Der edle Schecken

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Hans Assmann von Abschatz: Der edle Schecken (1704)

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Wie schade/ daß ich hier nunmehr darnieder liege!
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Mich zeugte Zimber-Land/ ein Schiff war meine Wiege/
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Mein Kleid war Schnee und Sammt/ mein Auge voller
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Glutt/
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Mein Schenckel voller Krafft/ mein Hertze voller Mutt.
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Mein spielend Maul voll Schaum; mein wohl-gewölbter
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Rücken/
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Trug jeden starcken Mann: Ich wuste nichts von Tücken/
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Die unanständig seyn; nur gerne war ich frey/
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Und ließ mir nicht den Schmid von hinten kommen bey.
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Piastens lezter Sohn hat mich mit Lust beschritten/
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Wenn er den Kopff gefällt/ wenn er den Ring erritten.
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Mein Glücke fiel mit ihm/ wies an den Höfen geht/
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Wo auff des Herren Heyl der Diener Wohlfart steht.
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Doch fiel mir nicht der Mutt: wer sich nur wohl gehalten/
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Und redlich hat gedient/ kan doch mit Ehren alten/
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Die Liebe/ die mein Herr den Seinen hinterließ/
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Die Treue/ die ich ihm nach meiner Pflicht erwieß/
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Hat mir noch so viel Gunst bey Lebens-Zeit erworben/
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Daß ich/ der Jahre satt/ im Herren Dienst gestorben.
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Zieht manch veraltet Pferd den Karn und Glocken-Strang/
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Darüber klag ich nicht/ und weiß dem Herren Danck/
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Der mich bey Ruhe/ Lust und Futter lassen leben/
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Und keiner schnöden Hand zu Diensten untergeben.
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Der mich/ so alt als ie nicht leicht ein Pferd/ beklagt/
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Und mehre Kosten noch auff mein Gedächtnis wagt.
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Wer saget aber/ daß ich hier darnieder liege?
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Ich liegen? stand ich nicht in meiner ersten Wiege?
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Wer mich gesehen hat wird noch ein Zeuge seyn/
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Wie sich mein Haubt zum Schlaff im stehn gewieget ein.
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Nach muntrer Fohlen Art scherzt ich mit Sprung und
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Streiche/
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Kein Riese Pferdes-Art thät mirs an Künheit gleiche/
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Biß Reuter/ Fleiß und Kunst mich in die Ordnung bracht/
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Und ein bequemes Roß voll Mutt aus mir gemacht.
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Die Jahre wolten mir zwar das Vermögen brechen;
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Sie konten nicht das Hertz/ als wie die Lunge/ schwächen:
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Ich schritt und drabte frey: und wenn mich nicht die Macht
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Des Todes unverhofft in seine Stricke bracht/
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Ich wär ihm noch zulezt aus Stall und Stand gesprungen.
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Ist mir der lezte Sprung nun gleich nicht wohl gelungen/
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So fehl ich dennoch nicht der Ehren Renne-Bahn;
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Die Sonne spannt mich izt an ihren Wagen an/
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Weil diese Welt noch Lob wird kühnen Pferden geben/
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Wird mein Gedächtnis auch in meinen Enckeln leben/
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Wenn Fohlen in die Lufft mit hellem Wyhern schreyn/
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So dencket/ daß sie sich ob meiner Ehr erfreun!

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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