Die Allee, oder Lob der Einsamkeit

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Christoph Eusebius Suppius: Die Allee, oder Lob der Einsamkeit (1749)

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Ey! wie lieb ich doch die Stille
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Dieser grünen Einsamkeit!
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Wo des Frühlings bunte Fülle
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Der Natur geblümtes Kleid
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Dem verirrten Auge zeiget,
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Und, wenn alles um mich schweiget,
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Geist und Lust die Leyer stimmt,
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Hier, wo in dem Fürstengange
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Mein Vergnügen mit Gesange
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Heute seinen Anfang nimmt.

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Anmuth, die ich mir verspreche,
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Nichts auf Erden ist dir gleich!
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Unsrer Kugel Oberfläche
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Wälzet sich ins Schattenreich;
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Phöbus zeiget mir im Bilde
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Sein durchlauchtiges Gefilde,
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Hier an diesem Ort der Ruh,
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Frey von Wolken, Sturm und Wettern,
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Mir nur unter Lindenblättern
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Hört er noch halb schläfrig zu.

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Alles ruht, auch selbst die Lüfte,
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Welche Friedrichs Thal belebt,
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Schleichen taumelnd in die Grüfte,
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Bis die Stille sie begräbt;
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Die beschwerten Tagewerke
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Rüsten sich zu neuer Stärke,
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Wo der Schlaf die Glieder streckt;
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Nur mein Geist, erlöst von Sorgen,
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Fühlet einen Freudenmorgen,
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Der sein Denken aufgeweckt.

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Bäume! euer lispelnd Weben,
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Als des Zephirs Odem blies,
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Zeiget dem zufriednen Leben
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Das verlohrne Paradies;
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Hier soll mich die Tugend rüsten,
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Daß mir nie ein stolz Gelüsten
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Fall und Sturz bewirken mag,
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Da bemerket mein Verlangen,
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Was für Wunder angefangen
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Mit dem dritten Werdungstag.

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In die Luft gesetzte Wände,
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Die nur Schatten unterbaun,
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Nicht gemacht durch Menschenhände,
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Scheint das Auge hier zu schaun;
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Ein halb ungewisses Schildern
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Täuscht mit fast belebten Bildern,
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Nach des Zeuxes klugem Riß;
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Und man glaubet sich von weiten
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In den wundervollen Zeiten
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Ninus und Semiramis.

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Unter eintrachtsvollen Ranken,
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Die der Lenz beblättern läßt,
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Feyren ruhige Gedanken
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Hier ein Lauberhütten-Fest;
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Führten die verstrichnen Tage
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Mich durch Wüsten mancher Plage
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In den Kreuzgang einer Welt;
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O! nun ist er durchgestiegen,
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Canaan! dich seh ich liegen!
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Land, das mir so wohlgefällt!

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Wohlbewahrt vor bangem Schrecken,
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In dem Schoos der Sicherheit,
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Seh ich in durchbrochnen Hecken
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Ein Revier der Lustbarkeit,
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Wo die Nymphen an der Leine
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Jhrer Göttin Silberscheine
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Manchen Tanz, manch Lied gebracht;
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Wo verliebter Sehnsucht Klagen,
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Durch viel ungestümes Fragen
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Echo endlich stumm gemacht.

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Grüngewölbte lange Strassen,
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Die kein Blick kann übergehn,
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Scheinen mir noch sehn zu lassen
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Jene Gänge von Athen,
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Und die Schulen weiser Griechen,
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Kaum bin ich hier durchgestrichen,
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So empfind ich neue Kraft.
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Diese Oerter, hier im Stillen,
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Oeffnen, vor Verstand und Willen,
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Eine neue Wissenschaft.

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Denn da lern ich mich bezwingen,
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Werde meiner recht bewußt,
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Und die Tugend zu besingen
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Heisset mir die größte Lust;
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Meiner Muße Daurungs-Kürze
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Richt ich zu mit Salz und Würze,
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Die Geschicht und Fabel reicht,
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Bis der Füsse Langsamsetzen
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Unvermerkt, doch mit Ergetzen
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Weiter in die Dämmrung schleicht.

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Gleich verfall ich in Gedanken,
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Die kein Pinsel zeichnen kan,
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Bey der Folge ersten Schranken
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Land ich mit Vergnügen an;
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Jtzt entdeck ich, was vor diesen
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Man von jener Zeit gepriesen,
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Die Saturnus eingeführt;
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Und mich dünkt im Dunkelkühlen
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Wirklich an mir selbst zu fühlen,
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Wie glückseelig er regiert.

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Aus dem tiefen Ueberlegen
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Wieder zu mir selbst gebracht,
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Geh ich dem Geräusch entgegen,
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Das mir anfangs Grauen macht,
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Ungestüme Wasserwogen,
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Welche Kunst und Zwang betrogen,
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Brausen mit ergrimmter Wuth,
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Und sind auf sich selbsten böse,
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Daß ein klapperndes Getöse
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Jhrer Freyheit Einhalt thut.

