Die Zufriedenheit

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Christoph Eusebius Suppius: Die Zufriedenheit (1749)

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Wer mag gern unzufrieden leben?
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Dem will ich meine Sorgen geben,
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Die jetzt von mir ins Elend gehn;
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Ich habe sie nun ausgetrieben,
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Der Scheidebrief ist unterschrieben;
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Mein Angesicht nicht mehr zu sehn.

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Was hilft es; sich vergebens qvälen,
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Und immer böse Tage zählen,
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Auch in dem Finstern ängstlich thun?
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Am besten ists, ein Leben führen,
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Daß man ein Gut mit Lust verliehren
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Und dabey kann gelassen ruhn.

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Dem Himmel will ich mich vertrauen,
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Und bloß auf seine Hülfe bauen,
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So ist es sicher über mir;
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Denn mag die Welt in Stücken fallen,
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Ich lache bey dem letzten Knallen
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Und rufe noch, da bin ich! hier!

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Um weiter bin ich nichts besorget,
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Ich zahle, wenn ich was geborget,
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Und esse, wenn mein Tisch gedeckt;
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Hab ich hiernächst ein rein Gewissen,
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So weiß ich, daß ein magrer Bissen
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Noch besser als Melonen schmeckt.

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Kann ich dabey beqvemlich wohnen
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In diesen auserwählten Zonen,
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Und wenigen verpflichtet seyn;
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So theil ich meiner Tage Länge
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In guter Bücher kleine Menge,
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Ich aber bin und bleibe mein.

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Darf ich nicht viele Nullen malen,
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Und macht kein tausendfaches Pralen
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Mein hellerhaft Vermögen aus,
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So wird kein diebisches Gelüsten
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Sich wider mich mit Werkzeug rüsten,
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Kein wilder Brand frißt Hof und Haus.

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Darf ich mich nicht vor vielen bücken,
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So weiß ich auch, daß mir der Rücken
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Nicht oftmahls ungewöhnlich schmerzt.
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Wird mir ein klein, klein Amt vertrauet,
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O wohl mir! da mir niemahls grauet,
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Daß mich ein Neider angeschwärzt.

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Ein ganzes Kleid, ein treu Gemüthe,
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Und ein Mäcen voll Gnad und Güte,
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Ein Freund nach alter deutscher Art,
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Zwey Wangen, die sich niemahls färben,
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Sind Dinge, welche zu erwerben
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Ich niemahls Fleiß noch Müh gespart.

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Hiernächst ist meine Lust gewesen,
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Ein wohlgeschrieben Buch zu lesen,
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Das Willen und Verstande nützt;
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Es kann auch auf der ganzen Erden
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Nichts reizenders gefunden werden,
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Als wer so bey den Todten sitzt.

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So bin ich nun, so will ich bleiben,
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Und meine Tage so vertreiben,
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Bis zu der Feyerabendzeit;
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Hab ich nichts mehr, und ich soll sterben,
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O gut! ich hinterlaß euch Erben
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Den reichen Schatz: Zufriedenheit.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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