Gedanken nach einem Ungewitter

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Christoph Eusebius Suppius: Gedanken nach einem Ungewitter (1749)

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Tröste dich, betrübtes Herze,
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Nun ist die Gefahr vorbey!
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Wisse, daß des Himmels Schwärze
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Keiner Welt mehr tödtlich sey,
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Weil, was Luft und Himmel trübt,
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Der Natur das Leben giebt.

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Alle Wetter mögen rasen,
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Bis sich Baum und Wurzel hebt,
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Zwey und dreyssig Winde blasen,
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Daß des Himmels Veste bebt!
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Fallen Wasser auf uns her,
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Kömmt doch keine Sündfluth mehr.

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Jetzt erscheint der Regenbogen
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Mit der Farben bunter Pracht;
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Diesen Strich hat GOtt gezogen,
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Als Er einen Bund gemacht,
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Daß kein langer Wolken-Guß
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Alles Fleisch mehr tödten muß.

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Ey! wie blick ich voll Vergnügen
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Dieses Gnaden-Zeichen an!
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Weil des Höchsten Mund nicht trügen,
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Und mich hintergehen kann;
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Er gedenkt an seinen Bund,
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Dieses Zeichen macht es kund.

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Schöpfer! Wie bist Du zu preisen,
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Daß Du so die Menschen liebst!
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Und, um deine Huld zu weisen,
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Diesen schönen Bogen giebst,
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Der die ganze Welt belehrt,
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Daß die Sündfluth aufgehört.

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O! ich falle Dir zu Füssen,
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Wesen voller Majestät!
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Weil Du mich dadurch läßst wissen,
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Daß dein Zorn fürüber geht,
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Und mein Herz versichert ist,
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Daß Du lieber gnädig bist.

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Ach! ich danke deinem Nahmen,
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Gütigste Allgegenwart!
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Daß Du mich aus Adams Saamen
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Für dem Untergang gespart,
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Und, da ich viel Schuld gehäuft,
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Durch die Sündfluth nicht ersäuft.

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Wenn das Wasser meiner Sünden
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Mir bis an die Seele trit,
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Will der Hoffnung Trost verschwinden,
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So ergetze mich damit,
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Und laß deiner Gnaden Schein
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Einen Regenbogen seyn.

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Menschenfreund! der alle Bäche
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Belials mit Blut bespritzt,
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Welcher bey der größten Schwäche
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Grosse Felsen aufgeritzt,
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Deine Seite kommet mir
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Wie des Noah Kasten für.

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Heyland! wenn die frechen Sünder
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Deines Zornes Rechte straft,
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Und die bösen Menschenkinder
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Zu den Schwefelbächen rafft,
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Soll der Tauben Augenschein
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Mir ein Regenbogen seyn.

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Zittern einst des Himmels Säulen,
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Bricht der Erden Wunderbau,
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Ey da werd ich nicht verweilen,
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Bis ich Dich in Wolken schau,
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Wo des Regenbogens Pracht
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Unter deinen Füssen lacht.

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Tröster der betrübten Seelen!
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Wenn mein Herz in Thränen schwimmt,
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Und zu denen Felsenhöhlen
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Seine beste Zuflucht nimmt,
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Sey die Taube, die mir zeigt,
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Daß nunmehr die Fluth verseigt.

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GoTT! groß über alle Götter!
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Dreymahl Ein, dem Dank gebührt!
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Schöpfer! Menschenfreund! Erretter!
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Der den Bogen aufgeführt;
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Wetter schrecken mich nicht mehr,
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Dafür sey Dir Lob und Ehr.

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Welches Schrecken, Furcht und Beben,
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Angst, Verzweiflung, Traurigkeit,
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Würden stets mein Herz umgeben,
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Wenn die Luft mit Regen dräut,
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Alle Stunden stellt ich mir
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Eine neue Sündfluth für.

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Doch nun kann ich stetig trauen,
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Es ist oben sicher gnung,
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Deiner Allmacht Unterbauen
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Zeigt mir die Versicherung,
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Die Du der erhaltnen Welt
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In den Wolken aufgestellt.

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Nach dem Zeichen will ich blicken,
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Wenn ich voller Aengsten bin;
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Will der Himmel Wetter schicken,
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So dreh ich die Augen hin,
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Wo mir, eh ich noch vermeynt,
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Gnade, Trost und Hülf erscheint.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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