Woher es komme, daß so weni- ge die herrlichen Geschöpfe GOttes be- trachten, und dadurch gerühret werden?

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Johann Justus Ebeling: Woher es komme, daß so weni- ge die herrlichen Geschöpfe GOttes be- trachten, und dadurch gerühret werden? (1747)

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Die Menschen müssen eingestehn,
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Daß in dem schönen Kreaturen
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Der Weisheit, Güt und Allmachts
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Spuren,
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Vom grossen Schöpfer anzusehn:
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Doch daß man sie gar wenig achtet,
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Und nicht wie sichs gebührt betrachtet,
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Das ist auch mehr, als allzu wahr;
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Will man davon die Ursach finden,
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Der Trägheit wahre Quell ergründen;
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So ist es, wie mir deucht ganz klar,
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Daß aus Gewohnheit unsre Augen,
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Die Schönheit nicht zu sehen taugen,
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Die man doch allenthalben sieht;
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Daß der Gewohnheits Schlummer bleibet,
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Man ihn nicht aus dem Augen reibet;
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Daß man nicht Vorurtheile flieht:
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Daß macht, weil wir die Welt nicht kennen,
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Das schlecht und woll gar Böse nennen
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Wie die Unwissenheit sonst spricht;
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Davon wir, weil wirs nicht verstehen,
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Nicht alsobald den Nuzzen sehen.
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Man sieht die Sonn, des Himmels Licht,
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Den schreklich grossen Feuerballen,
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Daraus die Strahlen zu uns prallen,
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Als einen runden Teller an;
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Da man mit vielen tausend Meilen,
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Wenn wir sie nach dem Durchschnitt theilen,
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Nicht deren Größ ermessen kann;
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Dagegen unser Kreis der Erden,
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Nicht einmahl kan verglichen werden.
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Die Einfalt gläubt der Hinimel sei,
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Als wie ein aufgesezter Bogen,
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Nur über unsre Erd gezogen;
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Die Sterne wären einerlei,
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So wie der Augenschein uns weiset,
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Da jeder um den Himmel reiset,
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Bis er den vorgen Plaz einnimt:
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Sie gläubt, daß jeder dieser Sterne,
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An jenes Himmels blauer Ferne,
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Als wie ein kleiner Lampen glimmt,
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Der wie ein Pechlicht bei den Rennen,
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Dennoch in steten Schein und Brennen,
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Sich bis er ausgebrandt, erhält.
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Die Erde ist nach den Gedanken,
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Ein Kreis der in gar engen Schranken,
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Als eine Fläche eingespannt;
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Die Früchte die darauf entstehen,
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Zur Reiffe kommen und vergehen,
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Die Werke der Natur genannt,
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Die sind so wie die Einfalt denket,
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Wie sie die Zeit des Jahres schenket
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Und dabei ist man schon vergnügt;
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Wer aber nach der Warheit ringet,
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Und in der Dinge Wesen dringet,
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Den Wahn des Pöbels nur besiegt,
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Dem werden an den Himmels Spheren,
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So viele tausend Wunder lehren,
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Was
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Der wird erstaunt ob diesen Kreisen,
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Daran er in georndten Gleisen,
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Sieht grosse Himmels Körper an.
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Wer so mit Andacht überleget,
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Was unser Ball der Erde träget
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Und ihre Wunder Dinge zählt,
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Der wird mit Ehrfurchts vollen Grauen,
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Jm Kleinen grosse Dinge schauen,
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Die der zu seinem Ruhm erwählt,
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Der alles, was wir sehn und hören
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Die ewge GOttheit zu verehren,
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Uns sichtbar vor die Augen stellt:
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Der wird mit Lust das alles sehen,
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Und überzeugend eingestehen,
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Daß alles herrlich in der Welt,
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Daß alle Dinge zu erwegen,
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Die
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Nun lieber Mensch! erwege das,
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Was unser Schöpfer uns gewiesen,
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Denn seine Hoheit wird gepriesen,
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Jm kleinsten Kraut, im feinsten Graß:
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Du lebst im Inbegrif der Erden,
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Da so viel Millionen Heerden,
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Von Zeugen aufgestellet sind,
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Die
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Wer dieses nicht will achtsam sehen,
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Der ist mit offnen Augen blind;
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Wer sich nicht will daran ergözzen,
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Ist warlich Thieren gleich zu schäzzen.
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Drum sieh des Höchsten Allmachts-Hand
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Beschaue die geschafnen Wunder,
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Entzünd daran den Andachts-Zunder;
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Und wenn des Herzens heilger Brand
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Auch deine Zunge feurig rühret,
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So preise

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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