Die Blattern oder Kinder-Pocken

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Hans Assmann von Abschatz: Die Blattern oder Kinder-Pocken (1704)

1
Ihr Kinder schnöder Eitelkeit/
2
Die ihr mit theuren Steinen pranget/
3
Was eine Muschel zubereit
4
Aus weit-entfernter See verlanget/
5
Kommt/ seht die Perlen und Rubinen
6
Die mir itzund zum Schmucke dienen.

7
Ihr/ die ihr eurer Farbe traut
8
Und auff ein Fleckgen zweyer Hände
9
Das Schloß der stoltzen Hoffart baut/
10
Vergoldt das Dach/ bemahlt die Wände/
11
Seht den Zinnober und die Kreyde
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Darein ich meine Wangen kleide.

13
Ihr/ die ihr vor des Spiegels Eyß
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Den Mund in seine Falten richtet/
15
Und wie euch der zu rathen weiß
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Das Auge nachzuthun verpflichtet/
17
Kommt seht/ hier könt ihr in Geberden
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Und Blicken unterrichtet werden.

19
Ihr/ die ihr Oel und Bisam braucht/
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Zibeth und Balsam an euch schmieret/
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Um die ein Staub von Zypern raucht/
22
Der Mosch und Ambra mit sich führet/
23
Kommt her zu meinem Krancken-Bette/
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Und riechet mit mir in die Wette.

25
Ihr/ die ihr Sammt und Seide kaufft
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Der Glieder Blöße zu verhüllen/
27
Nach Gold-gewürckten Zeugen laufft/
28
Die Neu- und Ehrsucht zu bestillen/
29
Kommt/ seht die ausgestückte Decke/
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Darein ich meinen Leib verstecke.

31
Ihr/ die ihr noch mit guttem Mutt
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Und ungekränckten Gliedern prahlet/
33
Bey denen noch ein frisches Blutt
34
Die unbenarbten Wangen mahlet/
35
Seht mich mit Blattern angefüllet/
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Aus denen Stanck und Fäulnis quillet.

37
Der Schnee der vormahls zarten Haut
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Ist von den Wangen weg gewichen/
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Die Glutt/ die man mich brennen schaut/
40
Hat sie mit Purpur angestrichen/
41
Die Stirne starrt von Edelsteinen/
42
Durch welche Blutt und Eyter scheinen.

43
Mein mattes Haupt hängt nach der Seit/
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Und krümmt den Mund ob seinen Plagen/
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Der Fuß voll schwacher Müdigkeit
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Kan nicht den magern Leib mehr tragen/
47
Der fast verschlossnen Augen Kertzen
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Bethränen rinnend meine Schmertzen.

49
Diß ist der Sünden Liberey/
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Die ich an meinen Gliedern führe:
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Vielleicht kömmt bald die Zeit herbey
52
Die euch nach gleicher Art beziere/
53
Den stoltz-gesinnten Hochmutt lege/
54
Des Todes Bildnis in euch präge.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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