Den Franzosenfressern

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Arno Holz: Den Franzosenfressern (1886)

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Und schwarz-weiß-roth sind meine Verse,
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Denn treu dem Volk bis in den Tod
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Schwör ich auf Werther, Faust und Lerse.
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Manch goldbeschlagnes Auerhorn
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Hab ich aufs Deutschthum schon getrunken
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Und bin als Kerl von Schrot und Korn
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Noch niemals untern Tisch gesunken.
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Doch trotzdem ruf ich:
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Hony soit, qui mal y pense!

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O, nicht stets für sich selbst geschwärmt!
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Aus tausend Schriften läßt sich's lesen:
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Die Gluth, die
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Sie loht auch jenseits der Vogesen.
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Das Volk der Rousseaus und St. Pierres,
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Man mag's begeifern, mag's beneiden:
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Mir ist's so lieb, wie das Homers,
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Und kein Phantast soll's mir verleiden!
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Drum ruf ich lautauf:
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Hony soit, qui mal y pense!

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O wer, als einst wie nie zuvor
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Die Welt ein Haupt voll Blut und Wunden,
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Sang ihr das „Lied im höhern Chor“,
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Daran wir heute noch gesunden?
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Rouget de L'Isle war's, der Franzos,
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Die Seine rauscht's und die Garonne,
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Und aus der Knechtschaft dunklem Schooß
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Rang sich die Freiheit in die Sonne.
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Drum juble, Seele:
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Hony soit, qui mal pense!

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Wohl weiß ich's, kraß war jene Zeit
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Und ward von Tag zu Tag noch krasser,
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Doch jede große Wahrheit schreit
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Nach Blut und nicht nach Zuckerwasser!
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Wem sie ihr Herz geoffenbart,
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Der schrickt zusammen und bewundert's;
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O, jener Schwur im Ballhaus ward
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Zur ersten Großthat des Jahrhunderts!
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Drum juble Seele:
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Hony soit, qui mal y pense!

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Wohl steht noch heut, Gewehr bei Fuß,
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Ein Cerberus an jeder Grenze,
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Doch schon umweht's mich wie ein Gruß
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Aus ferner Zukunft fernem Lenze.
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Dann schlägt kein Tambour mehr Allarm,
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Dann steht die Welt voll goldner Halme
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Und Frankreich ringt dann Arm in Arm
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Mit Deutschland um dieselbe Palme.
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Drum juble, juble:
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Hony soit, qui mal y pense!

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Doch ihr ... verhöhnt mich immer nur,
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Ihr biedern Knopflochpatrioten;
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Ich weiß, ihr schwärmt nur für Dressur,
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Für Kalbsfilet und Schweinepoten.
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Ihr sammelt Lumpen, sammelt Geld
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Und träumt von längst verschollnen Tagen:
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Was kümmert's euch, wenn durch die Welt
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Der Zukunft Nachtigallen schlagen?
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Ich aber rufe:
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Hony soit, qui mal y pense!

(Holz, Arno: Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen. Zürich, 1886.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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