orangen blühn.
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Italiens sonnige Gefilde
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Sind ihm der Sel'gen sel'ges Land,
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Darüber sich in sanfter Milde
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Ein ewig blauer Himmel spannt.
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Vergessen mit dem deutschen Harme
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Hat er das Lied der Lorelei
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Und wirft sich jauchzend in die Arme
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Der sonnbeglänzten Lombardei!
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So ist es Jedem noch ergangen,
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Der einst mit Kaiser Rothbart stritt;
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Auch ich hab mich nach Südlands Prangen
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Gesehnt, wenn ich ins Nordland ritt.
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Doch wenn dann nach den sieben Hügeln
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Sich wieder unser Troß gewandt,
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Dann war's, als schwebten wir auf Flügeln,
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So schnell durchflogen wir das Land.
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Venetiens schimmernde Paläste
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Verschwammen kaum im Morgenduft,
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Da grüßte schon die deutschen Gäste
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Der Thurm Bolognas durch die Luft.
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Doch weiter ging's; und immer milder
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Umfloß uns Luft und Licht und Lenz,
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Bis wir das schönste aller Bilder
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Erschaut, das göttliche Florenz.
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Doch ach, so schnell wie es erschienen,
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So schnell war es auch schon versunken,
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Und weiter zogen schönheitstrunken
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Wir längs des Hangs der Apenninen.
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Durch alter Tempel Säulenreste
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Ging lachend unser Siegeslauf
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Nahm uns in ihre Mauern auf.
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Im Pinien- und Olivenhain,
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In manches Klosters stiller Zelle,
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Siener- und Orvietowein,
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Wir probten ihn an seiner Quelle.
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Durch Ufergrün und Blüthenschnee
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Ging's rund um den Bolsenersee
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Und weiter mit Triumphgesang
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Dem gelben Tiberstrom entlang,
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Bis endlich auf den sieben Hügeln
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Die Stadt der Städte sich erhob,
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Und jauchzend, mit verhängten Zügeln,
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Ging's thalwärts, daß es Funken stob!
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O Wonne, wenn nach langem Ritt
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Durch Säulensturz und Tempelbogen
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Als Sieger wir in Schritt und Tritt
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Durch Roms bekränzte Gassen zogen!
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Quartier nahm Jeder, wo er wollte,
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Der Becher klang, der Würfel rollte,
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Und ans Gesims hing sein Gewaffen
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Beim Fürsten der und der beim Pfaffen.
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Dann ging erst unser Leben an,
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Trotz Weh und Ach, trotz Papst und Bann.
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Juchhei, das war ein flottes Schreiten,
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Den langen Flammberg an der Seiten,
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Die Straßen auf, die Straßen ab;
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Und oft, den Schmucksten zu belohnen,
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Fiel hoch von marmornen Balkonen
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Ein rother Rosenstrauß herab.
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Und überall, wohin wir schauten,
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Noch nie von uns erblickte Bauten;
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Das war ein Blinken, Glitzern, Gleißen:
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Statüen, Obelisken, Hermen,
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Theater, Circusse und Thermen
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Und wie die Wunder alle heißen!
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Ja, es ist schön das ewge Rom
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Mit seinen Kirchen, Tempeln, Brücken;
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Ein farbenschillerndes Phantom
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Wird es dir Herz und Sinn berücken.
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Doch schöner noch dünkt mich Byzanz,
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Die goldne Stadt am goldnen Horn;
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Ein nie erschöpfter Wunderborn,
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Strahlt sie in märchenhaftem Glanz.
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Denn dort, auch dorthin kamen wir
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Auf unsern vielverschlungnen Wegen
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Und trugen kühn das Kreuzpanier
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Dem Sultan Saladin entgegen.
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Das war ein Kampf! Oft gell und schrill,
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Mit Durst und Hunger, Pest und Seuchen,
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Und oft auch wieder todtenstill,
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Man hörte nur die Pferde keuchen.
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Wir aber wankten wie im Traum,
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Die Zunge klebte uns am Gaum,
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Der Sand stieg schier bis übers Knie
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Und seufzend klang's: Hilf, Sanct Marie!
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Nur Einer, Einer für uns wachte.
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Er sprach uns Muth und Hoffnung ein,
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Bis wieder uns das Kriegsglück lachte
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Im Palmenthal beim Cyperwein.
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Der Rothbart war's, der greise Held,
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Dem silbern schon die Locke wallte,
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Der stets als Erster trat vors Zelt,
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So oft das All il Allah hallte.
