1
Die Mannigfaltigkeit der Dinge dieser
3
Die uns des Höchsten Macht so sicht-
5
Zeigt uns dadurch zugleich der Weis-
7
Die alles klüglich wählt im Reich der Kreaturen.
8
Man sehe nur den Ball der dichten Erde an,
9
Wie viel und mancherlei drauf jeder schauen kann;
10
Man bringe jedes Ding zu den bestimmten Classen,
11
Wer wird die grosse Meng in alle Zahlen fassen?
12
Welch ein erstaunend Heer, wird man sogleich ge-
14
Und ein jedwedes Ding, das Kleineste so gar
15
Zeigt seinen Meister an, der wenn man es erweget,
16
Darin ein Probestück der Weisheit abgeleget
17
Die unbegreiflich ist. Wie manche Art von Kraut
18
Wird im Gewächse-Reich nicht hie und da geschaut,
19
Das wir von anderen vor unterschieden halten,
20
So wegen seines Zweks; als wegen der Gestalten?
21
Die Forscher der Natur, die nur auf Kräuter sehn,
22
Die in den Gegenden, allwo sie wohnen stehn,
23
Vermögen nicht einmahl dieselbigen zu zählen,
24
Vielweniger wenn sie das ganze Reich erwählen
25
Zu ihren Augenmerk; da ein jedwedes Land,
26
Besondre Kräuter hegt, die andern unbekant:
27
Wer dieses überdenkt, wird sich nicht unterwinden,
28
Die mannigfaltge Art der Kräuter zu ergründen.
29
O! was vor ein Verstand der diese all erdacht,
30
Und eine jede Art in seine Form gebracht!
31
Als sie auf Erden stehn! O Weisheit sonder gleichen,
32
Die durch ein jegliches muß ihren Zwek erreichen.
33
Geht immer weiter fort, beschaut die größre Frucht,
35
Bedenkt wie mancherlei ist die erschafne Menge,
36
An Formen und Gestalt, Geruch, Geschmak und
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An ihrer Farben Zier, an äuserlichen Puz,
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Wie sonderbar sie noch nach ihren Zwek und Nuz?
40
Und könnten wir das Reich der Pflanzen übersehen,
41
Die in den Thälern sind, die auf den Bergen stehen,
42
Die Ost, Süd, Nord und West in seinen Angeln
44
O! welches Mannigfalt würd uns denn vorgelegt,
45
Darin die Weisheit sich den Menschen so gezeiget,
46
Daß sie schon den Verstand derselben übersteiget.
47
Der Thoren Tadelsucht nnd hämischer Verdrus,
48
Denkt woll der Früchten Meng sei nur ein Ueberflus,
49
Der spielenden Natur; sie sei also vorhanden,
50
Und aus der Fruchtbarkeit der feuchten Erd enstanden.
51
O! blinder Unverstand! woher in Feld und Wald
52
Die unterschiedne Art, woher das Mannigfalt,
53
Daß sich an allen zeigt? macht denn die schwangre
55
Die ihre Früchte zeigt, daß auch die Bildung werde,
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Die nur im Saamen stekt? entsteht das ohne Rath,
57
Das eine Blume roth und viele Blätter hat,
58
Die andre neben ihr der Blätter sanfte Seide,
59
Die in das weisse fällt, als wäre sie mit Kreide
60
Gefärbt und überschmiert? O! Wahnwiz, Unbedacht,
61
Dies zeugt das dieses so, von weisen
62
Jhr wollet dies gestehn, der Schöpfer der regieret,
63
Der alle Ding erhält, der würd daran gespüret:
64
Die Weisheit seht ihr nicht, an diesen Mancherlei,
65
Jhr glaubt daß so viel nicht, den Menschen nöthig sei;
66
Vielweniger dem Thier: Was solln in einen Garten,
67
Von Früchten, Blumen, Kraut so unterschiedne
69
Jhr Tadler der Natur, ihr meistert
70
Darauf ihr spöttisch dreht, eur schielend Augenmerk;
71
Jhr seid den Kinde gleich, das keinen Vater liebet,
72
Darüber sündlich murrt, weil er zu viel ihm giebet.
