Ruhe der Seelen in GOtt

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Hans Assmann von Abschatz: Ruhe der Seelen in GOtt (1704)

1
Ach/ wo soll ich Ruhe finden Für den Ohnmachts-vollen Geist?
2
Wenn der Sonnen Glantz verreist/
3
Und des Tages Kräffte schwinden/
4
Eil ich zwar dem Lager zu/
5
Doch wo findt das Hertze Ruh?

6
Nach der rauhen Stürme Bellen/
7
Welche manches Schiff bekriegt/
8
Unter Furcht und Angst gewiegt/
9
Eilt es bey gestillten Wellen
10
Auff den sichren Hafen zu/
11
Wo findt meine Seele Ruh?

12
Nimmt der lange Tag ein Ende/
13
So hört auch der Arbeit Lauff
14
Und das heisse Schwitzen auff/
15
Müde Rücken/ matte Hände
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Werden frey von ihrer Last:
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Wo findt meine Seele Rast?

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Auff der Wolcken nasses Weinen
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Zeiget sich der Sonnen Licht;
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Wenn der kalte Winter bricht
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Muß die Frühlings-Lust erscheinen/
22
Für mein trübes Hertz allein
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Will nicht Licht/ nicht Sonne seyn.

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Vogel nehmen unter Zweigen
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Grüner Bäume sichern Stand/
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Thiere streichen durch das Land/
27
Haben doch ihr Lager eigen/
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Ruhen offt bey düstrer Nacht/
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Wenn mein feuchtes Auge wacht.

30
Ob ich bey den eitlen Freuden
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Irrdsche Ruhe suchen will/
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Fehl ich doch das rechte Ziel.
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Lust wird mir zu Last und Leyden/
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Was ich mich zu zwingen thu:
35
Wo findt meine Seele Ruh?

36
Nehm ich Zuflucht zu den Höhen
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Dieser ungetreuen Welt/
38
Manches Fall-Bret ist gestellt/
39
Wo man sicher denckt zu stehen/
40
Gunst verschwindt in einem Nu;
41
Wo findt meine Seele Ruh?

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Herr des Himmels und der Erden/
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Zeige mir die gutte Bahn/
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Wo ich Ruhe finden kan/
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Wo ich sicher für Beschwerden/
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Frey für Creutzes-Bangigkeit
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Schließ im Frieden meine Zeit.

48
Unter deine Gnaden-Flügel
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Berg ich mich/ und ruhe wohl;
50
Wird das Hertz offt Traurens voll/
51
Laß ich ihm doch nicht den Zügel/
52
Bey dir findt die Seele Rast/
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Welche du geschaffen hast.

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Nun so last das Hertze puffen/
55
Last das Aug in Thränen stehn/
56
Und den Pulß mit Zittern gehn!
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Mein Geist soll zum HErren ruffen/
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Unter aller Angst und Noth
59
Ruhet meine Seel in GOTT.

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Diß/ was Erde nicht kan geben/
61
Was die Welt umsonst verspricht/
62
Mangelt mir bey GOtte nicht/
63
Trost und Hülffe/ Ruh’ und Leben/
64
Für das Völck/ das GOtt vertraut/
65
Ist die Ruhstatt doch gebaut.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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