Kaum ist mein junger Aufenthalt in dieser Welt Sechs Wochen alt, So hab ich schon erleben müssen, die Liebste Mutter einzubüssen; Man sagt mir vor, ich sey verwayst, nur gut daß Blumenbach mich liebe Tochter heißt

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Christoph Eusebius Suppius: Kaum ist mein junger Aufenthalt in dieser Welt Sechs Wochen alt, So hab ich schon erleben müssen, die Liebste Mutter einzubüssen; Man sagt mir vor, ich sey verwayst, nur gut daß Blumenbach mich liebe Tochter heißt (1749)

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Das GOtt erbarm! ist das die Welt?
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Und ist es hier so schlecht bestellt?
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Ich dachte Wunder, welch Vergnügen
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In meiner Ankunft würde liegen!
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Doch siehe! da weint jedermann,
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Als ich mich umzusehn die Augen aufgethan.

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Es scheint mir alles wie ein Traum,
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Denn ich begreife selbst noch kaum,
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Ob man zum Lachen oder Weinen
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Bey seines gleichen muß erscheinen;
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Das letztere bedünkt mich wahr,
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Doch weiß ich nicht, warum? ich weine

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Wiewohl, es kann auch möglich seyn,
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Daß solches nur bey uns allein
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Geschiehet; es muß was bedeuten,
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Ich seh es nicht an allen Leuten,
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Die mir noch vorgekommen sind,
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Wer weiß, geht mich es an? ich denke wie

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Mein kleines Herze klopft und schlägt,
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Ich fühle mich durchaus bewegt,
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Doch will man nach der Ursach fragen,
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Ich weiß es selber nicht zu sagen;
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Es ahndet mir ein Ungemach,
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Ich kleine Menschlichkeit! was soll ich hof-

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Zu eben dieser will ich fliehn,
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Die mich mit küssendem Bemühn
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Bisher verpflegt, geliebt, getragen,
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Der will ich meinen Kummer klagen.
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Hats ihr nun mein Geschrey erzehlt,
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Ich weiß es ganz gewiß, sie sagt mir, was

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Wo ist Sie hin? wo bist Du doch?
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O Du, die meine Zunge noch
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Nicht weiß mit Stammeln zu benennen!
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Komm! gieb dich wieder zu erkennen!
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Du meyntest es gleich gut mit mir,
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Als ich kaum worden war, dein Säugling

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Verbirg Dich nicht, o zärtlich Herz!
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Sonst wird die Angst, sonst wird der Schmerz,
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Mein Weinen, mein Geschrey vermehret,
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Wenn es nicht deine Stimme höret,
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Die sanfte Stimme, deren Macht
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Mich allemahl so leicht in einen Schlaf ge-

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Die Augen suchen Dich umher,
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Wie? bist Du denn vielleicht nicht mehr?
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Und hast Du Dich darum verlohren,
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Weil Du mich an die Welt gebohren?
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Ist dieses schon für mich genug?
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Brauch ich den Arm nicht mehr, der mich

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Ach! alles seufzet! alles schweigt!
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Und dadurch wird mir angezeigt,
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Wie leider! meine Furcht gegründet,
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Dieweilen sie sich nirgends findet,
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Sie, die ohnmöglich lassen kan,
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Daß sie so lange nicht dem Kinde Guts ge-

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Mein künftig Elend merk ich nun,
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Und wie so schlecht ich werde ruhn,
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So viel mein denkendes Vermögen
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Jm voraus weiß zu überlegen,
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Weil meine Freundin mir gebricht,
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Von der ein Säugling sonst sich so viel Guts

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Ich fühle itzt in meiner Brust
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Nur halb den grössesten Verlust,
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Dafern ich noch mehr Jahr erreiche,
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So will ich erst bey deiner Leiche,
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Bey deinem letzten Denkmahl stehn,
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Da soll man mit Vernunft die Tochter wei-

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Du! der Du mich in diese Welt
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Zu der betrübten Zeit bestellt,
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Da ich mit kleinem Mißvergnügen
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Sie sehen muß darnieder liegen,
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Erhalt indessen diesen Mann,
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Der nun an jener Statt die Arme aufge-

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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