Auf Tit. Herrn D. Jacobs, Sachsen-Gothaischen Hof-Medici und ältesten Bürgemeisters, Absterben zu Gotha. Den 12 May 1746. J. f. N

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Christoph Eusebius Suppius: Auf Tit. Herrn D. Jacobs, Sachsen-Gothaischen Hof-Medici und ältesten Bürgemeisters, Absterben zu Gotha. Den 12 May 1746. J. f. N (1749)

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Auf der Gerechten Wegen wandeln,
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Durch ein geläutertes Bemühn
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Nach Billigkeit mit Sanftmuth handeln,
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Heißt; sich der Sterblichkeit entziehn;
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Und denen ist bereits hienieden
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Ein schön, ein lieblich Loos beschieden,
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Ein ewig Denkmahl zubereit,
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Die nur für andrer Wohl gelebet,
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Die sich zu deren Heyl bestrebet;
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Der Tugend folgt Unsterblichkeit;

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Ein Geist, der so erhaben denket,
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Durch wohlversorgten Unterricht,
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Wird sparsam nur der Welt geschenket,
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Er kömmt mit jedem Frühling nicht;
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An einem jeden frühen Morgen
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Für das gemeine Beste sorgen,
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Es überlegt zu Mitternacht,
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Heißt bey selbsteigenen Beschwerden
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Die Tage freylich hier auf Erden
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Nicht eben ruhig zugebracht.

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Jedoch auf die vollbrachten Pflichten
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Erfolgt ein ungemeiner Lohn;
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Man lebt in künftigen Geschichten,
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Und bindet sich die eigne Kron,
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Weil man der Tugend sich beflissen,
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So macht ein ruhiges Gewissen
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Uns täglich mit uns selbst vergnügt,
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Es schenket ein zufrieden Herze,
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Daß man auch in dem größten Schmerze
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Des Todes Bitterkeit besiegt.

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Wie schön! wenn Arme, Witwen, Waysen,
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Wenn Unschuld, die nicht mehr bedrängt,
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Den Helfer, den Erretter preisen,
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Und Liebes-Thränen untermengt?
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Wie angenehm! bey seinem Scheiden
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Nicht den geringsten Vorwurf leiden,
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Den man denn ungeheuchelt giebt,
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Hingegen von uns hören sagen,
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Bevor man uns noch weggetragen:
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Der hat die Tugend recht geliebt.

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Kommt nun des Allerhöchsten Güte
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Bey alle diesen noch hinzu,
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Und schenkt ein christliches Gemüthe,
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Wie herrlich wird sodenn die Ruh!
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Wer wollte da mit Kronen tauschen!
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Die Jahre gehen ohne Rauschen,
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Ohnunberuhiget vorbey;
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Erblickt man sich an seinem Ende,
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So hebt die Andacht uns die Hände
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Zu beten, daß es sanfte sey!

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Will man hievon ein Beyspiel haben?
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Die Tugend ruft zur Grust heraus:
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Dieß alles waren meine Gaben,
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Und so sah euer Jacobs aus!
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Deswegen wird in jenem Leben
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Jhm nun Unsterblichkeit gegeben,
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Ein unaufhörlich Glück geschenkt,
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Hier ist ihm steter Ruhm erworben,
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Der theure Mann ist nicht gestorben,
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Wie mich bedünket, daß ihr denkt!

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Hier ist er erst bewähret worden
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Durch ein unsträfliches Bemühn,
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Nun soll in einem andern Orden
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Die Frucht von seiner Arbeit blühn,
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Er lebet vor der Weisheit Throne!
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Der hier des Alters Ehrenkrone
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Bisher mit allem Rechte trug,
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Was sterblich war, soll hier verwesen,
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Die Nachwelt aber von ihm lesen:
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Der Tugend lebte Jacobs gnug!

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Erblasster! uns geschieht dein Scheiden
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Noch viel zu früh, und unsrer Stadt,
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Hier ist das Leid nicht zu vermeiden,
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Weil man dich eingebüsset hat;
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Dein frommes Herz voll zarter Güte,
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Dein sanft und redliches Gemüthe,
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Dein so durchdringender Verstand,
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Und vor das Recht dein wachsam Sorgen
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Blieb nicht geheim, und uns verborgen,
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So wahr die Tugend Dich gekannt!

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Wir wollen dein Gedächtniß ehren,
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Solange wir uns übrig sehn!
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Ja wenn wir einst den Staub vermehren,
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Und hin zu denen meisten gehn,
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So soll sich doch in unsern Kindern
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Dein Angedenken nicht vermindern,
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So ehren wir die Tugend hoch.
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Betrübte! die ihr Leide traget,
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Und Mann und Vater jetzt beklaget,
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Nur unbetrübt! Er lebt ja noch!

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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