73
Der Schöpfer lies so viel aus unsrer Erde gehn,
74
Das wir an jeder Frucht die Allmacht solten sehn;
75
Er schuf so mancherlei, daß wir daraus erkennen,
77
Kein Kraut spriest aus der Erd, und wenn es noch
79
Es muß nach seinen Rath, auch wozu nüzlich sein.
80
Die Weisen irren zwar, die aus der Bildung
82
Wozu es nach dem Zwek des Schöpfers dienen müssen.
83
Die Schrift verstehn wir nicht, die auf den Blättern
85
Und wie der Adern Zug recht durch einander geht:
86
Mir deucht es ist daraus vielmehr der Spruch zu
88
Das uns also gemacht, das ist ein weises
90
Die Weisheit zeigt sich auch, an der belebten Welt,
91
Darin das Mannigfalt ihr gleichfals woll gefält:
92
Man seh nur was im Reich der Thiere ist zu finden,
93
Wer wird sich das zu zähln von Menschen unter-
95
O! welch ein grosses Heer das in den Lüften fleugt,
96
O! welche Wundermeng! die in der Erde kreucht,
97
O! welche grosse Zahl! die zahm in Wiesen springet,
98
Den Menschen Woll und Milch zum Kleid und Nah-
100
O! welche Art und Zahl von denen wilden Thieren,
101
Ist nicht in Feld und Wald, auf Bergen auszu-
103
Die zu der Menschen Nuz, zum Zeugnis weiser
105
In der beseelten Welt von
106
Die Weisheit spiegelt sich an Grossen und an Klei-
108
Die uns nach ihren Zwek zusammen künstlich schei-
110
Das zarteste Gewürm, das unser Fus zerknikt,
111
Zeigt uns, wenn wirs besehn, das darin abge-
113
Des Meisters weise Kunst, die es so schön formiret,
114
Das es sich schlingelnd dreht; die es so schön ge-
116
Mit mannigfaltger Pracht, so wunderbahr bemahlt,
117
Als wenn auf seiner Haut ein Schild von Golde
119
Wie herrlich glänzet nicht, zu unsrer Augenweide
120
Der Ungeziefer Heer in ihren Sommerkleide?
121
Wenn sie beflügelt sich in warmen Lüften drehn;
122
Welch eine güldne Pracht kann man an denen sehn
123
Die um den zarten Leib mit Ringelein umgeben,
124
Und welch ein fladdernd Gold wenn sie die Flügel
126
Die durch den Sonnenschein, bald roth, bald blau
128
Bald grün bald gelb wenn man sie in der Fern er-
130
O! welche Liberei! ein Salamo im Kleide,
131
Von Scharlach hell gefärbt, von allerfeinster Seide
132
Ist nie also geschmükt, mit solchen Glanz und Zier,
133
Als ein so klein Geschöpf ein solches Wunderthier!
134
Was hat die Weisheit woll zu solcher Kunst bewo-
136
Womit sie solch ein Thier so herrlich angezogen?
137
Vermuthlich daß der Mensch der Schauer seiner
139
Daran mit Lust erseh, wer die Geschöpf gemacht;
142
Die wenn sie ohne Glanz, uns sonst verächtlich
144
Und welch ein grosses Heer das in den Lüften
146
Wenn ein recht heitrer Tag im Sommer sie er-
148
Da wimmeln ohne Zahl der Mükken grosse Schaa-
150
Da sumßt ein Wespenheer, die sich mit Bienen
152
Hie braußt ein Käfer-Schwarm, da brummt ein
154
Und eine jede Art trägt auch ihr Schuzgewehr;
155
Da wir theils Hörner sehn, theils Stachel oder
157
Kann man an diesen nicht der Weisheit Wunder
159
Last uns von dieser Schaar zum Reich der Vogel gehn,
160
Die Mannigfaltigkeit nach ihrer Art besehn,
161
Derselben schlanken Leib, der Flügel Bau bemer-
163
So werden wir gerührt, den wahren Saz bestärken
164
Daß ihres Schöpfers Macht, sie weislich ausge-
166
Durch zarter Nerven Band die Glieder so verstrikt,
167
Daß sie ein Wunderwerk voll von verborgner Künste,
168
Ein knöchrichtes Geweb, ein fleischichtes Gespinste;
169
Wie gros und mancherlei ist der Geflügel Art;
170
Die unsers Schöpfers Wink recht wunderbar ver-
172
Man seh den Adler an, den König der Geflügel
173
Der seine Nester baut auf jene Berg und Hügel
174
Die bis zum Wolken gehn: Man stelle sich die
176
Die in den Lüften fliegt, nach ihren Arten dar!