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Und wenn das Sarazenenheer
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Dann rund um unser Lager sauste,
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Dann war es wieder er, nur er,
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Vor dem's den wilden Heiden grauste.
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Er war ein Schild uns, war der Stern,
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Der ins gelobte Land uns wies,
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Und den das Heer als seinen Herrn,
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Als seinen Hort und Hirten pries.
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Und wär zum Glück der gelben Horden
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Er uns nicht jäh entrissen worden,
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Es hätte binnen wenig Wochen,
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Anstatt vom Wüstenhauch umweht,
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Des Kaisers Pater sein Gebet
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Am heilgen Grabe selbst gesprochen.
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Doch als des Salephs falsche Wogen
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Ins feuchte Nixengrab ihn zogen,
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Da war es aus mit unserm Hoffen,
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Und jäh vom Todespfeil getroffen
166
Zerfiel sein schwarzes Flügelpaar
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Germaniens nie bezwungner Aar.
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Schwer war der Schlag und groß das Leid
169
Und an brach eine trübe Zeit,
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Die Sonne stach, die Wunde rann
171
Und hingerafft ward Mann um Mann.
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Und wem die Sarazenenklinge,
173
Wem Durst und Hunger gnädig waren,
174
Den schlug die schlimmste der Gefahren,
175
Den fing die Pest in ihrer Schlinge.
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Da war's denn wohl kein großes Wunder,
177
Wenn Jeder, der noch aufwärts blickte,
178
Den ganzen Sarazenenplunder
179
Ergrimmt zu allen Teufeln schickte!
180
Zu weit war uns der Weg, zu krumm,
181
Und ach, noch fern lag Christi Grab;
182
Da kehrte mehr als Einer um —
183
Auch ich nahm mir das Kreuzlein ab!
184
Auf einer griechischen Triere,
185
Vorbei der Insel der Cythere,
186
Fuhr ich meerüber nach Korinth;
187
Ein Leben, voll von Aventiuren,
188
Ein Wanderleben, wollt ich führen,
189
Unstät und frei, frei wie der Wind.
190
In Korfu, wo San Markos Fahnen
191
Von Thürmen wehten und Altanen,
192
Trat ich ins Heer der Republik;
193
Ich kämpfte auf Venedigs Meeren
194
Und purpurn schwammen die Galeeren
195
Beim Klang der maurischen Musik.
196
Auf dunkelblauem Meerespfade,
197
Entlang die schimmernden Gestade,
198
Ging pfeilschnell unser Siegeslauf;
199
Auf Capri pflückten wir uns Myrthen
200
Und lauerten im Schutz der Syrten
201
Den lybischen Korsaren auf.
202
Beim Sterngeflimmer der Plejaden
203
Durchruderten wir die Cycladen
204
Und Gold, nur Gold war unsre Fracht;
205
Und wieder von der Insel Paros
206
Ging's südwärts, wo der Leuchtthurm Pharos
207
Die Ptolemäerstadt bewacht.
208
Das Wunderland der Pyramiden,
209
Die Zauberwelt der Abbassiden,
210
Selbst sie, sie schlossen sich uns auf:
211
So, ewig wechselnd, manches Jährchen
212
Schwamm ich, mir selbst ein buntes Märchen,
213
Das Mittelmeer hinab, hinauf!
214
Doch ob auch noch so blau die Wogen,
215
Nach Deutschland fühlt ich mich gezogen,
216
Nach Deutschland kehrt ich auch zurück;
217
Ich fuhr den Rhein hinab bei Bingen
218
Und tief im Herzen fühlt ich's klingen:
219
Nur in der Heimat wohnt das Glück!
220
Und westwärts dann im Morgengrauen
221
Zog ich durch Frankens goldne Auen,
222
Vorbei an Dörfern, Weilern, Seen;
223
Und oft sang ich auf grüner Haide,
224
Wie Walther von der Vogelweide:
225
Der Lande hab ich viel gesehn!
226
Doch was gilt Frankreich mir, was Spanien,
227
Was Gräcien gegen dich, Germanien,
228
O du mein liebes Vaterland!
229
Auf Jahre warst du mir verloren,
232
So, über Thäler, über Hügel,
233
Ward mir gemach die Ferne nah,
234
Und meine Sehnsucht lieh mir Flügel,
235
Bis endlich ich die Wartburg sah.
