Uber die Worte: Ich armer Mensch/ wer will mich erlösen von dem Leibe dieses Todes

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Hans Assmann von Abschatz: Uber die Worte: Ich armer Mensch/ wer will mich erlösen von dem Leibe dieses Todes (1704)

1
Wer macht mich armen Kloß der Erde
2
Vom Leibe dieses Todes frey?
3
Wenn kömmt die göldne Zeit herbey/
4
Daß ich erlöst und ruhig werde/
5
Daß Sünde/ Noth und Kümmernisse
6
Sich legen unter meine Füsse?

7
Wie matt ist meine krancke Seele/
8
Der Sünden Aussatz greifft sie an/
9
Daß sie sich nicht erholen kan;
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Ihr dräut die finstre Schlangen-Höle/
11
Die ewig heissen Schweiß erwecket/
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Und dennoch nicht das Gifft ablecket.

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Richts wird an ihr gesund erfunden/
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Voll Schmertzen ist der sieche Geist/
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Der Thorheits-Wunden Eiter beist/
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Die nicht gehefftet noch verbunden/
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Von Füssen an biß zu der Scheitel
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Ist sie bekränckt/ verderbt und eitel.

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Will sie sich manchmahl gleich gewinnen/
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Aus Delilens verdammter Schoß
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Mit Simsons-Kräfften machen loß/
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Bald wird sie ihrer Schwachheit innen/
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Giebt wieder nach und fällt zurücke
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In neue Sünd- und Kummer-Stricke.

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Das Wollen hat sie offt zu leben/
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Wie GOttes Wort und Ordnung heist/
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Wenn sie sich aber drauff befleist/
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Will ihr Vermögen widerstreben/
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Die ungewissen Tritte wancken/
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Es bleibt am meisten bey Gedancken.

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Wie kan nun des Gesetzes Dräuen/
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Der eignen Thaten böser Grund/
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Der allzu ungewisse Bund
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Der Sinnen/ die sich selbst zerstreuen/
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Nicht steten Kummer/ Streit und Schrecken
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In meiner armen Seel erwecken?

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Der Knecht des Todes und der Sünden/
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Der Leib/ in dem die Seele wohnt/
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Wird eben so wie sie belohnt/
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Und hat mit Wehthat zu empfinden/
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Wie Wollust schöne Früchte weiset/
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Und doch nur Sodoms-Aepffel speiset.

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Das Haubt/ das öffters hat gesonnen
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Auff Ehre/ Lust und Gutt der Welt/
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Verspürt/ wie sein Bedacht verfällt/
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Die Kräffte nach und nach zerronnen/
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Wie Dunst und Schwindel im Gehirne
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Mit Schweiß und Schmertz erfüllt die Stirne.

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Die Augen schienen als Carfunckel/
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Izt mindert sich ihr Glantz und Schein/
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Sie werden trüb und fallen ein/
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Ihr Licht wird unvermercklich dunckel/
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Den blaß- und abgezehrten Wangen
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Ist Fleisch und Farbe meist entgangen.

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Am Gaumen klebt die dürre Zunge/
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Die man nach Labung lechzen schaut/
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Vor Hitze reist der Lippen Haut/
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Ein stilles Feuer dörrt die Lunge/
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Der Magen will sich kaum bequemen/
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Die weichen Speisen anzunehmen.

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Es züchtigen mich meine Nieren/
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Die trockne Leber zeigt sich schwach/
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Der bange Miltz wird reg’ und wach/
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Bald läst sich sonst ein Zufall spüren/
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Es sincken die entmarckten Glieder
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Im besten Gehn entkräfftet nieder.

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Ruht gleich der Geist/ schläfft das Gewissen/
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Doch ist das Hertze nicht vergnügt/
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Es wird Gemütt und Sinn bekriegt
70
Von Sorge/ Kummer und Verdrüssen/
71
So müssen wir mit stetem Quälen
72
Die kurtzen Lebens-Tage zählen.

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Wer macht mich armen Kloß der Erde
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Vom Leibe dieses Todes frey?
75
Wenn kömmt die göldne Zeit herbey/
76
Daß ich erlöst und ruhig werde?
77
Daß Sünde/ Noth und Kümmernisse
78
Sich legen unter meine Füsse.

79
O JEsu/ Trost und Heyl der Erde/
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Befrey die Seele von der Schuld/
81
Dent siechen Leibe gieb Geduld/
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Biß ich erlöst und ruhig werde/
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Biß Sünde/ Noth und Kümmernisse
84
Gehn völlig unter meine Füsse.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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