Das Vergeltungsrecht GOttes im Strafen Bei Betrachtung der Gerichte die über Sodom kommen

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Johann Justus Ebeling: Das Vergeltungsrecht GOttes im Strafen Bei Betrachtung der Gerichte die über Sodom kommen (1747)

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Die gerechten Strafgerichte göttlicher
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Gerechtigkeit,
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Kommen immer über Böse, nach
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verfloßner Gnaden Zeit,
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Da GOtt ihnen das vergilt, was sie gegen ihn ver-
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brochen,
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Da sie durch die Bosheit sich, selbst das Urtheil
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schon gesprochen.
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Wie die Sünde; so die Straffe: daß ist das Ver-
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geltungsrecht,
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Welches
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Sünden-Knecht
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Durch gerechte Rache bringt, daß man dabei klär-
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lich siehet,
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Wie des Höchsten Machtgericht, Sünder so zur
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Straffe ziehet
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Nach der Aehnlichkeit der Thaten; wie es oft den
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Lohn so giebt,
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Denen bösen Leibes-Gliedern, die die Sünde aus-
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geübt.
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Ofte straft
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geschehen,
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Oft zu einer solchen Zeit, da die Welt das Böß
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gesehen:
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Ofte wird dasselbe Uebel, wiederum an dem voll-
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bracht,
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Und auf seinen Kopf vergolten, der dasselbe aus-
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gedacht:
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Wer dem Nächsten Gruben gräbt, muß oft selbst
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darin versinken,
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Wer den Bruder Angel legt, muß oft selbsten da-
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von hinken;
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Wer der Unschuld Bande schmiedet, die nichts übels
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hat gethan,
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Dem sind oft dieselben Fesseln, selbst zur Straffe
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angethan.
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Daß ist das Vergeltungsrecht, wunderbahrer Straf-
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gerichte,
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Dadurch er die Sünde tilgt, und das Böse macht
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zu nichte.
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In der Welt sind viel Exempel, daran man mit
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Schrekken lernt,
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Wie es solchen Sünder gehet, der sich erst von
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Gott entfernt,
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Und durch böse Lust verwöhnt, in dem Laster Ko-
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the wühlet,
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Der denn wie er hat gethan, auch gerechte Straffe
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fühlet.
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Nur ein Beispiel anzusehen, denkt nach Sodoma
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zurük
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Auf derselben ihr Verbrechen, auf das harte Un-
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gelük
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Das den Thaten nachgefolgt; so kan man auch
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an ihr lesen,
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Was sei das Vergeltungsrecht, bei dem allerhöch-
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sten Wesen.
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Sodom war ein Lustgefilde, wie ein kleines Para-
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dies,
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Wo in einer fetten Gegend, sich nichts als nur
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Anmuth wies
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Wo des Himmels Heiterkeit, ihre strahlenreiche
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Wonne,
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Lauter Seegensthau erzeugt, durch die schöne Mor-
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gensonne;
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Sodom war voll Milch und Honig, die von fetten
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Ueberfluß,
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Und von süsser Nahrung Zeichen; ein Land wo der
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Seegens-Gus,
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Stets mit starken Strömen ran: diese stete Him-
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mels-Milde,
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Machte es mit ihrer Lust, zu des Edens Eben-
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bilde.
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Doch die Menschen die da wohnten, wurden durch
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den Seegenskeim,
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Durch die fette Milch der Nahrung, durch den
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süssen Honigseim,
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Wie ein ungezähmtes Vieh, das auf einer satten
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Weide
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Wild und geile einher springt; so war ihre einzge
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Freude,
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Nur die Wollust auszuüben. Sodoms liederliche
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Brunst,
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Fand auch bei dergleichen Seelen, ihre gleiche Ge-
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gengunst
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Und ward wie ein Feur das erst, heimlich in ver-
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borguen schmauchet,
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In der Finsternis anglimmt, in der Dunkelheit
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erst rauchet,
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Bis es in die lichte Lohe, offenbahrlich um sich
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rennt,
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Und so lang nicht Nahrung fehlet, siedend zischt
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und wütend brennt;
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Sodoms Geilheit war ein Brand, der nicht mehr
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zu löschen stehet,
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Und glich einen Feur das nur, in dem Feuer selbst
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vergehet.
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Dieses alles sah das Auge, welchem alles ist be-
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kand,
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Sodoms Wollust Gluth erregte, des Gerechten
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Eiferbrand,
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Jhrer Geilheit wilde Brunst, zog des Zorns ent-
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glomne Flammen,
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Wie ein feurig Schweffel-Meer, zu dem Straff-
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gericht zusammen.
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Zebaoth ließ seine Donner, mit den strengen Bliz-
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zen aus
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Und verkehrte ganz zerschmetternd, Volk und Stadt
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in Schutt und Graus;
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Da sein Bliz in strengen Brand, diese Schweffel-
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gegend brachte,
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Und zum Schrekken aller Welt, ihr ein schreklich
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Ende machte.
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Menschen! seht nach Sodoms-Städte, wo noch
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alles im Ruin,
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Und in die verheerte Gegend, mit gerührten Blik-
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ken hin,
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Lernet an dem öden Ort: Wie die Sünde so die
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Straffen,
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Die nach dem Vergeltungsrecht, Sodoms geilen
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Volk betraffen.
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Jhr die ihr, in bösen Lüsten, lechzend Sodoms
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Sünde treibt!
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Denket daß das Strafgerichte, über euch nicht
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aussen bleibt,
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Eilet ihr nicht in der Zeit, zu des Heilands Gna-
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denstuhle;
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So wird eure Brunst gestraft, in dem Feur und
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Schweffelpfule.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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