236
Ich sah sie hoch vom Berg mir winken,
237
Den steilen Pfad klomm ich hinauf,
238
Und mir im Auge fühlt ich's blinken,
239
Und mir im Herzen klang's: Glückauf!
240
Ja, alles war noch wie vor Zeiten,
241
Die Brücke dort und dort der Thurm,
242
Drin ich beim Loh'n von eichnen Scheiten
243
So oft verträumt den Wintersturm.
244
Umkrächzt von Dohlen und von Raben,
245
Hat er, vom nahen Wald umrauscht,
246
Des alten Burgwarts jungen Knaben
247
Gar oft bei seinem Spiel belauscht.
248
In dieses Gras bin ich gesunken,
249
Von diesem Baum sang ich mein Lied,
250
Aus jenem Born hab ich getrunken,
251
Vor jenem Kreuz hab ich gekniet.
253
Die ersten Sporen umgeschnallt
254
Und dort steht auch noch grau und düster
255
Die alte Steinwand aus Basalt!
256
Ach, jene weinumrankte Mauer
257
War oftmals meiner Sehnsucht Ziel,
258
Wenn Nachts ein dunkler Regenschauer
259
Lautplätschernd auf die Dächer fiel!
260
Blauschwärzlich um die blanke Rüstung
261
Den Reitermantel, den ich trug,
262
Lehnt ich mich träumend an die Brüstung
263
Und fühlte, wie das Herz mir schlug.
264
Denn über mir schwang sich ein Gaden
265
Phantastisch in die Wetternacht
266
Und golden hinterm Fensterladen
267
War noch ein Lichtlein angefacht.
268
Dort saß sie fleißig hinterm Rocken
269
Und spann und sang und sang und spann,
270
Indeß das Seidenweich der Locken
271
Ihr golden um die Schläfen rann.
272
Ich hörte, wie die Spindel surrend
273
Sich rythmisch um sich selber schwang
274
Und, felldurchwärmt, schlich leise schnurrend
275
Ihr Kätzlein um die Ofenbank.
276
O stillverschwiegne Kemmenate,
277
Noch heute schwellt sich mir die Brust,
278
Noch heute pocht's in ihr: „Renate!“ —
279
Ob sie's gewußt? Ob sie's gewußt?
280
Ich weiß, ich hab dich nie vergessen,
281
Und oft hab ich an dich gedacht,
282
Wenn ich am Lagersaum gesessen
283
In Syriens blauer Sommernacht;
284
Wenn ich mich wild im Tanz geschwungen
285
Auf Maltas braunem Felsenriff
286
Und übers Enterbrett gesprungen
287
Aufjauchzend ins Piratenschiff!
288
Du bist als Traum zu mir gekommen
289
Ums Morgen- und ums Abendroth —
290
Und schluchzend hab ich einst vernommen,
291
Daß du schon lange, lange todt!
292
Daß sich im Schatten jener Linde
293
Um dich ein schwarzes Kreuz erhub,
294
Aus jenem Holz, in dessen Rinde
295
Ich einst vielleicht „Renate!“ grub! .....
296
O Gott, wie lang, wie bitterlange,
297
Hab ich die Heimat nicht gesehn!
298
Doch still, mein Herz, nun sei nicht bange,
299
Nun sollst du wieder auferstehn!
300
Zwar hegt dich keines Sängers Busen,
301
Doch hold sind ja auch mir die Musen,
302
Und Landgraf Hermann ist bekannt
303
Als edler Fürst im ganzen Land!
304
Und ein trat ich durchs Bogenthor,
305
Ich traf ihn grad bei seiner Linde
306
Und trug umringt vom Burggesinde,
307
Bescheiden meine Bitte vor.
308
Und siehe da, er war mir hold
309
Und nahm mich auf in seinen Sold!
310
Und nun ging mir ein Leben an
311
In holder Frauen holdem Bann,
312
In edler Sänger edlem Kreis,
313
Daß ich es kaum zu schildern weiß.
314
Von Falknern und von Bogenspannern,
315
Von Kranzgewinden und von Bannern
316
War das ein farbenprächtig Wogen,
317
Und allenthalben kam gezogen
318
Durch Winterschnee und Sommerstaub,
319
Durch Herbstblattfall und Frühlingslaub
320
Ein Heer von ritterlichen Sängern,
321
Von Fahrenden und Herzensfängern.
322
Von Harfenklang und Speerwurf klang's
323
Im Burgpallas tagaus, tagein
324
Und edle Herzen werbend drang's
325
Bis weit ins deutsche Land hinein;
326
Denn nichts stand höher in der Gunst
327
Des Burgherrn als die Sangeskunst.
