Horazens Lob des Landlebens

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Christoph Eusebius Suppius: Horazens Lob des Landlebens (1749)

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Glückseelig! welcher mit Vergnügen
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Von Aemtern frey, wie jene Welt gethan,
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Mit seinen eignen Ochsen kan
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Die väterlichen Aecker pflügen;
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Und der sich keine Sorgen macht,
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Wieviel sein Wucher eingebracht.

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Kein Feldgeschrey darf ihn nicht wecken,
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Jhn schrecket nicht das ungestüme Meer,
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Er meidet jene Schranken sehr,
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Die ihm den Richterstuhl entdecken;
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Und jener Grossen stolzem Haus
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Weicht er, so viel ihm möglich, aus.

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Wogegen er in Feld und Garten
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Des jungen Weinstocks aufgeschossne Zucht
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Mit Pappeln zu vermählen sucht,
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Die Bäume pflegt er abzuwarten,
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Sein Messer wird den faulen gramm
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Und pfropfet bessre auf den Stamm.

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Bald sieht er in verzäunten Waiden
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Sein blökend Vieh zerstreut in Heerden,
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Bald kann er sich beschäftigt sehn
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Mit angenehmen Honigschneiden,
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Womit er leere Tonnen ziert,
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Auch wenn er seine Schafe schiert.

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Hat erst der Herbst die grünen Zweige,
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Mit reifem Obst besät, empor gestreckt,
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Was wird ihm nicht für Lust erweckt!
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Er bricht die wunderschöne Feige
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Von ihrem, vor dem Jahre kaum
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Erst fortgesetztem jungen Baum.

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Die Trauben liest er von den Ranken,
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Die oftermahls so schöne Farben zeigt,
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Daß sie den Purpur übersteigt,
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Und hat sie euch schon in Gedanken
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Jhr Feldbeschützer zugedacht,
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Weil ihr sein Land so wohl bewacht.

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Bald denkt er unter einer Eichen,
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Die hochbejahrt, den Gliedern wohl zu thun,
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Bald will er in dem Grase ruhn,
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Er sieht den Bach vorüber streichen,
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Und hört den angenehmen Schall
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Von seines hohen Ufers Fall.

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Die Vögel singen in dem Walde,
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Es rauscht ein Qvell; das strudelnde Getön
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Klingt seinen Ohren wunderschön,
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Und winkt dem sanften Schlafe balde;
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Es schließt ihm zu beqvemer Ruh
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Die Augen von sich selber zu.

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Wenn aber nun des Winters Strenge
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Das Jahr mit Schnee und Regen überhäuft,
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Treibt er das Wild; der Eber läuft,
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Vom Hund verfolgt, ins Garnes Enge,
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Worauf er, wie es ihm gefällt,
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Mit Netz und Schlingen Vogel stellt.

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Erschrockne Haasen kann er hetzen,
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Den Kranich, wenn er sich itzt bey dem Zug
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In Schleifen selbst verwirrt genug,
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Entlediget er mit Ergetzen
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Die Lust erfreuet ungemein,
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Sie bringt auch manches Wildpret ein.

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Wer wollte nun wohl nicht vergessen,
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Wenn uns der Geiz viel Ungemach erweckt,
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Und sonsten manche Sorgen heckt!
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Die keusche Frau beschickt indessen
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Die lieben Kinder, Küch und Haus,
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Denn das macht ihr Geschäfte aus.

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Wie die Sabiner Weiber thaten,
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Ein nicht verwöhnt appulisch Angesicht,
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Das rauhe Luft, der Sonnen Licht
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Ganz grob gemacht, und halb gebraten,
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So unverdrossen bey der Müh,
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Und treuen Sorgfalt sieht man sie.

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So bald sie ohngefehr kann schliessen,
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Daß wohl nunmehr der müde Ehemann
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Den Feyerabend machen kann,
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Und er vielleicht wird kommen müssen,
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So hat sie den geweihten Heert
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Bereits mit Holz zur Glut beschwert.

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Schleicht denn das liebe Vieh zur Hürden,
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So machet sie die starren Euter leer,
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Denn holt sie Wein aus Fässern her,
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Bereitet ihren Tisch nach Würden,
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Den sie mit Speisen ohne Geld,
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Mit lauter Hausmannskost bestellt.

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Lucriner-Austern ließ ich liegen,
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Lachs, Laberdan, Forellen noch vielmehr,
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Und brächte sie ein Sturm gleich her,
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Auch Schnepfen, die in Zara fliegen,
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Selbst Hühner, her aus Calecut,
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Die wären mir doch nicht so gut

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Sie würden mir so wohl nicht schmecken
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Als wie den, der Oliven fette Frucht,
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Die man vorher wohl ausgesucht,
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Auch so nicht den Geschmack erwecken,
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Als wie der Sauerampfer pflegt,
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Der gern auf Wiesen Wurzeln schlägt

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Nicht wie die Datteln, so den Magen,
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Wenn er geschwächt, oft wieder gut gemacht,
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Nicht als ein Lamm, das man geschlacht
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Auf der Beschützer Feyertagen,
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Und gleich dem Bock, den man den Biß
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Des Wolfes wiederum entriß.

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Wie schön ists, während solchem Essen
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Sein Schafvieh von der Waide kommen sehn,
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Wie eilend sie zur Hürde gehn,
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Nachdem sie sich ganz satt gefressen,
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Der müden Ochsen träger Zug
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Schleppt langsam den verkehrten Pflug.

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Er sieht den Schwarm erzogner Knechte,
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Die ihm sein Haus als Güther hat beschert,
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Sich lagern um den netten Heert,
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Und zwar von beyderley Geschlechte,
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Als deren grosse Menge zeigt;
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Wie hoch wohl sein Vermögen steigt.

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So sprach nun Alphius verwichen
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Der Wuchrer, der im Sinn schon Landmañ war,
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Nach diesem hat er ganz und gar
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Die Gelder wieder eingestrichen,
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Und suchet sie anjetzo nun
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Auf Wucher wieder auszuthun.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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