177
O! welche Wundermeng! die auch die Luft belebet,
178
In zwitschernden Gesang der Weisheit Ruhm er-
180
O! welch ein Mannigfalt! an Grösse und Natur,
181
An Stimmen, Federn, Glanz, und was zur Kre-
183
Der Vögel sonst gehört; Und wollen wir nur nen-
185
Die wir in unsern Strich des grossen Weltraums
187
Welch Arten! welche Zahl! sind uns nicht hier be-
189
Die unterschieden sind? Was hat das Morgenland
190
Vor andre Arten noch? Und was vor ein Gewim-
192
Von Vögeln fremder Art schwebt untern Westen-Him-
194
Und andre wiederum sind untern Süderpol,
195
So gar das Wasserreich ist auch von Vögeln voll,
196
Die unterschiedlich sind, wie die mit Lust erwogen,
197
Die auf der glatten Fluth, die fremde Welt um-
199
Der GOttheit Finger strahlt, aus jeglichen her-
201
Die Weisheit läst sich hörn in diesen Sänger-Chor,
202
Wenn die erregte Luft, durch hellen Schall gerüh-
204
Die süsse Harmonie durch Ohr zum Herzen führet.
205
Die helle Nachtigal, die holde Busch-Siren
206
Die Sänger-Meisterin im zwitschernden Gethön
207
Regiert gleichsam das Chor durch ihr bezaubernd
209
Die Lerche folget nach; welch mannigfaltig Klin-
211
Erwekket das Gehör! die Grasemükke schnarrt,
212
Ein andrer pfeift, der gluchzt, wenn dieser ängst-
214
Die Turteltaube girrt, die lacht, die schreit, und
216
Mischt einen andern Klang in das verwirrt Gethöne.
217
Der Gugguk rufet nach, die Wachtel lokt und schlägt
218
Der Sperling schwirrt darein, die Drostel wird be-
220
Und stimmet auch mit an, bis endlich noch die En-
222
Die stille Nacht erwekt, durch fürchterlich Geheule.
223
So viele Thöne gehn, und ist ins Chor vorbei;
224
So hört man wiederum, ein anderes Geschrei:
225
Wer den Gesang versteht, der wird aus allen Chö-
227
In süsser Harmonie, aus jeder Kehle hören:
228
Wir singen mancherlei, der unterschiedne
230
Stimmt dennoch überein; es ist ein Lobge-
sang,
231
Den wir dem ewgen GOtt und seiner Weis-
heit weihen,
232
Der durch den Unterschied gestimmter Me-
lodeien
233
Dem Menschen angezeigt; daß die Verän-
derung
234
In unsern Lustgethön, ihn zur Bewunde-
rung
235
Der Weisheit und der Macht, durch steten
Zuruf leite;
236
Daß er nach seiner Art der GOttheit Ruhm
ausbreite.
237
Was ihre Stimme lehrt, das legt des Körpers
239
Dem forschenden Gemüt zum wunderbahren Schau:
240
Man sieht mit einen Blik, an diesen Kunst-Ge-
242
Des Schöpfers weisen Zwek, die Allmacht seiner
244
Der Kopf ist zugespizt, zum Fliegen eingericht,
245
Indem das Vogel Heer damit die Luft durchbricht,
246
Daß wenn sie in der Höh die freie Bahn durchren-
248
Sie mit denselbigen die leichte theilen können.
