Ein Bild

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Arno Holz: Ein Bild (1886)

1
Die rothen Säulen aus Granit gehauen,
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Und seitwärts in ein weißes Piedestal
3
Vergräbt ein Löwe seine Marmorklauen.
4
Doch schwarz verhängt sind alle Fenster heut
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Und Lichter brennen nur im Erdgeschosse,
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Der Straßendamm ist hoch mit Stroh bestreut
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Und lautlos drüberhin rollt die Karosse.

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Das Treppenhaus vertheidigt der Portier
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Und schüttelt grimmig seine graue Mähne,
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Und naht gar Einer aus der Haute volee,
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Dann fletscht er cerberusgleich seine Zähne.
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Im Prunksaal trauern hinter Flor und Tafft
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Die bunten Inderstoffe aus Lahore,
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Auch schleicht die goldbetreßte Dienerschaft
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Nur auf Spitzzehen durch die Corridore.

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Der hochgeborne Hausherr, Excellenz,
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Schwankt wie ein Rohr umher auf bleicher Düne,
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Die erste Redekraft des Parlaments
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Fehlt heute abermals auf der Tribüne.
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Zwar trat man gestern erst in den Etat,
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Doch hat sein Fehlen diesmal gute Gründe:
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Schon viermal war der greise Hausarzt da
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Und meinte, daß es sehr bedenklich stünde.

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Nach Eis und Himbeer wird gar oft geschellt,
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Doch mäuschenstill ist es im Krankenzimmer,
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Und seine düstre Teppichpracht erhellt
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Nur einer Ampel röthliches Geflimmer.
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Weit offen steht die Thür zum Vestibul
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Und wie im Traum nur plätschert die Fontäne,
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Die Luft umher ist wie gewitterschwül,
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Denn ach, die „gnä'ge Fraa“ hat heut — Migräne!

(Holz, Arno: Das Buch der Zeit. Lieder eines Modernen. Zürich, 1886.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Arno Holz
(18631929)

* 26.04.1863 in Kętrzyn, † 26.10.1929 in Berlin

männlich, geb. Holz

Journalist, deutscher Dichter und Dramatiker des Naturalismus (1863-1929)

(Aus: Wikidata.org)

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