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O! wie werd ich denn entzücket!
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Ey! wie bin ich ausser mir!
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Wenn mein Sehen um mich blicket,
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Himmels-Lust befällt mich hier!
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Eine Gegend sonder Ende,
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Wo des Jahres milde Hände
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Kostbarkeiten ausgelegt,
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Wo dem schweifenden Gesichte
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Frühling, Sommer, Herbst Gerichte
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Seltner Art entgegen trägt.

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Anherr! der du zwar geschaffen
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Aber nicht gebohren bist,
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Sprich, nachdem du ausgeschlaffen,
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Ob dir so gewesen ist?
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Als in Edens Lust-Alleen
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Du dein ander Ich gesehen
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Und den Bau von deinem Bein?
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Doch ich kanns ohnmöglich glauben!
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So wie mich? du wirst erlauben!
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Dieses kann ohnmöglich seyn!

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An des Silberbaches Rande,
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Der bald wieder ruhig fließt,
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Eil ich zum Gelobten Lande,
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Wo mir neue Lust entsprießt.
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Auf den Höhen gegen Osten
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Seh ich manchen Einfall rosten,
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Den die Baukunst erst verwarf;
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Wo, nach einer kurzen Dauer,
139
Man in schon verfallner Mauer
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Einsten nichts bewundern darf.

141
Sich zu weit verlaufne Strahlen
142
Von des Lichtherrn Majestät
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Haben, durch ihr schimmernd Malen,
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Diesen Erdstrich recht erhöht;
145
Grauer Felder falbes Grünen,
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Das im Fernen blau erschienen,
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Westwärts gülden eingefaßt,
148
Scheinet bey der Dämmrungsschwäche,
149
Als bedeckt die Oberfläche
150
Ueberirdischer Damast.

151
Und was wird mir erst gezeiget,
152
Da mein nimmer satter Fuß
153
Auf den kleinen Seeberg steiget,
154
Wo er sich erholen muß!
155
Da spricht sein gehemmtes Laufen:
156
Steine! wie? ihr liegt bey Haufen?
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Doch das Auge kennt sie schon,
158
Weil sie ihm wie Schlacken scheinen
159
Von den ausgesäten Steinen
160
Pyrräh und Deukalion.

161
Wie gefällt doch meinen Blicken
162
Dieser ungemeßne Raum!
163
Wo es auf der Ebne Rücken
164
Glänzt, wie grüner Wellen Schaum,
165
Mich bezaubern jene Wiesen,
166
Wo die Bäume, gleich den Riesen,
167
Mit behaarten Häuptern stehn,
168
Unter deren Mittags-Schatten
169
Schäfer das Vergnügen hatten,
170
Jhre Heerden satt zu sehn.

171
O! wie schimmert jener Spiegel
172
Dort das feuchte Element!
173
Wo manch schüchternes Geflügel
174
Die beschilfte Freystadt kennt,
175
Wo man in den blanken Gründen
176
Einen Luftkreis meynt zu finden;
177
Husten ähnlich heisch Geschrey
178
Reges, klatscherndes Gewimmel
179
Zeiget fast, daß hier ein Himmel
180
Für die nassen Bürger sey.

181
Sieh! wie winken jene Gipfel
182
Meine Lust an sich zu ziehn,
183
Die von aller Bäume Wipfel
184
Bloß in grüne Ferne fliehn,
185
Dort, des grossen Seebergs Spitzen,
186
Die in Donnern, Hageln, Blitzen
187
Zeigen, wie sie standhaft sind,
188
Die ein sparsam Glück verpfleget,
189
Deren Scheitel nicht beweget
190
Schnee und Regen, Sturm und Wind.

191
Tiefer Höhlen krumme Gänge,
192
Winkel ohne Tag und Licht
193
Schicken Leiber in der Menge
194
Täglich für mein Angesicht,
195
Die in diesen dunkeln Grüften
196
Sich manch frühes Denkmahl stiften,
197
Und aus Sand Metall erschreyn;
198
Doch der ist vor ihr Gewerbe
199
Mehr als ungewisses Erbe,
200
Besser als der Weisen Stein.

201
Dort blüht manch verfallen Stücke
202
Abgelebter Herrlichkeit,
203
So verschworner Jahre Tücke
204
Unter ihren Fuß gestreut,
205
Mühlberg, Wachsenburg und Gleichen,
206
Der Verwüstung milde Zeichen
207
Sieht man bey euch eingedrückt,
208
Fürchterliche Nationen,
209
Geister mögen euch bewohnen,
210
Die der Pöbel sonst erblickt.

