Die Venus zürnet/ daß sie sich entblösset sehen lassen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Georg Gressel: Die Venus zürnet/ daß sie sich entblösset sehen lassen (1716)

1
Wirfft man so/ loses Kind/ der Brüste Rosen hin?
2
Verachtest du mein Blut/ das deine Pracht bedecket?
3
Die Perlen sind umsonst daselbst nicht ausgehecket/
4
Vergebens ziert dich nicht Zinnober und Rubin.
5
Du lässest dich entblößt gleich als ein Schau-Spiel sehn/
6
Die zarten Liljen auf den holden Rosen-Bühnen/
7
Die müssen jedermann zur Augen-Weide dienen/
8
Damit man sehen mag wie sie so schöne stehn.
9
Allein! bedencke doch/ wie du den Leib entweyht/
10
An dem Vollkommenheit ein Meister-Stück gemachet/
11
Die Schönheit/ die bey mir und meinen Brüsten wachet/
12
Hat ihren Schatz bey dir verschwendrisch ausgestreut.
13
Der Brüste Perlen-Milch verkehrt sich fast in Blut/
14
Sie sind mit Schaam und Furcht deswegen angefüllet/
15
Kein Seuffzer steigt hervor draus nicht ein neuer quillet/
16
Du aber siehst es nicht aus blossem Ubermuth.
17
Du denckest du bist schön/ du pochst auf deine Macht
18
Wie vor den Gliedern weicht der Schmuck der weissen
19
Schwaanen/
20
Und suchest dir dadurch den Wohlfahrts-Weg zu bahnen/
21
Und also werde ich fast nichts von dir geacht.
22
Ich muß es zwar gestehn/ daß du recht schöne bist/
23
Du bist ein schönes Kind/ und heißt mit rechte nette/
24
Die Wollust machet sich bey dir ein Rosen-Bette;
25
Wie/ aber/ geht es dem/ der ungehorsahm ist?
26
Du weist/ daß
27
Und wie so Königlich gantz
28
Den güldnen Apffel hat mir
29
Er wurde mir mit recht vor andern zuerkennt.
30
Dort in
31
In
32
Die holden
33
Und
34
Zur Liebes-Göttin hat mein
35
Ich bin es/ der der Preiß vor aller Welt gebühret/
36
Wo von den Schwaanen hin mein Wage wird geführet/
37
Da werde ich geliebt/ und als ein Gott verehrt.
38
Ich poch’ auf meine Macht/ der nichts zu mächtig ist/
39
Sie hat den
40
Durch sie wird
41
Sie machts/ daß
42
Ich
43
Mein schönes Haupt/ das trägt von Perlen seine Kronen/
44
Auf der erhöhten Stirn sieht man der Anmuth-Thronen/
45
Und vor den Augen fält der Sternen Demant hin.
46
Die Wangen siegen an der
47
Wo sich die Liljen mit schönen Rosen küssen/
48
Und die Corallen/ so die Lippen ziehren müssen/
49
Sind eine
50
Das künstlich runde Kinn/ des Halses schöne Zier/
51
Prahlt unvergleichlicher als scheinende Crystallen
52
Die Lieblichkeit bewahrt der Brüste
53
Den weissen Glieder-Schmuck stelt keine Schönheit für.
54
Ich schweige von der Schooß/ ich lasse sie versteckt/
55
Ich sage nichts von dem/ was
56
Man findt es klahr genug in Schrifften und Geschichten/
57
Ovidius hat viel von unser Macht entdeckt.
58
Doch/ ach! wie wird mein Ruhm/ und seine Macht entehrt/
59
Du läst dich nackend sehn/ du zeigest deine Glieder/
60
Du fällst nicht mehr vor mir und meinem Sohne nieder/
61
Du denckst/ wir sind nicht mehr so grosser ehren werth.
62
Du pochst aus Aberwitz auf deine schöne Pracht/
63
Du wilst/ es soll die Welt die Wunder-Sachen wissen/
64
Und meynst/ sie würden sonst bey dir veralten müssen/
65
Allein/ du weist noch nicht/ daß ich darob gelacht.
66
Es geht dir dieser Streich so ungestrafft nicht hin/
67
Untreu und Abfall wird mit herber Quaal gerochen/
68
Weil du nun deinen Eyd der treuen Pflicht gebrochen/
69
So spühre/ daß ich auch ein strenger Richter bin.
70
Von nun an nimmt dein Reitz die Sinnen nicht mehr ein/
71
Ich will dich aller Pracht der Lieblichkeit entkröhnen/
72
Ein jeder/ der dich sieht/ wird deinen Stoltz verhöhnen/
73
Von meinem Angesicht solt du verstossen seyn.
74
Wenn aber deine Brust ein reuig Hertze zeigt
75
So will ich meinen Zorn und meinen Ausspruch lindern/
76
Ich bin so grausahm nicht bey abgefallnen Kindern/
77
Mein Hertze wird gar bald zur Gnade hingeneigt.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.