328
Und wahrlich, nicht vergebens hielt,
329
Vom Hauch der Poesie umspielt,
330
Der Landgraf Hermann für und für
331
Den Sängern offen Thor und Thür.
332
Denn prächtig war die Tafelrunde
333
In seinem goldnen Prunkgemach
334
Und wohl der Edelste im Bunde
335
War Wolferam von Eschinbach;
336
Auch Walther von der Vogelweide,
337
„wer deß vergäß, der thät mir leide,“
338
Herr Hartmann von der güldnen Aue,
339
Der Waidmann Biterolf, der Schlaue,
340
Und auch der Schreck der alten Weiber,
341
„heinrich, der tugendhafte Schreiber!“
342
Und wenn Turnier und Sangesfehden
343
Den edlen Herrn Ergötzung schufen,
344
Dann war's mein Amt, mit Heroldsreden
345
Im Prunksaal und im grünen Gras
346
Des Tages Sieger auszurufen,
347
Und hei! wie gerne that ich das!
348
Denn klingen Wort und That wie Erz,
349
Dann freut's ein braves Reiterherz.
350
Nur einmal schlug es Weh und Ach,
351
Als Wolferam von Eschinbach
352
Nach wildverzweiflungsvollem Ringen
353
Den armen Heinz von Osterdingen
354
Durch seiner Lieder Kraft bezwungen
355
Und schmählich in den Staub gerungen.
356
Noch heute lebt im Volk die Sage
357
Von jenem alten Sängerkrieg
358
Und preisen wird man Wolframs Sieg
359
Bis an das Ende aller Tage!
360
Denn als schon grinsend Meister Hans
361
Sein Richtschwert prüfte mit dem Finger,
362
Nahm Wolfram seinen goldnen Kranz
363
Und reichte ihn — dem Osterdinger!
364
Hei, wie da Männerherzen klopften
365
Und blaue Frauenaugen tropften,
366
Als nun versöhnlich die Genossen
367
Sich stumm in ihre Arme schlossen!
368
Dann aber bogen sie ihr Knie,
369
Der Fürst stieg von des Thrones Stufen
370
Und lieber hab ich wohl noch nie,
371
Was meines Amtes, ausgerufen!
372
Die ganze Wartburg schwamm in Jubel,
373
Der Becher nur, kein Schwert erklang,
374
Zum Reigentanz ward bald der Trubel,
375
Das Leid zur Lust, die Lust Gesang.
376
So schwanden wechselnd mir die Tage,
377
Ein Jahr ums andre sacht verrann,
378
Und schon blies mich des Alters Plage,
379
Des Alters schleichend Siechthum an.
380
Nun ward Erinnrung mein Genosse,
381
Erinnrung sang mir Tag und Nacht
382
Von jener Zeit, da ich zu Rosse
383
Dem Kaiser vorritt in die Schlacht.
384
Doch todt der Held! Nur sein Gedächtniß
385
Klang noch im Volke rings umher,
386
Doch seine Krone, sein Vermächtniß,
387
Mit jedem Tag zerfiel sie mehr.
388
Geschändet war die deutsche Ehre
389
Durch Fürstenmord und Pfaffentrug
390
Und nicht wie sonst von Meer zu Meere
391
Hielt Deutschlands Aar mehr seinen Flug.
392
Doch sank das Reich auch ins Verderben,
393
Noch einmal, eh ich ging zu sterben,
394
Wollt ich mir seine sieben Gauen
395
Im Glanz der Frühlingspracht beschauen.
396
Drum wieder, als der Schnee geschmolzen,
397
Gab ich mein Amt dem Burgherrn ab
398
Und ritt mit Armbrust, Schwert und Bolzen
399
Getrost durchs Thor ins Thal hinab.
400
Durch Wäldergrün um Dorf und Weiler
401
Ritt ich fürbaß beim Blättersäuseln
402
Und oft sah ich den Rauch der Meiler
403
Still träumend in die Luft sich kräuseln.
404
Durch mancher Burg zerfallne Häuser
405
Ging's weiter dann ins Land hinein
406
Und einst kam ich im Abendschein
407
Auch an den alten Berg Kyffhäuser.
408
Der Herr war müd, sein Rößlein auch,
409
Ich band es los und ließ es grasen
410
Und lagerte mich in den Rasen
411
Tief unter einem Hollerstrauch.