249
Ein neues Wunderwerk wird an der Brust erkant,
250
Man wird daran gewahr ein starkes Knochen Band
251
Das dienet sie zum Schuz, wenn etwa auf dem
253
Ein harter Wiederstand im Fluge käm entgegen;
254
Wie weislich siehet man die Beine eingebeugt,
255
Das wenn ein Vogel fliegt, und solche an sich neigt
256
Die Zehen vorwerts kehrn, damit sie sich gleich hal-
258
Wenn sie um einen Zweig die krummen Klauen
260
Sie klammern sich damit, da wo sie sizzen an,
261
Das auch kein Vogel nicht vom Baume fallen kann,
262
Wenn er im hängen schläft; weil die gezognen
264
Sich um ein zartes Reis gleichsam zusammen schnal-
266
Der ganze Leib der ist mit Federn überdekt,
267
Die zartesten die sind um Hals und Brust gestekt,
268
Die härtesten die sind, in Flügel eingeschränket,
269
Weil dadurch wird ihr Leib getragen und geschwen-
271
In einer freien Luft. Der zarten Flügel Paar,
272
Die Fäserchen die schön an diesen Flügeln hangen,
273
Die machen Seegel aus, die gleichsam wie an Stan-
275
Gesteift und ausgespannt, und wenn sie stark be-
277
So hebt der Vogel sich, der sich dadurch fortträgt.
278
Wie weislich sind sie nicht der Lage nachgesezzet
279
Damit das Gleichgewicht des Körpers nicht verlez-
281
Wie sind die Federchen der Flügel aufgepaßt,
282
Da in Zusammenzug die ein ans andre faßt?
283
Wer dieses überdenkt; der muß gerührt bekennen,
284
Dies sei ein Meisterstük der weisen Macht zu nen-
286
Die feuchte Wasserwelt zeigt manche Kreatur,
287
Die in den Meeren, Seen des Reiches der
289
In Flus und Teichen sind, ja in den Pfüzzen
291
Und jeden der es sucht, der Weisheit Kunst ent-
293
O! welch ein Mannigfalt, lebt nicht im Element
294
Des Wassers, welches man, noch nicht der Art
296
Weil dieses schwimmend Heer ja grosse Meeren
298
Wo Wasser untern Eis, und harten Schollen
300
Die nie recht untersucht. Welch Wunder sieht man
302
Jm kalten Nordmeers Schlund, wenn man das
304
Die in den kalten Flus, als wie in warmen Wellen,
305
Als scherzend im Gespiel ohn kaltes Schaudern
307
Und gleichsam springend sich in ihren Wirbeln drehn?
308
Die wie ein schneller Pfeil, bald rück-bald vorwerts
310
Und sich in reger Lust in feuchten Wüsteneien,
311
Wo sie bei Schaaren gehn, in steter Kurtzweil
315
Die Du nach weiser Kunst bald so, bald so erbaut;
316
Wenn man mit Andacht sieht, wie tausend Mil-
318
Von Fischen fremder Art, in feuchten Tieffen
320
Der Wallfisch, den dein Arm zum Ungeheur ge-
322
Kommt uns hier billig erst vor andern in Betracht,
323
Die fürchterliche Größ, die Deine Größ abspiegelt,
324
Ist wunderbahr erdacht, mit Festigkeit verriegelt.
325
Er rudert da einher; so thürmen sich die Wogen
326
Und sprizzen in die Höh bis an die Wolken-Bogen.
327
Er schnaubt und schluket gleich auf einmahl Wellen
329
Der Schiffmann wird erschreckt ob seinen grausen
331
Er athmet: alsobald fängt auf sein starkes Blasen,
332
Das Meer mit Ungestüm, recht grausam anzurasen.
333
Das Seepferd folgt ihm nach, das ungeheure schön,
334
Doch wer kann dieses all mit Achtsamkeit besehn,
335
Was ein entferntes Meer in seinen Busen heget,
336
Da jeder Wasserflus, ganz neue Wunder träget?
337
Wir merken nur dabei zum Schöpfers Preise an,
338
Daß sich die weise Macht in allen kund gethan.
339
In Grossen ist sie groß, nicht minder in den Kleinen,
340
Die mehr als tausendfach in ihrer Art erscheinen.
