Liebes-Gespräch des Hirten Damon mit der Schäfferinn Hyelle

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Johann Georg Gressel: Liebes-Gespräch des Hirten Damon mit der Schäfferinn Hyelle (1716)

1
Hyelle laß dis Feld wo Phœbus Feuer blitzt/
2
Und geh mit mir dahin wo man im kühlen Schatten
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Am Rand des hellen Strohms in weichen Blumen sitzt/
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Wo Anmuth und die Lust das Lager uns verstatten.
5
Es wird der Glieder-Schnee hier vou der Hitze braun/
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Dein schön es Angesicht wird durch den Strahl verbrennet.

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Die Worte sind zwar gut/ doch dir ist nicht zu traun/
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Die/ so den Männern folgt/ in ihr Verderben rennet;
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Sie zuckern an ihr Wort/ man stellt sich heilig an/
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Bis daß sie uns berückt/ und in das Netz gejaget/
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Und sind wir denn gefällt/ alsdenn so siehet man/
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Daß ihr uns nicht wie sonst mehr auf den Händen traget.

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Wie übel siehest du doch meine Worte ein/
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Die nichts von ungebühr/ und falschen Locken hegen/
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Wie könnt ich gegen dich/ mein Kind/ betrüglich seyn!
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Da Ehr und Furcht in mir das Wollen niederlegen.
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Ich ehre deine Pracht/ doch zwing’ ich mich dabey/
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Daß nichts/ was widrig klingt/ aus meinem Munde fahre/
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Und daß ich deiner Zucht niemahls beschwerlich sey/
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Noch daß ich mich zu frech mit deiner Pracht gebahre.
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Komm mit zu jenem Busch fühl wie die Sonne sticht/
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Laß doch die schöne Haut so bößlich nicht verderben
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Komm mit wo
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Und wo den

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Nein! Nein! ich folge nicht. Den Vögeln pfeifft man süß.
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Bis daß der Vogler sie mit Netz und Garn bestricket/
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Du machst es eben so/ und meinest gantz gewiß/
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Ich würde auch von dir durch Schmeichelung berücket.
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Ich sehe schon womit die Geister schwanger gehn/
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Ich mercke deine Gluht/ ich spühr du bist entzündet;
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Du must vom innern Brand mehr Uberlast ausstehn/
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Als mein Gesicht und Hand von
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Doch birgest du den Schalck/ und stelst dich heilig an/
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Als hätte deine Hand das Wasser nie betrübet/
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Da über Wolffes-Art der Schaaf-Peltz ist gethan/
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Von aussen bist du kalt inwendig sehr verliebet;
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Du laurst als wie ein Löw auf meine Jungferschafft/
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Nein! Nein! ich folge nicht/ ich will beym Schaafen bleiben/
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Dein süsses Locken hat bey mir gantz keine Krafft/
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Hier will ich meine Zeit in stoltzer Ruh vertreiben.

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Laß seyn ich liebe dich/ laß mich verliebet seyn/
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So kanst du doch mein Licht/ mich darum nicht verdammen/
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Wer ists/ der uns den Trieb der Liebe flösset ein/
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Wer nehrt in unser Brust die süssen Liebes-Flammen?
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Thuts nicht der Himmel selbst/ der unser Meister ist?
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Nach dessen Schatzungen die Menschen-Kinder leben/
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Wer ist/ der sein Befehl nicht ohne weigern küst?
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Und welcher findet sich/ der ihm kan widerstreben?
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Man saugt den Liebes-Safft mit aus der Mutter-Brust/
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Und eh man reden kan die Liebe uns besitzet/
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Es schafft in Windeln schon mehr denn versüßte Lust
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Wenn auf der Mutter Leib man seinen Leib erhitzet.
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Die Liebe wächst wie wir/ altäglich nimmt sie zu/
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Ja sie hat mehr bey uns/ als wir selbst/ zugenommen/
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Sie treibt die Sinnen an/ und stöhrt dem Geist die Ruh/
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Bis er den Ort gesucht/ wo er ist hergekommen.
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Man spühret ihre Macht in Steinen und in Stahl/
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Die gantze Creatur ist gegen sich verliebet/
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Es ehrt der Liebe Macht die Erde überall/
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So bald die Sonne weicht ist
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Die Turtel-Taube stirbt/ wenn ihr der Tauber fehlt/
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Der Palm-Baum der verdorrt/ wenn ihm sein Mann entriffen/
63
Aurora sich noch jetzt um ihren Cephal quählt/
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Und du wilt nichts von Feur und

