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Ein Weidmann fieng ein Vögellein,
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Das war voll Symphonie, doch klein;
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Es ward die Nachtigall genannt.
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Der Vogler nahm es in die Hand
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Und wollt ihm gleich den Hals umdrehn,
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Als es ihm flehte: Laß mich gehn,
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Du ässest dich nicht satt von mir;
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Für selche Wohlthat geb ich dir
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Drey Lehren, die dir nüzlich seyn,
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Prägst du sie im Gedächtniß ein.
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Er sprach, sag an: was mag das seyn?
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Da sprach das kleine Vögellein:
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Die erste Lehre: Glaube nicht
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Das, was sich selber widerspricht.
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Die andre: Gieb in deinem Hertzen
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Nicht Platz dem unbedachten Schmertzen
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Um was, das nicht kan widerkommen,
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Dergleichen Leid mag niemand frommen.
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Die dritt und letzte schärfft dir ein,
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Du sollest nicht bemühet seyn
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Um das, was dir nicht werden mag;
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Der führt auf seinen Kopf den Schlag,
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Der übersiehet dieß Gebot,
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Und macht sich zu der Leute Spott.
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Behältst du diese Lehren wohl,
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So bist du aller Weißheit voll.
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Der Mann hatt an der Lehr Begnügen
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Und ließ den kleinen Vogel fliegen.
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Er flog auf einen Baum hinauf,
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Mit leichtem Muth, und sprach darauf:
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Du solltest dich wohl selber hassen,
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Thor, daß du mich hast fliegen lassen.
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Das muß dir Schad und Unglück seyn.
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Denn ich trag einen edeln Stein
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Jm Leibe, wer ihn hat, wird groß,
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Jm Felde nimmer sattellos.
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Er dämpft und tödet allen Gift;
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So groß, daß er ein Straußey übertrift.
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Du siehst, so viel hast du verlohren.
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Der Weidmann hätte nun geschworen,
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Das alles wäre kurtzum wahr.
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Aus dummem Sinn vergaß er gar
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Der Lehren, die ihm erst der Vogel selbst gegeben.
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Er ward betrübt, als um sein Leben;
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Er glaubte, was sich widerspricht;
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Er schonte seines Fleisses nicht
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Den Vogel, der ihm so entgangen,
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Und sein Gelück damit, zum andern mahl zu fangen.
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Der weise Vogel redt ihm ein:
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Willst du allzeit ein Narre seyn,
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Und denckst an meine Lehren nicht;
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Daß man nicht glauben soll, was selbst sich widerspricht?
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In mir dergleichen grossen Stein
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Zu tragen, bin ich allzuklein.
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Daneben hast du Leid und Schmertzen
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Um mich in deinem eiteln Hertzen,
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Dieweil ich deiner Hand entgangen.
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Zuletzt bist du bemüht, mich wiederum zu fangen.
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Mein Weg und deiner sind nicht gleich,
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Du wirst an Weisheit nimmer reich.