Die Alpen

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Christoph Eusebius Suppius: Die Alpen (1749)

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Söhne der Erden! wunderbar gebauet,
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Die ihr den Wolken ins Gebiete schauet,
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Alpen! da bin ich, nach so langen Reisen

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Vaterland, Freunde, Chloris, sie, mein Leben,
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Thränen und Seufzer, welche mich umgeben,
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Nichts, daß in Hoheit ich euch nur erblicke,

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Heißt mich willkommen mit entblößtem Scheitel,
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Wenn ihr mich sehet mit geleertem Beutel,
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Hat mich der Mammon hinter Basels Thoren

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O! dennoch sollt ihr meinen Geist entzücken,
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Und der Verlust nicht das Gemüthe drücken,
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Es ist ein Opfer, welches ich euch bringe

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Zeitliche Güter sind von keiner Dauer,
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Und einem Herzen werden sie nicht sauer
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Durch ihr Verschwinden, das nach Weisheit strebet,

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Pfeiler des Himmels! die trotz Wettern stehen,
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Prächtig erscheint ihr an Lausannens Höhen,
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Der Lenz zieht vor mir her, auf grünem Wagen,

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Mich hat bey Basel schon der Rhein gegrüsset,
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Aar! o wie brünstig hast du mich geküsset!
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Bey Solothurn schon kam sie mir entgegen,

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Jhr schön Gebiete hab ich wohl betrachtet,
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Auch grosses Bern, wie du von ihr geachtet,
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Sie hat dich dreymahl in den Arm genommen,

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Was güldne Fluhren hab ich nicht durchstrichen!
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Wie ist der Winter um mich her gewichen,
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Mit welchen Bildern kam mir Licht und Schatten

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Rauschende Bäche von hochsteilen Hügeln
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Stürzen in Thäler, werden da zu Spiegeln,
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In denen Berge mit den nahen Auen

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Heerden mit Hörnern gehn zu Millionen,
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Jhr satter Hunger denkt an kein Verschonen,
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Sie zehren Blumen, Kräuter, welche schmecken,

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Ein Volk kömmt früh mit blinkenden Gefässen,
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Wie so geschäftig sie den Arm entblössen,
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Der fast so weiß als Milch, die sie in Strömen

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Ein Morgenlied verkürzet dieß Geschäfte,
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Die fette Kuh ersetzet ihre Kräfte,
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Sie frißt zuweilen, blöckt mit zu den Singen,

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Von dem Getön, ein zehnfach Wiederschallen
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Der Andacht muß dem grossen Wirth gefallen,
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Der seine Creatur so reichlich speiset,

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Du Unschuld hast mir manch Geschlecht gezeiget,
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Bey dem die Schönheit der Natur nicht schweiget,
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Welche Gesichter führst du auf mein Bitten

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Glückselige! da seh ich euch zufrieden
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Bey dem, was euch zu eurem Theil beschieden.
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In sich alleine finden alle Güther

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O! wie so reizend, mit geflochtnen Haaren
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Bräunliche Nymphen in den Jugendjahren,
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Mit schwarzen Augen unter kleinen Hüten

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Freundliche Kinder! nicht aus Einfalt blöde,
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Das Laster nur stellt sich von aussen spröde,
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Die Keuschheit habt ihr in Gesicht und Herzen

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Wisst, euer Aeugeln, euer sittsam Lachen,
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Der süsse Reiz kann auch empfindlich machen,
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Daß man euch liebt und eure reine Jugend,

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Bald hätt ich mich und meinen Ort vergessen,
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Gebürg im Nordost, o wer kann dich messen?
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Die blaue Stirne reichet in der Ferne

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Jhr deckt mir Zürich und sein nett Gefilde,
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Allwo die deutschen Musen nicht mehr wilde,
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In wohlerzognen Minen und Gebährden

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Jhr Eltern von dem Rhein und von der Rhone,
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Beherrschet eine rauhe kalte Zone,
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Doch seyd ihr auch wie grosse Fürsten milde,

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Was ihr in Tropfen erst empfangen habet,
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Das hat in Bächen manches Thal gelabet.
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Die Vorsehung läßt darum viel erheben,

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Nun steig ich weiter nach der Mittagshöhe,
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Seyd mir gegrüsset, Alpen, die ich sehe,
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Wie steigt mit mir manch prächtig Erdgebäude,

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Ey was für ein ausnehmendes Entzücken!
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Wie sie sich dort so mannigfaltig bücken,
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Jhr höckericht Gebiet vom Ost nach Süden

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Sie haben Welschlands Gränzen eingenommen,
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Krieg! rufen sie, bis hieher sollst du kommen,
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Wir stehn zur Scheidewand vor allen Stürmen

