1
Die Unempfindlichkeit der menschlichen
3
Sieht in dem Allmachtsreich des
5
Von seiner hohen Größ, als nur
7
Die durch erhabnen Glantz, uns zur Verwundrung
9
Der Sonnen güldnes Rad, das an dem Firmament,
10
Bey stets geweltzten Lauf, durch seine Kreise rennt
11
Kan unser Hertz noch woll, durch Reitzungvolles
13
Das in die Augen strahlt, auf kurtze Zeit entzükken.
14
Der Farben Mannigfalt, so jenen Lufftkreis mahlt,
15
Und durch den blauen Grund erhellter Wolken strahlt,
16
Reitzt noch woll das Gesicht, die bunten Himmels-
18
Beym frohen Morgenroth, vergnüget anzuschauen.
19
Was auf der Unterwelt, der Menschen Hertze rührt,
20
Muß durch das Aussenwerk und Grösse seyn geziert:
21
Jm weiten Pflantzenreich, wo Wald, Feld, Gär-
23
Pflegt was erhaben, schön, uns nur zur Lust zu
25
Die Ceder Libanons, die mit der schlanken Pracht,
26
Bis in die Wolken steigt, wird noch woll hochgeacht;
27
Und als ein Meisterstück des Schöpfers auch geprie-
29
Wer blickt die Kräuter an, die in dem grünen Wie-
31
Aus zarten Keimen gehn? Wer ist woll recht bemüht,
32
Den Jsop anzusehn, der nur an Wänden blüht?
33
Und doch des Schöpfers Macht, zu seinen Preis
35
Ob er in Niedrigkeit, gleich an der Erde klebet.
36
Jm Thierreich ist uns Nichts, was wir bewundern
38
Als eine Kreatur, die wir gar selten sehn;
39
Als ein solch Ungeheur, für dessen Gang die Wellen,
40
Wenn es im Wasser wohnt, wie hohe Berge schwellen:
41
Als solch ein Wunderthier, das auf dem Troknen
43
Und seiner Glieder Bau, vor andern hoch erhebt;
44
Das wie ein Elephant sich mit dem Rüssel brüstet
45
Und gleich wie ein Cameel mit Thürmen ausgerüstet.
46
Ein Thiergen das da nur in faulen Sümpfen kreucht,
47
Und ein gefiedertes, das fast unsichtbahr fleucht,
48
Wird von dem wenigsten, für sonderbar geachtet
49
Und noch viel weniger zu
51
Schafft er die Bäume nur, nicht auch das zarte Moos?
52
Hat seine Macht sich nur im Adler abgespiegelt
53
Und nicht wenn er durch Kunst, ein Mükken Heer
55
Des Schöpfers Kreatur, ist sie gleich noch so klein,
56
Kan doch ein grosses Bild von seiner Allmacht seyn.
57
Je kleiner ein Geschöpf; je zarter ein Gespinste,
58
Je grösser ist das Werk, wens voll verborgner Künste.
59
Des Meisters Wissenschafft verdient ein Augenmerk,
60
Der eine Uhr gemacht von zarten Räderwerk;
61
Und pfleget sich die Kunst an solchen kleinen Stükken,
62
Wenn sie doch richtig gehn, nicht schöner abzudrükken
63
Als an der gröbern Art? des Schöpfers weise Macht
64
Hat auch im kleinesten, das sie hervorgebracht,
65
So viele Wunder uns, darin zum Schau geleget,
66
Als woll das Größre kaum, in seinen Umfang heget:
67
Auch in dem kleinesten stellt er die Pracht und Zier
68
Darob der Mensch erstaunt, am vollenkomsten für
69
Und wenn wir es nur recht, mit unsern Sin bemerken
70
Wird die Empfindung selbst, uns diesen Satz bestärken.
71
Man seh nur durch ein Glas, das kleines grösser
73
Die schlechte Mücke an. Mein
75
Sieht das gerührte Aug, aus deren Kopfe blitzen,
76
Als wenn daran Rubin und Diamanten sitzen.
77
Die Flügel die man sonst, vor schlecht Gewebe hält
78
Entdekken unsern Aug, ein grosses Wunderfeld
79
Darob der Sinn erstarrt, und das Gemüth entzükket,
80
Wenn man die Schönheit sieht, die
82
Man nehme abermahl, das kleinste Würmelein,
83
Und leg es in ein Glas, das es vergrössert ein;
84
Was unser Auge kaum, als wie ein Stäubgen spüret,
85
Das ist mit Kopf und Bein und Gliedern ausgezieret
86
Es lebt in seinen Blut, wer hätte das gedacht?
87
Wie! zeugt das kleinste Thier, nicht von der grösten
89
Die Muskeln, Fleisch und Haut, so künstlich kan
91
Mit tausend Theilen mehr, wo wir nur Stäubgen
93
O! unbegreiflicher, erhabner Zebaoth
94
Wir sehen überall, daß du ein grosser GOtt
95
Drum öfne unser Aug und laß uns sters er-
97
Die Grösse deiner Macht, im Grossen und
im Kleinen.