Seelen-Ermunterung

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Hans Assmann von Abschatz: Seelen-Ermunterung (1704)

1
Ich soll nunmehr die Schrecken-reiche Bahn/
2
Die keiner kömmt zurücke/ treten an/
3
Die Seele bebt/ das Hertze will erkalten/
4
Doch JEsus wird mich auch im Tod erhalten.

5
Ein schmaler Weg voll Dornen/ Sand und Stein
6
Führt mich durch Berg und Thal in Himmel ein/
7
Doch JEsus hat mir schon die Bahn gebrochen/
8
Viel Väter sind ihm freudig nachgekrochen.

9
Entgleitet mir der Ohnmachts-volle Fuß/
10
Der allbereit von unten sterben muß/
11
Ich falle nicht/ weil ich zum Stul und Stabe
12
Des HErren Creutz und offne Seiten habe.

13
Er ist der Arzt/ der mit durchgrabner Hand/
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Befühlet wie mein schwacher Pulß bewand/
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Sein theures Blutt/ das er mir selbst verschreibet/
16
Macht/ daß man auch im Tode lebend bleibet.

17
Sein Liebes-Brand entzündt der Glieder Eiß/
18
Sein kühler Trost wischt ab den Todes-Schweiß/
19
Sein süsses Wort bestillt mein kläglich Aechzen/
20
Sein Myrrhen-Tranck der matten Seelen Lechzen.

21
Die Zunge schweigt/ das Hertze glaubt und hofft/
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Ich höre nichts/ als wie mir JEsus rufft/
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Ich sehe nichts/ als wie mich JEsus führet/
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Wo ewge Lust und Wonne wird gespüret.

25
Wer wolte nicht mit Freuden folgen nach?
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Besucht der Leib sein kaltes Schlaff-Gemach/
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Er wird auch da des HErren Erde finden/
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Und ihn der HErr/ wenn alle Welt muß schwinden.

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Drum ob der Tod mich auff die Folter zieht/
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Ob Schmertz und Weh durchgehen iedes Glied/
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Ob man den Leib zur Würme Kost begräbet/
32
So weiß ich doch/ daß mein Erlöser lebet.

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Ich bin gewiß/ daß mein Erlöser lebt/
34
Vor dessen Thron die reine Seele schwebt/
35
Die durch sein Blutt gewaschen ist von Sünden/
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Die Noth und Tod aus seiner Hand nicht winden.

37
Ich bin gewiß/ daß mein Erlöser lebt/
38
Der meinen Leib aus seiner Asch’ erhebt/
39
Der meine Bein’ erfüllt mit neuen Kräfften/
40
Und diese Haut/ diß Fleisch daran wird hefften.

41
Ich bin gewiß/ daß mein Erlöser lebt/
42
An dem mein Aug’ und gantzes Hertze klebt/
43
Mein Auge/ das nicht fremdem Auge trauet/
44
Das GOtt ihm selbst/ und keinem andern/ schauet.

45
Wie selig/ wer diß ungeschaffne Licht
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Kan sehen mit verklärtem Angesicht/
47
Besizt/ wornach manch gläubigs Hertze strebet/
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Und sieht und weiß/ daß sein Erlöser lebet!

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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