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Man liset von zwain menschen das
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Ir hertz mit Minne verstriket was.
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Das was ain man und ouch sin wib,
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Die hatt er lieb als sinen Lib.
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Die starke minne schied der tod.
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Der man starb do kam in not
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Die Frau und ouch die minne groß;
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Alles Trostes was si blos.
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Do si verlor ir lieben Man.
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Si wolt von niemand trost enpfan.
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Sy schray und wainet ân underlas.
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Ob im sy staetenklichen saß.
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Do er ward in das Grab gelait,
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Do huob sich jammer und laid.
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Sy wolt nit von dem Grab hindan,
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Sy clagt als iren lieben man.
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Sy schrai vil lut ach und we.
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Weder regen und der schne
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Mocht sy geschaiden von dem grab
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Sy lebt in grosser Vngehab
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Bedi Nacht und den Tag,
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Das si da anderst nút en pflag.
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Ir Ruowe die was clain.
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By dem grab saß sy allein,
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Vnd wainet by dem Fúre.
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Nu fuegt sich uf derselben vart
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Das da ainer erhenket wart
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Hin von dem grab úber ain veld,
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Des huot ain man dem gab man gelt
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Das er nit dannen solt kommen,
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Wurd ab dem Galgen abgenommen
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Der tieb, das waer dem richter Zorn
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Und muest er sin houpt han verlorn.
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Do er das fúr sach und das Wib
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Clagen hort ir mannes lib
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Vil ser in túrsten began.
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Zu dem grab gieng er hindan
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Und sach die Frowen die was stoltz.
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An das fúr bracht er ir holtz
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Das si vor frost wart behut.
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Er sprach Frow hand guten mut,
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Sid tod ist úwer lieber man
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So sond ir úch zu ainem lebenden han.
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Ain anderù muoter ainen andern trait
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Als guten der úch úwer laid
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Abnimpt vnd úwer ungemach.
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So er ie me in minne bran.
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Der man gar von im selber kan.
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Er sprach hertz liebe Frowe min
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Moecht es an úwer hulde sin
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Ich woelt úch ergetzen zwar
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Ailes laides, nement war
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Was lib und Sele erzúgen mag
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Das ist ûwer hût uf diesen tag.
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Die Frow wust vil tougen Die Frau wusch gantz heimlich rc.
Her Walther von Klingen:
Weder offenbar noch tougen.
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Die traehen uß den ougen
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Der man sach si gar lieplich an,
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Vnd sprach moecht ich an dir han
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Mit Wahrhait das du hast gesait
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Ich wœlt ablan mins herzens lait
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Vnd wœlt tuon den willen din.
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Er sprach liebi Frow das sol sin.
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Gar lieplich er sy um vieng,
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Vil liebes er mit ir begieng.
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Das wil ich nun nit sagen hie.
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Darnach do dis red ergie
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Vnd von der Frowen gieng der man
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Vnd wider zu dem Galgen kan,
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Do hatt er nit gehuetet wol,
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Sorgen wart sin herze vol,
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Ab dem galgen was der Dieb
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Genomen das was im nit lieb.
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Er vorcht ser des richters zorn,
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Sin leben muest er han verlorn,
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Zu dem grab er wider kan,
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Da er vor die Frowen lie
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Vil lieplich si in umbe vie,
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Er sait ir boese maere.
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Wie im geschehen waere.
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Die Vrow sprach nu volge mir
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Vnd hoer was ich sag dir.
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Ain guoten rat wil ich dir geben
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Das du wol macht behan din leben.
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Wir sond minen man usgraben
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Vnd muessen ainen haelsig haben,
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In ziehen an des Galgen matt
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Vnd henken an des tieben statt.
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Das rat ich uff die trûwe min.
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Wolher ich wil din helfer sin.
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Der man tett das sy im riet,
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Von dem toten si sich schied.
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Das was ain jaemerlicher rât.
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Wol im der nùtz ze tuond hat
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Mit bœsen wiben der hertze stat
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Vff Schalkait und vff Missetat.