An den April

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Christoph Eusebius Suppius: An den April (1749)

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April! du Blumen-Wiederbringer!
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Du Stifter unsrer Fröhlichkeit!
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Wie gern wär ich dein Lob-Besinger,
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Gern hätt ich dir ein Lied geweiht;
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Jedoch dein wandelbar Gesichte
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Ist diesesmahl so runzelnvoll,
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Daß dich mein feuriges Gedichte
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Jm Ernst nicht mehr erhitzen soll.

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Wie? haben wir für dein Geschenke
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Dir nicht vielleicht genug gedankt?
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Da doch, so viel ich rückwärts denke,
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Des Volkes Herze nie gewankt;
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Ein Herze, das bey ieden Schlägen
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Der Sinnlichkeit entzückend lehrt;
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Was für ein ungemeiner Segen
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Mit dir beständig wiederkehrt.

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O! Hoffnungsvoller Sohn vom Lenzen,
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Verehrungswürdiger April!
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Laß doch dein freundlich Antlitz glänzen!
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Du siehest ja, wer opfern will,
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Da stehet Altenburg und Gothe
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In bunter Feyerkleider-Tracht!
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Und jede winkt dem Abendrothe,
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Damit es sie noch schöner macht.

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In ihres Herzogs Gnadenblicken
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Da lacht Zufriedenheit für sie,
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Vor diesem wollen sie sich bücken,
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Vor ihm nur beuget sich ihr Knie;
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Wie! sollte denn wohl dein Getöse
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So wahrer Ehrfurcht Einhalt thun?
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Drum sey doch heute nur nicht böse,
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Laß die verstockten Winde ruhn.

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Sprich: Eolus! du Gott der Winde
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Aus der Poeten bester Welt!
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Dieweil ich heut vor gut befinde,
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Da man ein Lustfest angestellt,
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Daß der dir untergebne Osten
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Sich dießmahl ruhig halten mag,
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So schlage du an seine Pfosten,
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Und gieb ihm einen Feyertag.

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Ist er nicht mehr zurück zu bringen,
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Und allbereits zu weit entfernt,
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So pfeif! befiehl! du mußt ihn zwingen,
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Daß er einmahl gehorchen lernt.
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Beherrscher so beglückter Tage!
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April! sey diesesmahl geneigt,
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Daß keine mißvergnügte Klage
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Sich in den frohen Herzen zeigt.

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Der Inselsberg mit allen Hügeln
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Die als geharnischt um ihn stehn,
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Wünscht heute selbst sich zu bespiegeln,
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Und bey der Nacht einmahl zu sehn,
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Erzürne nicht den grossen Riesen,
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Als der vor keiner Wuth erschrickt;
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Ich weiß wohl eh, daß er vor diesen
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Schon deiner Wolken Stoß zerdrückt.

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Der Friedenstein in seiner Krone
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Kann dein durchlauchtig Beyspiel seyn,
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Er sieht von seinem hohen Throne
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Der Morgenröthe ersten Schein,
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Bist du nun Herr des Unbestandes,
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Und hast drey Tage lang getobt,
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So zeige bey der Lust des Landes,
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Daß man dich nach Verdiensten lobt.

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Dein Wankelmuth wird nichts bedauren,
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Wenn du mit heiterem Gesicht
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Erblickt, was man in diesen Mauren
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Heut für ein Lachen angericht,
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Arm, Reich, Hoch, Niedrig, Alt und Junge,
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Herr, Frau, Knecht, Magd, er, wir, ihr, sie,
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Sind allerseits mit vollem Sprunge,
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Theils unterwegens, theils schon hie.

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Ein schön Geschlecht von Jungfern, Frauen,
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Bey vieler tausend Lampen Schein,
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Will halb was angenehmes schauen,
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Halb lieber selbst gesehen seyn,
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Gelehrten sollen dunkle Grillen
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Durch die Erleuchtung schnell vergehn,
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Zu Hause bleibt Verstand und Willen,
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Hier giebet es nur was zu sehn.

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Die ganze Ritterschaft Poeten,
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Und meine Brüder im Apoll,
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Kommt selbsten auch herbeygetreten;
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Von Wind und von Begeistrung voll,
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Wie? würde wohl so theuren Dichtern
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Der Unmuth nur noch mehr erweckt,
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Wenn nicht ihr Witz bey so viel Lichtern
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Sein Endgen Wachsstock angesteckt?

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Mit offnem Maul, verschlossnen Ohren,
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Mit Augen, die verwundernd groß,
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Steht Stax, er hat sich ganz verlohren,
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Er lacht! itzt fühlt er einen Stoß,
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Er weiß nicht, ob Dianens Pfeile
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Jhn wieder zu sich selbst gebracht,
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Er brummt, besieht sich eine Weile,
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Seht, was er weiter thut! er lacht!

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Soll der Erfolg von tausend Dingen
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Mit dieser angestellten Lust
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Verderben? Soll ein Händeringen,
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Ein Feuereifer in der Brust
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Die Wirkung dieser Freude werden?
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April! dieß wäre dir ein Schimpf,
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Drum ändere bald die Geberden,
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Verkehre Wuth und Zorn in Glimpf.

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So habe denn einmahl das Herze,
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Verwandle deinen Eigensinn!
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Sey halb versöhnt! laß uns die Schwärze,
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Behalt den Ostwind immerhin;
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Da sollst du Wunder sehn! erfülle
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So eines Volkes Wunsch nunmehr!
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Wie ist mir? ja! es wird schon stille,
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Nur Pauken und Trompeten her!

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Wie? was? welch eine Sausestimme
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Schwirrt durch die halbbezähmte Luft?
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Hört! ja! mit halbversohntem Grimme
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Wird mir anitzo zugeruft!
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Volk! sollt es morgen erst geschehen,
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O Qvell der Lust! erfreue dich!
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Du siehst Luisen Dorotheen,
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Und deinen Herzog Friederich.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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