Die Mahlzeit

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Christoph Eusebius Suppius: Die Mahlzeit (1749)

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Fort, Hunger! komm! wir wollen essen!
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Mein Tisch ist allbereits gedeckt!
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Da sind die Polster zwar vergessen,
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Auf welche man die Glieder streckt,
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Doch unser aufgeräumt Gesichte
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Zeigt auch bey harten Bretern an,
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Daß sich des Körpers Gleichgewichte
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Demselben anvertrauen kann.

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Wie steht es aber um die Trachten?
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Wie sieht es um die Gläser aus?
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O Mahl! das höher noch zu achten,
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Als der Poeten Götter-Schmaus;
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Nach der zuvor gemachten Mühe
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Versöhnen wir des Magens Wuth,
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Da schmeckt uns auch die schwarze Brühe
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Der scherzenden Spartaner gut.

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Hat mit den jungen Elamiten
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Wohl Cyrus besser sich gepflegt?
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Die Eßbegierde läßt sich bieten,
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Was ihr das Glücke vorgelegt,
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Ganz junge Kräuter, die noch heute
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Der Morgenthau begeistert hat,
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Sind ihre frische Mittags-Beute
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In dem erleichternden Sallat.

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Ich darf, die Zunge zu ergetzen,
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Und andern Sinnen sanft zu thun,
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Ein Heer nicht in Bewegung setzen,
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Viel Hände können vor mir ruhn;
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Trägt mir die Erde nur noch Früchte,
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Bäckt mir der Ofen kräftig Brodt,
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So schickt der Mittag sein Gerichte,
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Und überhebt mich aller Noth.

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Nie saget mir der Haus-Calender,
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Wenn Fluß und Wald sein Wildpret häuft:
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Ich mag nicht, daß der Bratenwender
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Sich bey mir aus dem Oden läuft;
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Vergnügt, in dem gelobten Lande
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Schmeckt mir auch halbgeschmelzter Kohl,
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Aus einer Schüssel schlechtem Rande,
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Mit einem Stücke Rindfleisch wohl.

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Zufriedenheit nimmt eine Stelle
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An meines Tischgens Viereck ein;
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Horaz muß auch ein Mitgeselle,
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Mein Gast bey dieser Mahlzeit seyn:
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Die Mässigkeit steht hinter beyden,
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Sie hält den Teller in der Hand,
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Wir können ihre Sprache leiden,
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Jhr Scherz ist lehrreich, voll Verstand.

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Kommt, Sybariten! gebt doch Stühle!
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Lucull! nimm auch vorlieb mit mir!
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Jhr Herrn! hier sind zwar keine Pfühle,
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Auch setz ich nur Gekochtes für ‒ ‒
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Wie? was? ihr weltberufne Richter
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Der besten Welt der Kocherey,
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Zeugt durch verzogene Gesichter,
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Wie schlecht ich von Geschmacke sey?

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Gut! seht denn zu, wenns euch beliebet,
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Jhr seyd vielleicht von gestern satt,
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Seht, was man hier dem Hunger giebet,
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Wie wenig er vonnöthen hat;
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Wie kurz der Weg, ihn zu vergnügen,
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Er braucht kein Vorbereitungs-Jahr,
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Kein Schiff, das eine See durchstiegen,
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Nicht was Numidien gebahr.

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Ein lustig aufgeräumt Gemüthe
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Hat meine Kost recht wohl gewürzt;
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Mein Gast Horaz ist von der Güte,
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Und hat mir oft die Zeit verkürzt;
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Er, der mit seinem Hausgesinde
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Bey Speck und Bohnen seinen Schmaus
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Mir wiederholt, den ich verbinde,
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Was zu erzehlen von der Maus

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Wie wird mir da! von Neidern ferne
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Legt sich die Freyheit doppelt für;
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Mir gönn ich alles herzlich gerne,
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Ich spreche: wohl bekomm es mir!
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Und ohne weiteres Gelüsten
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Vergnügt sich der gepflegte Bauch,
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Er sucht sich niemahls zu entrüsten,
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Wie sollt er? es bekommt ihm auch!

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Was? lüstert die verwöhnte Zunge
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Nicht nach dergleichen Mittagsmahl?
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Allein ihr steht schon auf dem Sprunge,
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Aus diesem meinen Freudensaal?
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Gut! gehet denn von hier in Friede,
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Jhr Kenner menschlicher Natur!
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Jedoch mit diesem Unterschiede:
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Jhr urtheilt durch die Zunge nur.

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Hier schmeckt ein Trunk! der Hand Gelenke
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Kommt in Bewegung, her du Glas,
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Worein ich oft die Sorgen senke,
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Mir winkt dein röthlichbraunes Naß;
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Ich habe Lust, dich auszuleeren,
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Weßwegen bist du sonsten da?
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Dein Fuß soll sich zu oberst kehren ‒ ‒
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Das kühlet unvergleichlich! ha!

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Fort! holla! hurtig! eingeschenket!
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Noch eins, und denn das dritte noch!
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Es lebe, was oft mein gedenket!
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Es lebe, was mich liebet, hoch!
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Wenn ich oft so die Lippen wasche,
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So schmeckt es als der beste Wein
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Aus Jupiters Burgunder-Flasche,
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Ich aber bin beständig mein.

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Mich zwingt kein fremdes Wohlergehen,
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Jtzt meinem eignen Tort zu thun,
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Wer will Gesundheit trinken sehen,
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Der lasse doch die meine ruhn!
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Ich bin geneigt, sie aufzuheben,
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Man gab sie mir, sie ist es werth.
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Man isst und trinket, nur zu leben,
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Mit nichten aber umgekehrt.

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Gottlob! mein Körper ist versorget
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Auf einen ganzen langen Tag!
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Sein Unterhalt war nicht geborget,
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Daß er ihn morgen finden mag!
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Ich bin vergnügt, als wie ein König,
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Und ebenfalls wie er so satt!
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Ein Mensch hat auch gewiß nicht wenig,
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Der frohen Muth und Speisen hat.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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