Rodomonds Testament

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Hans Assmann von Abschatz: Rodomonds Testament (1704)

1
Nachdem das Lebens-Oel in heißer Glutt verzehret/
2
Und mein entmarckter Leib zu leben nicht begehret/
3
Fuß ich den lezten Schluß in wenig Zeilen ein/
4
Und soll die jüngste Bitt an meinen Herren seyn/
5
Um mir/ erzeigter Lieb und treuen Dienste willen/
6
Was mein halb todter Geist begehret/ zu erfüllen.
7
Der Seele: die bey mir seit ihrer ersten Flucht
8
Die sechsmahl-zehnde Stell und Wohnung ihr gesucht/
9
Die manches Helden Leib vor diesem hat belebet/
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Die Wechsels-weiß um Thier und Menschen hat geschwebet/
11
Die bald ein munter Pferd/ bald ein gefürchtes Schwein/
12
Bald ein beherzter Bär und Lewe müssen seyn/
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Biß daß sie mit der Zeit in meinen Cörper kommen;
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Nun das Verhängnis ihr auch diesen Sitz genommen/
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Nimmt sich kein ander Thier mit meinem Willen an/
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Als Mavors eignes Kind/ ein kriegerischer Han/
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Der sich im Streit und Kampff nach meinen Sitten übet/
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Und muntre Wachsamkeit vor saule Ruhe liebet.
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Mein treues Hertze schreibt die wahre Danckbarkeit
20
Dem werthen Herren zu/ bey dem ich meine Zeit
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Vergnügend zugebracht. Das Fell will ich bescheiden/
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Nach jenes Kämpffers Art/ die Drummel zu bekleiden/
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Die wider meine Feind in steten Krieg soll ziehn/
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Vor der ein feindlich Heer der Katzen soll entfliehn.
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Die weiche Lager-Statt/ des Herren milde Gaben/
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Soll Vetter Goliath als Erb und Nachfahr haben/
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Dem/ der den müden Geist der schweren Last entbindt/
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Bleibt als ein Eigenthum mein lezter Leibes-Wind.
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Den hinterlassnen Rest der abgelebten Glieder/
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Leg eines Freundes Hand ins Grab fein sanffte nieder/
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Und wo mein treuer Dienst so viel erworben hat/
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So decke mich manch Myrth- und Oel- und Pappel-Blat.
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So wird mich Cerberus mit vollem Hals empfahen/
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Wenn sich mein Schatten wird zu seiner Hütte nahen/
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So werd ich Hecatens Gefert und Diener seyn/
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Und sich der Ewigkeit mein Nahme schreiben ein/
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Den ich mit eignem Blutt in diese Zeilen ätze/
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Und daß man selbe nicht vor unvollkommen schätze/
39
So zeuge/ wer du diß Papir mit Augen siehst/
40
Daß drauff mein lezter Will und Schluß verfasset ist.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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