1
Die Geheimnis-volle Tieffe, der ver-
3
Treibt ein achtsames Gemüthe, bil-
5
Wenn es bei dem Lauf der Welt,
6
ihre Ordnung im Regieren,
7
Jhre Güt und weise Macht, nicht kan allzeit sicht-
9
Alles gehet durch einander, der verwirrte Lauf der
11
Lehret uns die klare Warheit: Es sei hier ein Jam-
13
Wo der Fromme öfters seufzt, wenn der Ungerech-
15
Wie ein Lorbeerbaum aufblüht, und sich hier ein
17
Wilde Bosheit lebt und sieget, wenn die Unschuld
19
Unfruchtbahre Bäume wachsen, das was fruchtbar
21
Und ein nichtger Dornenstrauch saugt das Fette die-
23
Da hingegen oftermahls, Rosen welk und dürre
25
Viele, die durch Rasereien, fast die ganze Welt be-
27
Werden als mit starken Schilden, vor Gefahr nnd
29
Dahingegen die da still, ehrlich in dem Lande woh-
31
Bei bestrikter Sclaverei, oft im harten Joche froh-
33
Der dem Tod entgegen rennet, lebet ofte frisch und
35
Wer hingegen vor ihm fliehet, dem verschwindt des
37
Und verdorret in der Blüth, und verstirbt bei sei-
39
Bei verkürzten Lebens Ziel, in der Helfte seiner
41
Wer wie eine Last der Erden, nichtes thut, als ißt
43
Und ein hinterlaßnes Erbe, lekkerhaft in sich ver-
45
Lebet und wird greis und alt, da die Eltern oft ver-
47
Die dem frommen Kinderchen, wenig oder nichts
49
Wer dieß alles überleget, meinet daß es besser
51
Wenn der, der der Welt noch nüzte, vor dem frü-
53
Und wenn die nur hingeraft, die die Welt ohn
55
Ohne Thränen, ohne Leid, ohne Sehnsucht würd
57
Höret Menschen! die ihr meistert, der verborgnen
59
Und ihr strenges Schiksahl achtet, als ein hart be-
61
Wißt ihr den Zusammenhang, könnet ihr die Fol-
63
Die wenn dies und das geschicht, nachmahls wie-
65
Wißt ihr, was des Höchsten Wille, der die Schik-
67
Der bei allen, was begegnet, vorher weislich über-
69
Und wie dieses muß geschehn: damit sein allweises
71
Das auf unser Bestes sieht, könne unser Woll er-
73
Wenn man in den Vorsichts Gängen, alles durch-
75
Wie in einem Jrre-Garten, so sind wir umsonst
77
Jhr weise Spur zu sehn, die von Dunkelheit be-
79
Oft des blöden Geistes Augn, mit verwirrter Un-
81
Es geht uns wie Wandersleuten, den Arabien nicht
83
Die sehn in der grossen Wüste, nichts als einen
85
Wo der Pilgrim seine Spur, da der Wind sie zu
87
Wenn er keinen Führer hat, schwerlich wird von selbst
89
Kan er aber also schliessen: Es ist gar kein Weg,
91
Weil er in dem Sand der Wüste, sie verdekt nicht
93
Nein! wer diese Gegend weis, wird hier, wie auf
95
Einen bald den rechten Weg, den man wandern
99
Unser Führer, unsre Leuchte; sein Wort, seine
101
Die uns mehr als deutlich zeigt, daß der Vorsicht
103
Nicht mit seiner Güt und Macht, nicht mit seiner
105
Und wir Sterblichen wir wollen, daß
107
Wie ein König auf der Erde, der der Unterthanen Wohl
108
Nur im Zeitlichen erhält, und dem abgemeßnen
110
Suchet zum erhabnen Flor, wie er immer kann, zu
112
Gott der über alles herrschet, und der Menschen
114
Der uns in der Zeit regieret, und zur ewgen Woll-
116
Leitet durch die Vorsehung, uns zum ewig sichren
118
Darnach richtet er auch ein, unser zeitliches Geschikke.
119
Seine Weisheit lenket alles zu dem wollgeornd-
121
Scheinet uns denn auf der Erde, dies und das ein
123
Das macht unser Unverstand, von der Einbildung
125
Der von der Begebenheit, anders als sie ist, oft
127
Sagt man daß des Himmels Schlüsse, die wir
128
warlich nicht verstehn,
129
In der Reihe wie sie folgen, in verwirrten Lauffe
131
So ist unser Urtheil falsch, weil der Ausgang klär-
133
Daß sich alles zu dem Zweck, nach des Höchsten
135
Sieht ein Mensch von blöden Sinnen, ein recht
136
künstlich Uhrwerk ein,
137
Da die aufgespannten Räder, welzend in dem Lauf-
139
Und sich selbst entgegen gehn: so deucht ihm daß
141
Die sich so verwirret dreht, ihm nur zum Beweis-
143
Daß der Meister toll zn nennen, der das Räder-
145
Und ein so verwirrt Gebäude, ohngefehr herfür ge-
147
Da doch der verkehrte Gang, da ein Rad das an-
149
Auf dem äusern Ziefer-Blat, richtig seinen Zeiger
151
So gehts euch ihr Menschen Kinder! wenn ihr mit
153
Wie der Höchste auf der Erden, das verborgne
155
Was euch ohne Ordnung scheint, als von ohnge-
157
Darin ist ein weiser Grund, warum es so ist,
159
Was euch wie ein Babel scheinet, da Verwirrung
161
Hat des Höchsten Rath ersonnen, wunderbarlich
163
Alles was euch wiederfährt, wird zum Besten stets
165
Da des Höchsten weise Güt, aus dem Bösen Guts
167
Wer dies überzeugend gläubet, der kan mit Zufrie-
169
Auch ein hart Geschik ertragen, als ein bitter süsses
171
Der denkt O! die Vorsehung, wird mich wunder-
173
Daß ich dort in Ewigkeit, seine Güte könne spü-
175
Wenn der Vorhang weggerissen, der des Höchsten
177
Alsdenn sehn wir den Regenten, aller Güte Eben-
179
Der uns dort in jener Welt, wird den weisen
181
Von der Führung darob wir, uns in dieser Zeit,
183
Drükket uns ein banger Jammer, plaget uns die
185
Raffet uns in frühen Jahren weg ein übereilter
187
Nur getrost! die Vorsicht weiß, daß es uns zum
189
Wie dem Palmbaum der gedrükt, desto besser wächst
191
Wenn die Völker sich verwirren; Wenn man sie-
193
Wie die Thronen sich zerstossen, wie der Reiche
195
Unsre Welt mit Schrekken droht; Nur getrost!
197
Die doch über alles herrscht, und die Friedens-
199
Wenn die Fluth gethürmmter Wellen, auf das Schiff
201
So wacht doch der Vorsicht Auge, das dasselbe stets
203
Wenn die Bosheit schreklich tobt, wird der Odem
205
Sie wie eine leichte Spreu, wie den flüchtgen
207
Wenn des After-Glaubens Nebel, Licht und War-
211
Will des Menschen Raserei, alles durch einander
213
O! da Zebaoth regiert, wird ihr Anschlag nie ge-