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Ich weiß nicht was dein Mund mir von der Liebe sagt/
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Mir ist was
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Doch weiß ich nicht wie mir der Nahme so behagt/
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Ich weiß nicht wie mir wird/ die Brust will sich verkehren/
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Es regt sich was in mir/ doch ist mirs unbewust/
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Ach
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Dein süsses Reden rührt die eisen-harte Brust
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Jhr Götter/ daß ihr mich/ mich Arme/ so betrübet.

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Was ficht
74
Gelt!
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So gehts/ wenn man die Macht des starcken Gotts entehrt/
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Der einen Felsen-Sinn im Augenblick kan brechen.
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Doch
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Er schenckt den Liebenden viel tausend Süssigkeiten/
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Er überhäufft mit Lust/ er reget süssen Schertz;
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Komm folge mir nur nach den Schmertzen zu bestreiten.

81
Ich stehe noch was an/ dir/
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Ich weiß nicht/ wie ich soll die kühne That beschönen/
83
Dann würde mich bey dir wer gantz alleine sehn/
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So möcht man meine Zucht und Ehrbarkeit verhöhnen.

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Wirf die Gedancken hin/ und folge mir nur nach/
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An jenen dunckeln Ort/ zu denen Lust-Gebüschen/
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Wo wir alleine seyn/ bey dem Crystallen-Bach/
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Gewiß/ da kan kein Mensch zusammen uns erwischen.
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Da wird die sanffte Lufft verliebte Winde wehn/
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Die Vögel werden uns verbulte Lieder singen/
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Wir werden da vor Lust gleich als bezaubert stehn/
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Der klahre Bach wird gleich den hellen Orgeln klingen.
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Es wird wenn du gesinnt/ wie ich gesinnet bin/
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Ein Meer der Süssigkeit die Geister überschwemmen/
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Und in die Schwaanen-Brust wird sich die Anmuth ziehn.
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Komm koste

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Ich weiß nicht wie mir ist/ ich schwinde/ ich vergeh/
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Dein Mund bringt Sachen für die meinen Geist bethören/
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Bald bin ich recht beglückt/ bald wird mir wieder weh/
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Wie ist mir/ soll ich denn
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Soll denn ihr starcker Arm anjetzt gantz krafftloß seyn/
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Und muß ihr schneller Pfeil vor
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Wie geht mir alle Krafft und alle Stärcke ein?
104
Ach! ja der

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Komm nur mein Engel komm/ und schenck mir deine Gunst/
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Reich mir die Brüste dar die allerschönsten Dinger/
107
Die Kost des Paradies/ den Zunder zu der Brunst/
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Ach schenck mir deinen Schooß den rechten Hertzens-Zwinger.

109
Mein
110
Warum sucht deine Hand das Kleid mir auffzuheben?

111
Es fügt sich eben so doch hält es nichts in sich
112
Verliebte pflegen da nicht Achtung auffzugeben.

113
Wenn du wilt täppisch seyn? so gehe in der Zeit/
114
Du möchtest sonst mit mir dich gar zu mausicht machen.

115
Entweiche nicht mein Kind es bringet dir kein Leid
116
Ein Griff und Kuß die sind ja gar geringe Sachen.

117
Doch zündt ein Griff und Kuß der
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Und macht durch innre Gluht uns in uns selbst verbrennen.