341
So volkreich, so bepflanzt sind Flüsse, Seen und
343
Es wimmelt recht darin das Zahlreich Schuppen
345
Das sich bald in der Höh, bald in der Tieffe zei-
347
Wenn es in schneller Flucht, bald auf, bald abwerts
349
Die Weisheit hat den Bau der Fische so bestimmt,
350
Wie ein Geschöpf sein muß, das in dem Wasser
352
Der Leib ist dicht und fest mit Schuppen überschnü-
354
Mit Panzern angethan, mit Harnisch ausgezieret
355
Die zarten Federchen, die man Flosfedern nennt,
356
Die nüzzen einen Fisch, wenn er die Flut durch-
358
Zu seinem Gleichgewicht, sonst würd er taumelnd
360
O! wie gar tief sind nicht des Weisesten Gedanken,
361
Der diese Kreatur mit einen Schwanz verfehn,
362
Der lang und schmeidig ist, sich dadurch fort zu
364
Der Fische innrer Bau ist künstlich ausgefunden,
365
Die Theilgen sind daran recht weislich auch verbun-
367
Die Lunge fehlet hier, damit man Othem schnappt,
368
Die Weisheit hat dem Fisch mit solcher nicht be-
370
Weil er im Wasserreich, bei dem geschwinden Ren-
372
Nicht würde in der Flut, die Lufft einziehen kön-
374
Als wie ein Erden-Thier, das in den Lüfften lebt,
375
Als wie ein Lufftgeschöpf, das in der Höhe schwebt.
376
Dagegen haben sie die so genannten Ohren,
377
Die weislich ausgedacht, die klüglich auserkohren,
378
So künstlich angelegt, mit Oeffnungen versehn,
379
Wodurch die Wasser gleich die eingeschlukt, fort
381
Der Fische Unterleib der seine Blasen träget,
382
Ist von der weisen Macht recht weislich angeleget.
383
Die Blasen voller Lufft, die nach dem Augenschein,
384
Bei einen jeden Fisch, gedoppelt, zwiefach sein,
385
Die dienen ihm zum Fall, und und auch zu seinen
387
Wenn er sich in die Höh in seinen Schwimmen
389
So wird der Körper breit, die Blase ausgedehnt;
390
Will er zum tieffen Grund der schnellen Wasser-
392
So wird die Blase nur durch Muskeln angezogen;
393
So wird der Körper schmahl; so wird der Blasen
395
Die von der Lufft gefüllt, von ihren Dünsten leer.
396
Die erste Blase ist am Hinterkopf verschränket,
397
Und wie im Schlos verwahrt, dadurch die Lufft sich
399
Bis zu der hintersten, die solche weiter dringt,
400
Durch eine schmahlen Röhr zu den Gedärmen
402
Bis sie den Ausgang sucht: Dies alles dient zum
404
So muß der Fische Leib gar schön zusammen stim-
406
Mit ihren Element. Der göttliche Verstand,
407
Der alles woll erdacht, wird daraus gnug erkannt;
408
Last uns nun weiter gehn, die Erdenthier erwegen,
409
Die uns auch ebenfals klar vor die Augen legen,
410
Wie mannigfaltiglich mit Zahmen und mit Wild,
411
Die Weisheit Berg und Thal und Feld und Wald
413
Wer zählt der wilden Art im Wald und im Ge-
415
Die grausam heulen, brülln, die brummen, giftig
417
Mit Hörner, Krallen, Klaun, mit Tatzen, schar-
419
Als starken Schuzgewehr, versehn und angethan.
420
Das Mannigfalt erscheint in denen Thiere-Garten,
421
Wo Löwen, Tieger, Bär, Hirsch, Schwein und
423
Wie manche finden sich, die ihren Auffenthalt
424
In Rußlands Wüstenei, in Polens dichten Wald,
425
Die uns hier unbekand; wie manche sind verborgen,
426
In fremden Gegenden gen Mittag, Abend, Mor-
428
Die wir nicht ohne Furcht, ohn innerliches Grauen,
429
In einen Bildersaal, als todt gemahlt, beschauen.
