Vermischte Gedichte

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Hans Assmann von Abschatz: Vermischte Gedichte (1704)

1
So giebt Lorette nun dem Kräntzgen gutte Nacht/
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Und will sich allgemach zum Frauen-Netze schicken?
3
er Gärte reicher Schmuck/ der Blumen Krone Pracht
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oll izt ihr Silber-Haar nicht mehr wie vormahls schmücken?
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as schadets/ wenn nur noch die Scham-gefärbten Wangen/
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er roth-geküßte Mund mit Ros- und Nägeln prangen!

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Den Lippen gleichet sich die Zucker-Rose nicht/
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Die Liljen/ die bey ihr auff Hals und Brüsten schweben/
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Die Tulipen/ die ihr beblümen das Gesicht/
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Sind Blumen die mehr Glantz und Anmutt von sich geben;
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Als wenn ihr Rubars Zier und Spanjens Gelsaminen/
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Ja Florens gantzes Reich zum Krantze müsten dienen.

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Zwar Kräntze sind beliebt/ auch in der Götter Hauß/
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Ein rund-geflochtner Zweig muß Nimph- und Helden zieren/
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Der Himmel schmückt sich selbst mit Sternen-Kräntzen aus/
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Läst Kräntz um Sonn und Mond und andre Lichter spüren;
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Doch wenn die Sonne brennt/ wünscht man ihn mit Verlange
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Vom Schleyer brauner Nacht/ der Wolcken Haub/ umhange

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Es hüllt sich alle Welt in Schaub- und Hauben ein;
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Soll sich Lorett allein der Mode nicht bequemen.
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Der Himmel will heut selbst mit ihr gehaubet seyn/
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Daß sie sich nicht allein des Häubgens dörffe schämen.
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Wir sehn auch izt das Feld mit Faden übersponnen/
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Was Wunder/ wenn Lorett ein gleiches hat begonnen.

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Den Erden-Krantz verderbt der ungestüme Nord/
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Des Herbstes rauhe Lufft macht Blum und Laub entfliehen:
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Hier bläst ein warmer Sud die welcken Blätter fort/
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Und macht den bunten Krantz der Liebe Glutt verblühen:
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Wann jene früher Frost und scharffer Reiff entfärben/
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So kan wohl dieser auch von heissem Thau ersterben.

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Man geht bey Tag und Nacht mit Garn und Netzen aus/
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Manch leichtes Feder-Kind mit Lust und List zu fangen;
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Was ist die Haube denn? der Freyheit Vogel-Hauß/
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Ein Netze/ nach der Jagt zur Siegs-Pracht ausgehangen.
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Muß hier die Jägerin gleich selbst im Netze liegen/
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So zeuget solches doch von ihrem Fang- und Siegen.

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Nun Bräutel/ gib mit Lust dem Kräntzgen gutte Nacht/
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Laß Venus Sieges-Fahn um deine Scheitel fliegen/
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Und dencke/ weist der Krantz gleich mehr von Gelder-Pracht/
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So weiß die Haube mehr von würcklichem Vergnügen.
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Das Glücke wird dein Netz aus edler Seyde weben/
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Die Zeit viel neuen Zeug zu Kräntz- und Hauben geben.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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