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Man saget, daß ein Atheiste, Julius Cäsar Vaninus. den man
schon lange so genannt,
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Vor seinem scharfen Hals-Gerichte, aus
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Und seinen Nichter zeigen wollen: Man könn aus
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Was er vielleicht sich zu erretten, gesagt, ist doch
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So viele Halmen auf den Felde, so viele Zeugen
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Von seiner GOttheit ewgen Wesen, da uns der
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Des Schöpfers Dasein, Macht und Güte, und
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Er wächset aus dem Saamenkorne, der ihn in sei-
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Woraus er denn in feuchten Schooße der Erde, durch
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Von der verborgnen Frucht genähret, sich ausein-
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Und durch des Wachsthums rege Säfte, bis zur
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Wenn man dies mit Vernunft erweget; so zeiget sich
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Weil weder Sonne, Luft und Erde, ihn von sich
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Wer solte, wenn wirs nicht gesehen, woll dies als
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Es könne ein so kleiner Saame, aus sich so langen
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Man sieht des Allerhöchsten Wunder, wenn man
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Wie er sich auf dem schwanken Fusse, so steif zu
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Wie künstlich er ist ausgehölet; wie sich dadurch
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Die durch der Wurzeln hohle Spizzen, zwar un-
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In seiner Röhre circuliren, bis daß die Aehre draus
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Die sich mit allen ihren Theilen, gleich einen Kopf
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Hier äusert sich vor unsern Augen, ein Allmachts-
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Wenn man vernünftig überdenket, wie er die Aeh-
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Die von der Körner Last beschweret, daß dadurch
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Weil ihn die Aehre durchs Gewichte der vielen Kör-
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Der Schöpfer hat aus weisen Gründen, den Halm
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Damit er, wenn er wird beschweret, dennoch kan
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Die Knoten sind wie starke Bande, die sich jemehr
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Jemehr die Aehr zu Boden lenket, mit ihren har-
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Die Knoten sizzen an der Stelle, wo sonst bei drük-
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Ein Rohr von solcher Halmen Länge, am ersten
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Dies lehret uns ein weiser Meister, der alles reiflich
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Hat hie es künstlich abgemessen als er die Halmen
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Die Knoten sind so eingerichtet, daß sie der starken
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Und dem gepreßten Hauch der Lüfte, der sie an-
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Die Halmen können sich doch beugen, die dem em-
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Sonst bräche sie der Winde Blasen, dem sie nicht
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Sie wallen wie der Wind sich drehet, und wenn
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So sieht man wie der volle Akker, von seinen Früch-
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Es richtet sich der Halmen Menge, allmählig wie-
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Dabei wir denn von neuen wieder, der Knoten
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Denn dadurch wird dem Feldbesizzer, ein größrer
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Weil auf dem abgemeßnen Akker, so viele tausen-
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Die sich in ihren engen Grenzen, recht dichte, in
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Und gleichsam eine Wand formiren. O! welch ein
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Fällt dadurch in ein achtsam Auge, wenn man die
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Jm Feldbezirke übersiehet, wenn wir dabei mit
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Wie durch die Einrichtung vermehret, der Felder
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O! möchten wir uns von dem Schlaffe, den die Ge-
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So würden uns die schwanken Halmen, stets auf-
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Die von der höchsten Weisheit zeugen, wenn sie
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Als ausgedehnte Zeigerfinger, zum Himmel,
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Wenn sie von starker Luft erreget, so flüstern sie zu
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Wenn ich ihr Lispeln sonst verstanden, uns zu er-
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Jhr Menschen die ihr hier auf Erden, so
viele Wunderdinge schauet,
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Die GOttes Weisheit eingerichtet, und sei-
ne ewge Macht erbauet.
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O! haltet sie doch nicht geringe, sie sind es
warlich alle werth,
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Daß ihr darauf die Augen lenket, mit An-
dacht drauf die Sinnen kehrt.
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Wir Halmen werden so verachtet, man tritt
uns Achtlos mit den Füssen,
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Da wir doch, zu der Menschen Leben, und
ihren Besten spriessen müssen.
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Wir sind des Himmels Seegens-Röhren,
darin er eure Nahrung gießt,
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Die ihr wenn sie vom Licht der Sonnen, ge-
kocht, in Meel und Brod genießt,
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Jhr saugt aus uns die süssen Tränke, und
schöpfet eure Lebenskräfte,
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Durch uns vom Himmel aus der Erde; ihr
labet euch durch unsere Säfte,
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Drum denket zu des Schöpfers Preise, was
GOtt an uns, für euch gethan,
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Betrachtet seiner Weisheit Wunder, so oft
ihr uns nur sehet an.
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Erwegt wie wunderbar wir wachsen, wie
uns der Schöpfer auferziehet,
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Wie künstlich er den Keim entwikkelt, der
aus zersprungnen Körnern blühet.
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Er zieht uns durch die Sonnenstrahlen, und
durch den Einflus dünner Luft,
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Auf eine recht verborgne Weise, aus unsrer
schwarzen Todtengruft,
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Wenn wir mit unsern gtünen Spizzen, durch
die zerriebnen Akkerflächen,
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Als Kinder aus der Mutterschoosse, mit auf-
gequollnen Triebe brechen.
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Geniessen wir denn erst die Sonne, so stei-
gen wir in unsern Lauf,
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Nach einer uns bestimmten Länge, in un-
serm Wachsthum höher auf;
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Je grösser wir im Wachsthum worden, je-
mehr verbreitet sie sich aus,
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Die Wurzeln sind wie krumme Füsse, die
uns durch ein allmächtig Walten,
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Anstat der eingefügten Klammern, stets fe-
ste in der Erde halten.
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Damit uns nicht die rauhe Kälte, der Frost
der kühlen Nacht verdürbe,
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Und unsre aufgegrünnte Blüte, vor ihrer
rechten Zeit verstürbe.
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Wir sind in diesen Dekken sicher, bis wir
die Festigkeit erlangt,
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Und bis auf unsrer äusern Spizze, die Aehr
als eine Krone prangt.
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Wenn sich die Körner erst gesezzet, so ist die
Wurzel wie erstorben,
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Und schliesset unsre ofne Röhren, die durch
sie gnugsam Saft erworben:
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Dann kocht des Himmels Strahl und Hizze,
den eingesognen Nahrungssaft
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In uns als wie in einem Kolben, daraus
er euch das Meel erschaft,
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Auf eine wunderbare Weise erst klebricht
wird, hernachmahls dichte.
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Wir kommen endlich zu der Reiffe, wenn
sich das Grünn an uns verliert,
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Wir werden durch die Sonn gebleichet, die
uns mit ihren Golde ziert,
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Da seht ihr in dem güldnen Lichte, auf eu-
ren Feldern güldne Röhren,
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Wodurch der Schöpfer euch zurufet: Jhr
Menschen lernet mich zu ehren,
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Und euch daran die Fülle-Hörner, zum Zeug-
niß seiner Liebe weißt.
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Gefällt euch dieses sanfte Wallen, wenn sich
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die güldnen Halmen schwenken;
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So müßt ihr mit geregten Herzen, dabei an
ihren Geber denken;
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Rühmt auf dem Feldern seinen Nahmen, und
laßt der Lieder süsses Schalln,
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In den begraßten Anmuths-Wiesen, in
dichten Wäldern wiederhalln:
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Hier sehet ihr im Weltbuch Blätter, ge-
schwänzte Noten sind die Halmen,
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Was fehlen noch auf diesen Blättern? der
Menschen frohe Lobes-Psalmen.