412
Dem Schicksal Deutschlands sann ich nach,
413
Dem Schicksal meines Vaterlands,
414
Bis mir vom Abendsonnenglanz
415
Das Salz durch beide Wimpern brach.
416
Des Reiches Herrlichkeit verhandelt!
417
Und wann, wann wird sie auferstehn?
418
O Zeit, wie hast du dich verwandelt!
419
O Herz, nun darfst du sterben gehn!
420
Wie Kaiser Rothbart möcht ich nun
421
Tief, tief im Schooß der Erde ruhn!
422
Und wie ich also saß und sann,
423
Da that sich auf des Berges Thor
424
Und schimmernd trat ein Rittersmann
425
In goldner Rüstung draus hervor.
426
Er war von königlicher Art,
427
Wie Silber wallten seine Locken,
428
Doch roth wie Feuer war sein Bart —
429
Und nieder kniet ich froh erschrocken;
430
Ein Zauber war's, der mich nun bannte,
431
Denn Rothbart war's, den ich erkannte.
432
„hab Dank,“ so hub er an zu sprechen,
433
„für deine Treue, Ehrenhold;
434
Ich weiß, es will das Herz dir brechen,
435
Weil es mit seinem Volke grollt.
436
Doch sei getrost; denn meine Krone,
437
Nicht spurlos soll sie untergehn;
438
Einst wird auf neuerstandnem Throne
439
Ein neuer Herrscher auferstehn,“
440
Ein neuer Kaiser, der gewaltig
441
Des Reiches goldnes Scepter schwingt,
442
Indeß der Purpurmantel faltig
443
Die eherne Gestalt umschlingt.
444
Dann wird das deutsche Banner prächtig
445
Gen Himmel wehn im Morgenschein
446
Und wieder dann Alldeutschland mächtig
447
Ein einig Volk von Brüdern sein!
448
Indessen bis auf deutschem Herde
449
Die Aschenglut aufs neu erglommen,
450
Will tief ich hier im Schooß der Erde
451
Der Zeiten harren, die da kommen.
452
Gewappnet und im Kreis der Ritter
453
Will helfen ich das Reich erstreiten,
454
Und eines Sängers goldne Zither
455
Soll meine That im Lied begleiten.
456
Doch dich, den treusten meiner Knappen,
457
Dich nehm ich wiederum in Sold;
458
Da, hier mein Schild und hier mein Wappen,
459
Nimm's hin und sei mein Ehrenhold;
460
Nimm's hin und halt im Bergesschacht
461
Für unser Volk die heilge Wacht!“
466
Ein goldig grüner Schimmer blinkte
467
Auf uns herab aus dem Gestein
468
Und tief im Hintergrunde winkte
469
Uns fernher rother Ampeln Schein.
470
Dann that, umrauscht vom Tropfenfalle,
471
Sich prächtig eine weite Halle
472
Vor den erstaunten Augen auf;
473
Und horch, ein Sänger schlug die Zither
474
Und um ihn drängten sich die Ritter,
475
Am Gurt das Schwert, die Hand am Knauf.
476
Die Panzer schmückten Eichenreiser
477
Und nieder setzte sich der Kaiser
478
An seinen Tisch von Marmelstein,
479
Die Häupter sah man rings sich neigen,
480
Und plötzlich dann ein großes Schweigen
481
Und wach blieb nur der Schlaf allein.
482
Da stand ich mit gelähmten Händen,
483
Das Wasser tropfte von den Wänden
484
Und dunkel brach die Nacht herein,
485
Und über uns auf grüner Erde
486
Schlug wild die Zeit auf ihre Pferde,
487
Die rollenden Jahrzehnte, ein.
488
Die „kaiserlose“ Zeit vertollte
489
Und auf Neapels Marktplatz rollte
490
Das blonde Haupt des Konradin;
491
Die Hansa baute ihre Flotten,
492
Die Frau Scholastik fing sich Motten
493
Und Straßburgs Münster schuf Erwin.
494
Dann aus des Mittelalters Wettern
495
Schoß seine Blitze, seine Lettern,
496
Der brave Hans von Guttenberg
498
Und prügelte mit seinen Thesen
499
Den Papst durch, Romas Riesenzwerg.
500
Drauf Kaiser Max, „der letzte Ritter“,
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Und weiter jenes Hochgewitter,
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Der wilde dreißigjährge Krieg;
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Zuerst ein wüstes Hälsebrechen,
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Dann Pudern und Französischsprechen
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Und endlich wieder mal ein Sieg!
