Die Schiff-Fahrt

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Hans Assmann von Abschatz: Die Schiff-Fahrt (1704)

1
Der muste wohl ein Hertz aus Stal und Eisen tragen/
2
Mit dreyer Männer Mutt bepantzern seine Brust/
3
Der zwischen See und Lufft sein Leben hinzuwagen/
4
Sich erstlich unterstand: der Tod war seine Lust/
5
Das Leben seine Pein: O Menschen harter Sinnen/
6
Stieff-Söhne der Natur/ Schos-Kinder wilder Flutt/
7
Denckt ihr nicht/ daß ohn euch die Fische leben künnen?
8
Das weite Meer ist groß genung ohn euer Blutt.
9
Was suchet ihr den Tod bey den entlegnen Inden/
10
Der euch zu Hauß und da gleich bald erreichen kan?
11
Ihr wollet Perl und Gold in fernen Landen finden/
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Trefft theuren Schaum der Flutt und kostbar Erdreich an/
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Dem schnöder Wahnwitz hat so hohen Preiß gegeben/
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Bringt in die Alte Welt der Neuen Uberfluß/
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Den Raub von Land und See/ der wider euer Leben/
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Zur Rache Rauber/ See und Land verhetzen muß.
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Was traget ihr darvon? vom Scharbock matte Glieder/
18
Frost/ Hunger/ Hitze/ Durst/ Sturm/ Ungemach und Tod/
19
Gebt eur gewonnen Gutt mit Geist und Seele wieder/
20
Seyd bey dem Reichthum arm/ empfindet dürre Noth/
21
Bey vollem Uberfluß/ müst offt wie Tantal büssen/
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Der ungesättigt Flutt und Aepffel für sich sieht/
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Schaut Wasser ohne Maaß für euren Augen flüssen/
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Mit dem ihr doch umsonst zu laben euch bemüht.
25
Ihr untergebet euch der Herrschafft leichter Winde/
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Schliest euren freyen Leib in wenig Ellen ein/
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Verstosset Weib und Kind/ verlasset Hauß und Gründe/
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Und wählt euch zwischen See und Lufft verbannt zu seyn.
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Eur fichtnes Wasser-Hauß schwebt ohne Grund in Wellen/
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Offt stüzt den frechen Bau der schweren Ancker Last/
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Die eure Sicherheit auff Sand und Stricke stellen.
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An statt der Thürne prangt der hoch-gesinnte Mast/
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Der sich zu Nutz und Zier mit Pech hat überkleidet/
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Mit Lumpen ausgeschmückt; den Mund/ die Nase füllt
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Das Felsen-harte Brod/ das fast kein Eisen schneidet/
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Der Tranck/ aus dem manch Wurm von langer Fäule quillt/
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Der Käse schwere Kost/ der dürren Fische Grätten/
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Der süsse Wohlgeruch von feistem Talg und Thär/
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Den müden Leib erquickt die Lust der Lagerstätten/
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Da manches Thier mit euch sich schwencket hin und her.
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Eur edler Zeit-Vertreib ist auff- und ab zu steigen/
42
Um den beseilten Mast zu suchen was euch beist/
43
Das grobe Segel-Tuch dem Winde nach zuneigen/
44
Und was euch sonsten Wind und Zeit für Arbeit heist.
45
Solt ihr denn euren Mutt im Kriege lassen sehen/
46
Ein einig Feind vergnügt eur freches Hertze nicht:
47
Kan euch durch Waffen nicht eur völlig Recht geschehen/
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So müst ihr seyn durch Flutt und Flammen hingericht/
49
Gemetzget und gewürgt/ gesotten und gebraten/
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Nach Himmel und nach Höll halb lebend zugeschickt.
51
Das ungewisse Grab muß euch die See verstatten/
52
Wo nicht den todten Leib ein wilder Fisch zerstückt.
53
Doch eure Grausamkeit eur ungezähmtes Leben
54
Schleust billig euren Leib in solch Gefängnis ein/
55
Und wem das fromme Land nicht Auffenthalt will geben/
56
Dem muß die wilde See Hauß/ Grab und Hencker seyn.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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