211
Gnug, ich sehe mit Ergetzen
212
Noch den Frühling eurer Pracht,
213
Andre mögen sich entsetzen,
214
Die der Wahn zu fürchten macht;
215
Schlangen, Fledermäus und Eulen
216
Mögen sich bey euch verweilen,
217
Jhr Genist ergetzt mich kaum;
218
Nur im Zeitbuch kann ich lesen,
219
Was ihr ehedem gewesen.
220
Eines macht dem andern Raum.

221
Ey! wie ruhn doch alle Sachen,
222
Und wie müd ist die Natur!
223
Völker! laßt den Himmel wachen,
224
Träumt von eurem Glücke nur,
225
Das nach eurem Schlafenlegen
226
Mitten in dem Abendsegen
227
Euch auf dessen Ursprung lenkt,
228
Kann euch ja noch was erwecken,
229
O! so ists ein falsches Schrecken,
230
Wenn ihrs zu verliehren denkt.

231
Höchsterwünscht ist Ort und Stätte,
232
Da ich mich nun umgewand,
233
O! welch eines Wahnsinns Kette
234
Fesselt Sinnen und Verstand!
235
Hügel, die mir Stufen zeigen,
236
Wie man kann zum Himmel steigen,
237
Der Planeten Welten sehn,
238
Wie sie eigne Strassen reisen,
239
Und sich in bestimmten Kreisen
240
Schwimmend um die Sonne drehn.

241
Was gebiehrt mir das für Freude!
242
Wenn ich erst den Wunderbau
243
Inselsberg, der Augen Weyde,
244
Dich in blauer Hoheit schau!
245
O der ungemeßnen Höhen!
246
Wo man auf den Wolken gehen,
247
Und die Welt verachten lernt,
248
Die ein ungeneigt Geschicke
249
Von dem Gnadensonnen-Blicke
250
Unsers Friederichs entfernt.

251
Du bist durch dein funkelnd Glänzen
252
Dieser Länder Diamant,
253
Du behauptest an den Gränzen
254
Deinen himmelhohen Stand,
255
Wo an einem ieden Morgen
256
Ausgeruhet, frey von Sorgen
257
Der Bewohner munter wird.
258
Fürst der Berge! dir zu Ehren
259
Soll man mich einst singen hören,
260
Wenn ein gut Gestirn regiert!

261
Schaaren aufgethürmter Spitzen
262
Sind den Augen angenehm,
263
Weil sie unsre Gränzen schützen,
264
Werden sie zugleich beqvem,
265
Berg und Wälder, die sie tragen,
266
Können schon mit Furchten schlagen,
267
Und uns heißt der Muth ein Scherz.
268
Feinde! nun! zerschellt die Rippen,
269
Kommt! seht unwegsame Klippen,
270
Aber denn ein männlich Herz.

271
Ach! daß mir die Dämmrung gönnte;
272
Daß ich so zufrieden bin!
273
O! wenn ich doch sprechen könnte:
274
Hüter! ist die Nacht schier hin?
275
Aber ich muß mich beqvemen
276
Abschied von der Welt zu nehmen,
277
Bis auf künftig Wiedersehn,
278
Füsse! seyd mir noch behende,
279
Eure Wallfahrt ist zu Ende,
280
Auf! lasst uns von hinnen gehn!

281
O! da seh ich mit Vergnügen,
282
In der Dämmrung braunen Licht,
283
Meinen offnen Hafen liegen,
284
Gotha, meine Zuversicht!
285
Wohlvergnügt mit meiner Leyer
286
Halt ich jährlich da die Feyer,
287
Welche mir der Tag bereit,
288
Feld, Allee, und Berg, und Wiesen
289
Müssen schallen von Luisen,
290
Und von Friedrichs Gütigkeit.

291
Göttin! Deren reinen Sinnen
292
Nur, was schön ist, wohlgefällt;
293
Würdige doch mein Beginnen,
294
Ob es gleich schlecht unterhält,
295
Wisse, daß von meinem Dichten
296
Eine mit der größten Pflichten,
297
Deiner Tugend Lobspruch sey;
298
Durch Luisen Dorotheen
299
Wünsch ich einst berühmt zu sehen
300
Mich und meine Schilderey.

301
Gott und Friedrich, nebst der Tugend,
302
Denn Luise nur allein,
303
Sollen nach verstrichner Jugend
304
Meines Hoffens Losung seyn;
305
Auch daran nur zu gedenken,
306
Das muß mir Vergnügen schenken
307
Mitten in der Einsamkeit.
308
Tage des betrübten Lebens!
309
Wißt, ihr martert mich vergebens,
310
Hier ist Trost, Zufriedenheit.

311
O! wie lieb ich nun die Stille
312
Solcher grünen Einsamkeit!
313
Hätte doch des Schicksals Wille
314
Hier für mich den Sitz bereit,
315
Ey! was wollt ich einst erzehlen!
316
Ordnete mir ein Befehlen
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Scheitelpunkt und Himmelsstrich,
318
Da würd ich voll Geist erheben:
319
Himmel! laß Luisen leben!
320
Segne meinen Friederich!

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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