430
Dergleichen Ungeheur, die können uns doch lehren,
433
Die wild sind von Natur. Ein achtsam Augen-
435
Eutdekkt mit Lust daran manch reizend Wunder-
437
Indem er jegliches mit Gliedern ausgerüstet,
438
Mit starker Macht versehn, mit Knochen ausgebrü-
440
Die weislich nach den Zweck, den er dabei erdacht,
441
Zu seines Nahmens Ruhm, recht künstlich sind ge-
443
Und dies erhellet auch an denen zahmen Thieren,
444
Die er also gewust, recht wunderbahr zu zieren,
445
Daß wir stets andre sehn, von einer andern Art,
446
Die er mit Knochen, Haut von aussen so verwahrt,
447
Wie es den Thieren nüzt, wie es der Zweck befiehlet,
448
Den seine Vorsehung dadurch hat abgezielet.
449
Der innerliche Bau, der Eingeweide Schaz,
450
Gedärme, Adern, Herz, die haben ihren Plaz
451
Und die Verbindung so, in ihren Kunstgeweben,
452
Wie es die Nahrung heischt, dadurch dieselben leben.
453
Die Röhren sind also im Körper angehängt,
454
Der Nerven festes Band ist so gewirkt, gelenkt,
455
Daß sie dem ganzen Leib als einer Kunstmaschinen
456
Zu der Empfindungskrafft und Sinnligkeiten dienen.
457
Die Weisheit wirket nie, ohn einen sichren Grund,
458
Der Saz der wird auch hie zu
460
Bei einen jeden Thier, daran gar leicht erhellet,
461
War um ein jedes Stük, nicht anders sei gestellet,
462
Als man es würklich sieht? Und daraus folgt der
465
Den Reichthum seiner Macht, und ein unendlich
467
Das mancherlei ersehn und auch erschaffen müssen.
468
Der Mensch das Hauptgeschöpf in der sichtbahren
470
Der wird, wenn mans erwegt, uns auch so vor-
472
Daß wir mit Lust daran ein Zeugnis sehen können,
473
Wie mannigfaltiglich, die Weisheit sei zu nennen
474
Die dieses Meisterstük vor andern herrlich schmükt,
475
Darinnen sie ihr Bild recht sichtbahr abgedrükt.
476
Sie sind zwar wenn man sie zu ihrer Gattung brächte,
477
Nur von dem mänlichen und weiblichen Geschlechte.
478
Allein der Mensch lehrt doch des Höchsten Weisheit sei,
479
Bei dieser einzgen Art sehr gros und mancherlei
480
Was für ein Unterscheid sieht man im Bildungs-
482
Vornemlich des Gesichts und dessen Theilen liegen?
483
Der Schauplatz dieser Welt von Menschen angefüllt,
484
Zeigt uns so manchen Mensch; so manch besonders
486
Da keines Angesicht dem andern völlig gleichet:
487
Und dadurch ist der Zwek der Weisheit auch erreichet
488
Die die Verändrung liebt; und bei der Aehnligkeit,
489
Ist, wenn mans gnau ansieht, noch stets ein Unter-
491
Der Menschen sind zwar viel, die auf der Erde woh-
493
Es faßt sie keine Zahl, von vielen Millionen:
494
Und dennoch findet sich von allen keiner nicht,
495
Der einen andern gleich an Linien im Gesicht:
496
Was man etwan erzählt, ist schwerlich zu beweisen,
497
Von denen die ganz gleich, nach den Gesichtes-Kreisen.
498
Hieraus erkennen wir den weisesten Verstand,
499
Der alles ändern kann; und eine Allmachtshand
500
Die unbegreiflich weiß, durch wunderbahr Verbinden
501
Des Schatten und des Lichts, den Unterscheid zu finden.
502
Die Mischung des Geblüts, der Neigung Temprament,
503
Was man Gemüthsart sonst, und Leidenschaften nennt,
504
Sind ebenfals zertheilt, die sich wie Erd und Sternen,
505
In ihren Unterscheid, aufs weiteste entfernen.
