Vermischte Gedichte

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Hans Assmann von Abschatz: Vermischte Gedichte (1704)

1
Ich bin das reine Glaß/ das noch kein Staub befleckt/
2
Die Lilje/ welche noch die Bienen nicht besessen/
3
Die Rose/ deren Blatt kein Käfer noch durchfressen/
4
Das Muschel-Kind/ das noch der Mutter Schale deckt/
5
Das Ziel/ auff welches noch kein fremder Pfeil gezweckt/
6
Der süsse Freuden-Brunn/ den noch kein Bley gemessen/
7
Die Nuß/ aus der man kan das Lebens-Oele pressen.
8
Die Schnecke/ welche noch die Hörner nie gestreckt/
9
Die Tochter keuscher Scham/ der Unschuld liebstes Kind/
10
Die Aepffel-Blütte/ die nun fertig auff zuspringen/
11
Das Müntzhauß/ drinnen man Vergnügungs-Schätze find/
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Die Festung/ welche durch ein einig Thor zu zwingen/
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Der Liebe Feuer-Zeug/ die Artzney deren Krafft
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Auch Todte lebend macht/ die edle Jungfranschafft.
15
Wie geht mirs aber nun? man flöst mir Nectar ein/
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Cupido will bey mir den Jungfern-Honig finden/
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Der Liebe Brand muß mir die Röthe mehr entzünden/
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Die Perle kan auch in der See nicht sicher seyn/
19
Ein Bogen scharff besähnt zielt auff mein Helffenbein/
20
Was ich verborgen hielt/ will Fürwitz doch ergründen/
21
Die Liebes-Presse sucht aus mir den Safft zu winden/
22
Mein Wohnhauß wird bestürmt/ und wär es noch so klein.
23
Die Mutter läst ihr Kind/ und weichet selbst darvon/
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Die Knospe platzet auff/ der Schatz wird mir gestohlen/
25
Aus meiner Brustwehr wird des Uberwinders Thron/
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Der Venus-Zunder fängt und brennet endlich Kohlen/
27
Den Arzt ertödtet selbst die fremd-erweckte Krafft/
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Und endlich stirbt dahin die edle Jungfrauschafft:
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So hab ich viel Gefahr von aussen und von innen/
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Und sehe wie der Tod schon auff der Zunge sizt/
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Die Poltzen/ welche man mich zu verletzen spizt/
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Die List/ durch welche man mich trachtet zu gewinnen/
33
Die stets genährte Glutt der angefeurten Sinnen/
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Die Thränen/ welche man bey meinem Grabe schwizt/
35
Die Vortheil/ welche man mich zu verletzen/ nüzt.
36
Sind Feinde die ja leicht mich Schwache fälleu künnen.
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Ich muß/ doch will ich nicht gantz ungerochen sterben/
38
Den Sieger soll sein Schweiß nebst meinem Blutte färben/
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Wird mir der Ring entführt/ die Lantze biegt vom Streit/
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Man muß mir diesen Ruhm der Großmutt hinterlassen/
41
Ist gleich mein Helden-Tod nicht ohn Empfindligkeit/
42
Ich will doch meinen Feind und Mörder nimmer hassen.
43
Nun Nimphe/ finde dich nur willig zu der Bahre.
44
Ich dancke/ was ich kan/ der treu-gepflognen Hutt:
45
Gib ohne weigern hin mein unbeständigs Gutt.
46
Der grünen Jugend Preiß verfällt bey grauem Haare/
47
Wer über rechte Zeit verhalten will die Wahre/
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Wird innen/ daß er ihm den meisten Schaden thut.
49
Ihr Schwestern folget nach mit kühnem Helden-Mutt/
50
Was schadets/ daß man noch/ was unbekannt/ erfahre?
51
Seht/ wie beherzt ich geh auff dieser heissen Bahn:
52
Julinde/ gutte Nacht/ ich kan nicht länger bleiben/
53
Der süsse Tod klopfft schon bey meinen Lippen an:
54
Im Fall ich nicht bey dir zu lange Zeit gehafft/
55
So laß mir auff mein Grab mit steiffem Griffel schreiben/
56
ier liegt/ was mühens werth/ Julindens Jungfrauschafft.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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