Das entzükkende Vergnügen aus dem Anschauen des Himmels bei der Nacht

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Johann Justus Ebeling: Das entzükkende Vergnügen aus dem Anschauen des Himmels bei der Nacht (1747)

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Der Farben Mannigfalt zeugt von
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des Höchsten Güte,
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Ergözzet unser Aug, erquikket
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das Gemüthe,
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Wie die Erfahrung lehrt, da uns
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in dieser Welt,
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Am Himmel, auf der Erd, viel
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Schönes dargestellt.
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Wer kann ohn süsse Lust, in frohen Frühlings-Tagen,
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Der Felder Schmuk beschaun? Ohn inniges Behagen
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Ohn einen innren Reiz in einen Garten sehn,
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Worin auf grünen Grund geschmükte Blumen stehn?
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Die roth, grün, gelb, blau weiß so durch einander
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legen
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Daß wir an ihrer Pracht, die Schönheit selbst er-
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wegen;
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Die so viel Mischungen, die so viel Herrlichkeit,
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Die unbeschreiblich ist, in unsre Augen streut.
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Wenn wir dies alles sehn; so werden wir gerühret
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Von Freudigkeit entzükt, zum Schöpfer hinge-
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führet.
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Sein Glanz der spiegelt sich, in jeder Kreatur,
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Und seine Herrligkeit im Reiche der Natur,
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Mein
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mels Auen,
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Da du selbst Sonne bist, vor Glanz und Schönheit
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schauen,
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So dacht ich, als mein Herz bei einer stillen Nacht,
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Sich von der Tags-Arbeit und Sorgen frei gemacht,
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Und dies ermunterte mich zur vergnügten Freude,
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Ich fand auch bei der Nacht die schönste Augen-Weide.
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Der Himmel ward recht hell; ich sah denselben an,
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Das schlummernd Augenpaar, ward wieder aufge-
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than,
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So bald sie merketen, daß die Saphirnen Bogen
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Des klaren Fiemaments, mit schönsten Schmuk
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bezogen.
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Mein
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daran gewahr,
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Es stellte sich zuerst ein hell Gewölke dar,
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Wo blau mit Golde strahlt, und an der andern
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Seiten,
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Wieß sich ein Silberschein, aus grauen Dunkel-
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heiten.
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Die Wolke flog hinweg, mein ganz verschlungner
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Sin,
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Fand immer neue Pracht, wo ich nur sahe hin,
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Ein schönes Himmelblau, mit Silber untermenget,
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Ein weisser Attlas Schein, mit sanften Grün ge-
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sprenget;
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Ein untermischtes Gelb, war in der Wolken Kleid,
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Recht wunderbar versezt, und lieblich ausgestreut.
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Bald deuchte mir, daß ich nichts als Drap d’or er-
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blikket,
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Bald ward mir dessen Glanz, aus dem Gesicht ent-
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rükket,
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Da sah ich Drap d’ Argent, auf der bestirrnten
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Bahn,
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Bald wieder andern Schmuk, mit neuen Farben
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an;
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Wie sich veränderten die künstlichen Maschienen,
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An diesem Schau Gerüst gewölbter Himmels Büh-
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nen.
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O! welch ein Schauplaz wird uns Menschen hier
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gezeigt,
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Sprach mein ergözter Geist, der wie den Sinnen
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deucht
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Unentlich tief und breit, wo auf des Schöpfers
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Winken,
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Ein neuer Vorhang kommt, wenn andre nieder-
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sinken.
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O! welche Allmachts Hand die so den Himmel ziert,
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In einem Augenblik der Wolken Farth regiert!
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Um durch die Aenderung die Menschen zu erregen,
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Daß sie, wie wunderbahr, der Höchste sei, erwegen.
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Beschämmte Neubegier, die solches Schauspiel liebt,
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Was eitler Wiz erdacht, und schnöde Torheit giebt!
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Und dabei nicht erwegt, was Tag und Nacht zu sehen,
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Am hellen Firmament, an schönen Himmels-Höhen.
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Ergözzet euch die Kunst, die ein Gerüste baut,
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Daran man Glanz und Pracht, von Flitter-Golde
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schaut;
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Der Schauplaz dieser Welt, die Wunder-vollen
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Spheren
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Die können, wenn ihr wolt, euch größre Wun-
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der lehren.
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Seht nur dieselben an; ein Andachts voller Blik,
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Bringt auch Verwunderung, in das Gemüth zurük:
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Die Farben die ihr seht, sind aufgezogne Dünste,
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Die
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spinste.
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Mir fiel beim Himmels-Schau, noch der Gedanke ein,
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Wie herrlich wird es nicht im Himmel selber sein,
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Welch unbekandter Glanz, wird dort in Salems-
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Zimmern
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Wo
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de schimmern.
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Wie, ist das Aussenwerk, so wunderbahr geschmükt,
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O! was vor Glanz und Pracht, wird innerlich erblikt.
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Jm Allerheiligsten, wo
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Die alles überstrahlt mit mehr als güldner Wonne.
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Die Nacht zeigt mir anjezt, wie schön das Firma-
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ment,
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Daran in güldnen Glanz, der Sternen Klarheit
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brennt:
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Wie schön der Himmel sei, wird dreinst mein Geist
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erblikken,
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Wenn ihn die Todes-Nacht, wird an den Ort ent-
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zükken
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Wo
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Schau ich den Himmel an, wo mein vergnügter Sin
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Des Höchsten Majestät, durchs Glaubens Fernglas
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siehet
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Wo meine Einfalt sich, zu seinen Ruhm bemühet:
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Ist erst der Vorhang weg; so sieht mein Angesicht,
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So preiset Jhn mein Geist, dort im verklärten Licht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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