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Der Winter ist noch in so mancher Clause,
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Da er bald ausgeherrschet, hier zu Hause,
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Auf starken Schultern, wo er sich hoch brüstet,

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Er sieht herab mit stolzen Augenbraunen,
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Wie in den Thälern Satyren und Faunen
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Dem May zu Ehren in belaubten Büschen

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Wie Zuckerhüte mannigfalt gespitzet,
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Durchsichtig weiß, woher die Sonne blitzet,
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Mit hin und her vom Strauchwerk blauen Flecken

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Stehn sie, ganz ungeheur, in langen Gliedern,
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In Einigkeit, gleich wohlgesinnten Brüdern,
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Zu einem Wunder des, der, was man schauet,

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Dort kommen Gemsen hüpfend her in Rotten,
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Ey! wie verwegen sie der Hoheit spotten,
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Hochtrabend klettern sie mit vielem Hohne

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Doch wenn sie sich zuletzt so sehr verstiegen,
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So schaudert ihnen selbsten vor Vergnügen,
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Sie kehren um. Wer hochsteigt, fällt oft wieder

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Ohn Ehrfurcht faßt man auch nicht zu Gesichte,
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Jhr Greise, älter, als die Zeitgeschichte,
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Jhr seyd gleich, mit dem Erdball in der Wiegen

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Welch schönes mehr entdeck ich steigend weiter,
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Meer oder See? ey! wie so klar und heiter
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Es unter euch sein lang Gestade ziehet,

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Lebendig Feuer bricht aus seinen Wellen
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Jm Sonnenschein an tausend regen Stellen,
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Die Rhone schleicht um sich in dunkeln Zügen

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Wo wollt ihr hin? für eure nassen Gänge
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Erscheinet ja kein Ufer in der Länge,
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Jm fernen Süden ist im dünstig Blauen

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Ich habe nun dieß Nebo gleich bestiegen;
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O Wohllust! welche Landschaft seh ich liegen!
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Wo gleich der Lenz die Fluhren überziehet,

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Dieß Kanaan muß ich noch näher kennen,
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O Muse! sage, wie soll man es nennen,
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Dort fliessen Ströme, hier sind Auen, Wiesen,

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Der West malt sie entfernt den Augen schmähler,
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Die Muse ruft: es ist das Land der Thäler,
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Wo dem Gesicht der Ueberfluß begegnet,

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Ich spühre schon in den verdünnten Lüften
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Den lieblichen Geruch von Ambradüften,
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So ein geneigter Zephir zu mir leitet,

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Staatskluge Weisheit sahe ehedessen
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Dieses ihr Gosen nicht gnug angesessen,
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Und sie erschuf manch ämsiges Geschlechte

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Und hieß sie hier, mit Ueberfluß umgeben,
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In Friede, mässig, nach der Tugend streben,
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Ja unter ihrem Zepter zum Ergetzen

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Bald sah man Hütten, Dörfer, grosse Flecken,
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Städte, so wie ich sie itzt kann entdecken,
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Wo noch die Menschen sich zusehens mehren

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Preiset den Himmel, seelge Nationen,
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Welcher euch also abgezäunt läßt wohnen,
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Jhr drücket Nahrung aus manch vollem Euter,

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Jhr übet Tugend, die zwar Länder kennen,
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Doch Lastern folgend sie oft Einfalt nennen,
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Unsträflich leben heissen eure Sitten,

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Hier sehen Eltern ihre Lust an Erben,
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Bärtige Greise sieht man lächelnd sterben,
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Die Vaterland und GOtt im Herzen tragen,

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Der Säugling trinkt an seiner Mutter Brüsten
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Den frühen Tod nicht mit verbotnen Lüsten,
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Jhm ist der Milchkrug ein Gefäß zum Leben,

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Wie wohl, o Muse! bin ich unterrichtet;
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Freundin! du hast dadurch mich dir verpflichtet,
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Laß doch noch ferner hier vor meine Sinnen

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O laß mein dürftig Glücke mich vergessen,
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Und meinen Stand nach Schweizer Nothdurft messen,
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Wenn mich mein Sachsen, das die Neigung ziehet,

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Wo ist ein Leben diesem zu vergleichen,
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Das mein Gesang niemahlen wird erreichen,
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Nur deiner Muse, Haller! kann gelingen,

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Das will ich thun, und täglich dran gedenken,
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Verlust, Noth, Mangel, wollt ihr mich noch kränken?
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Wißt! in die Alpen ist ein Volk beschieden,

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Ich will zufrieden in die Tiefe steigen,
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Und mich bisweilen noch, ihr Alpen, neigen,
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Bis wir bey Genf, nach zugeworfnen Küssen,

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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