119
Da/ wo man Wasser hat sogleich man löschen kan/
120
Wenn sich die Flamme läst nur durch den Rauch erkennen.
121
Flammt nun dein Hertze an/ so küsse mich mein Kind
122
Laß mich ein mehres zu gib Kuß und Griff zusammen/
123
So löschet sich die Gluht durch das was sie entzündt/
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Und Wasser wird daraus was vormahls heisse Flammen.

125
Mein
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Betaste meine Brust und laß das ander bleiben.

127
Du Närrin weist noch nicht was darauf folgen muß
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Wenn man mit küssen will die Zeit nicht mehr vertreiben.

129
Was folget denn darauf? ach lasse mich doch loß/
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Und sage mir hernach was folget nach den Küssen.

131
Das/ was du noch nicht weist/ erfähret deine Schooß/
132
Doch soll sie es jetzund mit höchster Anmuth wissen.

133
Hilf Himmel/ steh mir bey/
134
Rett meine Jungferschafft sie liegt in letzten Zügen.

135
Dein Ruffen hilfft dir nichts/ wie hört
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Die bey
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Bequehme dich mein Kind nur zu der Liebes-Lust/
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Der Himmel stimmet bey/ das Schicksahl will es haben.

139
Soll es denn also seyn so drücke Brust an Brust/
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Ich will so viel ich kan dein heisses Hertze laben.

141
Ich bleibe dir davor/ mein Leben/ stets verpflicht.

142
Ach halt! mein Schatz halt an! es ist genug geschertzet
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Ein mehres gönn ich dir bey meiner Treue nicht/
144
Ach glaube/ daß dein Thun mich gar zu herbe schmertzet.

145
Mein Kind es schadt dir nichts/ die Schmertzen sind gar klein/
146
Den Jungfern thun sie weh/ doch kitzeln sie die Weiber.

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Laß doch mein liebster Schatz es nun zum Ende seyn.
148
Wir bringen sonst in eins ja unser beyde Leiber.

149
Gedulde dich mein Kind/ und traue es mir zu
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Daß ich dir deinen Leib gar nicht verletzen werde

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Ich bin von Wollust sat/ ach! gib dich nun zur Ruh/
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Und siehe wie ich mich so ängstiglich gebährde.

153
Mein Schatz ich bin entzückt - - - - - - - - - - - - - - -

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- - - - - - - - - - - - - - - ich bin nicht mehr bey mir/
155
Ich bin im Paradies/ ich breche Zucker-Früchte/
156
Mein Liebster/ ach mein Schatz - - - - - - - - - - - - - - -

157
- - - - - - - - - - - - - - - ich lebe bloß in dir
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Mir schencket deine Brust ein süsses Lust-Gerichte.

159
Ach welche Zucker-Lust hat doch mein Geist geschmecket!
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Welch süssen Lebens-Thau hast du mir eingeflösset!

161
O süsse Anmuths-Quell! von der mein Geist geleckt/
162
Nachdem du mir die Brust und deine Schooß entblösset.

163
Voll Wollust ist die Brust und meine Seele voll/
164
Es kitzelt mich annoch das Lust beseelte Streiten.

165
Mein Leib der ist ermüdt/ er kan nicht wie er soll/
166
Jhm fehlet Stärck und Krafft dir Anmuth zu bereiten.

167
So hat mein
168
Und in der zarten Schooß den Liebes-Schatz gepräget.

169
Nein! Nein der Himmel hat den Sieg dir zugefüget/
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Der mich als deinen Knecht für deine Füsse leget.

171
Auf! auf! mein
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Hör/ was die Bäume schon von unser Liebe sagen.

173
Ach! warte doch mein Kind und sey noch eins gehertzt/
174
Die Bäume dürffen es/ nicht zu verrahten wagen.

175
Nun gute Nacht mein Schatz der
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Ich scheide zwar von dir/ der Geist stets bey dir bleibet.

177
Der Himmel wehe dir mein Engel Anmuth zu/
178
Die dir mit stoltzer Freud’ Angst/ Noht und Pein vertreibet.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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