506
Der ist hie zu geneigt, der andre will das nicht,
507
Der saget hiezu Ja, wenn der verneinend spricht:
508
Was diesen woll gefällt, das will dem nicht mehr
510
Und pflegt ihm oftermahls woll Ekkel zu erwekken,
511
Der dritte wünschet was, das doch der vierte flieht,
512
Der eine ist hier nach, der andere dort bemüht.
513
Welch! Mannigfaltigkeit der Stände die verbunden
515
So mannigfaltiglich der Menschen Eigenschaft
516
Verstand und Wille ist, und Seel und Leibeskraft:
517
Geschäfft und Lebensstand; so vielfach die Naturen
518
So unterschiedentlich die vielen Kreaturen:
519
So vielmahl sehen wir, daß unser Zebaoth,
520
Sich in der Welt uns zeigt, als ein allweisser GOtt;
521
Der in der ganzen Welt, an Früchten Baum und Hügel
522
An Menschen und am Vieh zeigt lauter Weisheits
524
Wenn wir mit kühnen Blik uns von der Erd erhöhn,
525
Und die Beschaffenheit der Geister-Welt besehn:
526
So dünkt uns daß wir dort in jenen ewgen Auen,
527
Auch ein solch Mannigfalt an Engeln selbst beschauen.
528
Die Offenbahrung zeigt der Engel
529
Woraus man dies gewis vernünfftig schliessen kann:
532
Herschafften, Fürstenthum und Kräffte, Che-
535
In freudigen Genus der ewgen Seligkeit:
536
So wird das Mannigfalt in jenen ewgen Welten,
537
Zur Weisheit höchsten Ruhm, vermuthlich ferner
539
So unterschiedentlich nun dieses alles ist,
540
Was man mit Augen sieht, und was man hört und
542
So muß es darin doch zusammen sich vereinen,
545
O! Weisheit deren Glanz so weit der Himmel geht,
546
Wie hat sich dein Verstand für aller Welt erhöht!
547
Ach! schärffe unsern Geist, daß wir dies stets er-
549
Wie mannigfaltiglich die Ströme deiner Seegen,
550
Wie gros die Wunder sein, die du dadurch gethan,
551
Daß man so vielerlei auf Erden sehen kann.
552
Ist jedes Ding schon werth, daß mans bewundern
554
Daß man die weise Macht, die drin verborgen wisse:
555
Was vor ein grosses Buch ist denn die ganze Welt,
556
Die ein unzählbahr Heer von Wundern in sich hält:
557
Mein Sinn erstaunt darob, von Millionen Zungen,
558
Wird deiner Weisheit Ruhm nie gnug gelobt, be-
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Jemehr man sieht und hört, jemehr entdekken wir,
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Es kommt uns alles doch, als unbegreiflich für:
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So gros ist deine Größ, daß wir daran bemerken
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Sie sei unendlich schon in den erschaffnen Werken.
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Der Glanz der Unterwelt zeigt deine Herrlichkeit,
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Es ist ein Schattenbild von der Vollkommenheit
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Die sich in dir verbirgt, wer will sich träumen lassen,
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Unendlich weises All! dich in ein Lied zu fassen?
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Dich rühmet alle Welt, die Du mit Pracht geziert,
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Das ist der Menschen Pflicht; weil dir doch Lob
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Ach! so verschmähe nicht ein unvollkomnes Dichten,
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Daß dir die Pflichten will der Menschlichkeit ent-
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Gib daß ich in der Zeit, im Reiche deiner Macht,
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Nehm diese Schuldigkeit, als meinen Dienst in
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Laß mich in künfftigen von meinen Lebens Jahren,
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Darinnen ungesäumt mit froher Lust fortfahren.
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Ist diese Zeit vorbei, geh ich zum Ewgen fort;
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So führe mich von hier zu jenen Freuden-Ort,
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Wo deine Weisheit sich noch heller uns verkläret,
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Und wo die selge Schaar dich vollenkomner ehret.
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Da will ich dich noch mehr in Ewigkeit erhöhn,
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Wenn ich das werde dort, was hier verborgen sehn;
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Da soll mein Lied dich stets als den alleine Weisen,
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In jenen Engel Chor, nach Art der Engel preisen.