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Der alte Fritz nahm seine Krücke
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Und schlug die Reichsarmee in Stücke
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Und straffer zog sich jedes Glied;
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Die Schlacht von Roßbach war geschlagen,
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Ein neuer Morgen schien zu tagen
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Und Goethe sang sein erstes Lied!
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Wir aber, tief im Schooß der Erde,
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Lauschten vergeblich auf das: „Werde!“
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Denn knöchern schlich um uns der Tod,
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Und leis nur klirrten die Schwerterspitzen:
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Wann wirst du endlich uns umblitzen,
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O Morgenroth! o Morgenroth!
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Ihr kennt die alten Sagen ja;
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Ihr wißt, wie je nach hundert Jahren
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Der Kaiser aus dem Schlaf gefahren
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Und ich die Raben fliegen sah;
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Bis endlich ich mit Horngeschmetter
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Nach sechs Jahrhunderten den Retter,
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Den Retter Deutschlands, froh begrüßt,
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Indeß den Erbfeind zu bekriegen,
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Sein Heer von Siegen flog zu Siegen,
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Bis Frankreich seine Schuld gebüßt!
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Und wieder nun von Fels zu Meer
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Reicht Deutschlands Wacht, reicht Deutschlands Wehr,
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Und leuchtender als je vordem
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Erglänzt des Kaisers Diadem.
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Und fragt ein Sänger noch im Liede:
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„wo wohnt auf Erden wohl der Friede?“
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Dann heißt's: Er wohnt auf Deutschlands Flur:
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Gelöst hat Rothbart seinen Schwur!
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Ach, heimgekehrt zu seinen Ahnen
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Schläft er den ewgen Schlummer nun,
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Indeß die Völker der Germanen
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Im Schatten ihrer Lorbeern ruhn.
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Und durch die Lande muß ich schweifen
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Und suchen den, der mich erlöst.
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Denn wohl erstand uns jener Ritter,
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Der kühn des Reiches Banner schwingt,
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Doch fehlt der Sänger mit der Zither,
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Der würdig seine Thaten singt!
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Und eh'r nicht, eh'r nicht darf ich sterben,
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Nicht eh'r bricht dieser Leib in Scherben,
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Eh ich ins Aug ihm nicht gesehn;
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Erst, wenn sein hohes Lied erklungen,
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Dann, dann erst hab ich ausgerungen,
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Dann, dann erst kann ich sterben gehn!
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Drum hört mich ihr, ihr deutschen Sänger,
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Ihr Sänger süßer Harmonien,
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O sprecht, sprecht, soll ich denn noch länger
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Ruhlos das deutsche Land durchziehn?
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Jetzt, wo des deutschen Volks Geschichte
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Zum welterschütternden Gedichte
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Schon selbst sich aneinanderreiht,
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Will Keiner, Keiner denn es wagen,
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Sein goldnes Harfenspiel zu schlagen
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Zum ewgen Ruhme seiner Zeit?
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O denkt zurück, woher wir kamen,
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Denkt an die Teutoburger Schlacht,
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Und zählt die Thaten, zählt die Namen —
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Sie sind gestorben, ruft: Erwacht!
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Ja, denkt zurück an all die Hohen
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Und laßt den Tand, der blinkt und gleißt:
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Nicht nur die griechischen Heroen
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Sind werth, daß sie der Dichter preist!
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Nicht mehr exotische Gedichte
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Ersinne heute das Genie,
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Denn unsre herrliche Geschichte
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Ist auch ein gut Stück Poesie!
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O, ist denn deutsch zu sein so schwer?
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Und lebt nur einmal ein Homer?
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Schaut her! die ich in Händen wiege,
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Die kranzverzierte Harfe hier,
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Wer ist so kühn und nimmt sie mir
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Und singt von unserm heilgen Kriege?
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O schaut nur, wie der Sonne Gold
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Ihr glitzernd durch die Saiten rollt!
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Sie schlug mit kunstgeübtem Finger
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Herr Heinrich einst, der Ofterdinger,
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Der schneidig uns wie Schwertesschwang
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Das Lied der Nibelungen sang.
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Glück auf! Wer will sein Epigone,
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Nein, wer sein Herr, sein Meister sein?
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Da, hier die Harfe, hier die Krone,
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Und meine Hand hier ... wer schlägt ein?
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Schon grollt's von fernen Klanggewittern,
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Schon durch die Saiten fühl ich's zittern