Der Winter. Indem der Herr von Pöllnitz eben Hier seine Hochzeit-Feyer hält mit seiner Fräulein von Witzleben , wobey auch ich mich eingestellt, so sucht, nebst andern guten Leuten, die gleich allda zugegen seyn, auch Jhnen etwas anzudeuten der Winter um den Liebenstein. Den 14 Jenner 1744.

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Christoph Eusebius Suppius: Der Winter. Indem der Herr von Pöllnitz eben Hier seine Hochzeit-Feyer hält mit seiner Fräulein von Witzleben , wobey auch ich mich eingestellt, so sucht, nebst andern guten Leuten, die gleich allda zugegen seyn, auch Jhnen etwas anzudeuten der Winter um den Liebenstein. Den 14 Jenner 1744. (1749)

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Hier setzt mich her, verstockten Winde!
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Auf meinen Sitz, den Liebenstein,
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Wo ich solch eine Gegend finde,
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Die nicht erwünschter könnte seyn;
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In diesen abgelegnen Ecken,
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Wo Winkelmaaß und Messungsschnur
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Die Gränzen zog zu wilden Hecken,
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Auf den Gebuhrtstag der Natur.

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Die Norderwelt hab ich durchfahren,
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Und ihr die Fesseln angelegt,
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So, daß sie durch mein Wohlverwahren
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Jetzt weder Hand noch Füsse regt;
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Nun bin ich hier, wo meinem Stabe,
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Von einer langen Zacken Eiß,
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Ich alles untergeben habe,
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Und meiner Herrschaft Ende weiß.

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Erkennt mich an dem weissen Schleyer,
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Bewohner dieser rauhen Welt!
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Und die ihr zu der Hochzeitfeyer
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Von überall euch eingestellt;
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Ich bin der grosse Weltbezwinger,
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Der Zittern, Furcht und Angst erweckt,
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Und dessen kalter Zeigefinger,
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Der Elemente Wuth erschreckt.

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Doch nur getrost, ihr lieben Gäste!
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Es ist so böse nicht gemeynt,
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Ich komme selbst zum Hochzeitfeste,
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Weil holde Liebe da erscheint,
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Und wenn mein runzlichtes Gesichte
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Vielleicht sich aus den Falten giebt,
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So sind es meiner Neigung Früchte,
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Denn ich bin ebenfalls verliebt.

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Der Winter hat auch sein Vergnügen,
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Auch er liebt manche schöne Lust,
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Und malt man mich mit wilden Zügen,
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So hat mans besser nicht gewußt.
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Jhr sollet sehn, erfreute Herzen,
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Jetzt Liebensteins erwählte Zier!
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Wer von uns kann am besten scherzen,
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Und wer mehr springt; ich, oder ihr?

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Doch, Schönen! haltet eure Blicke
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Vor dieses mahl wohl in Beschluß,
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Weil sonst mein Kleid von Silberstücke,
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Aus Eiß, für Hitze schmelzen muß;
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Lacht nicht! es wird euch sonsten theuer,
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Und meine Liebe rächet sich,
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Es brennt auch mich gewisses Feuer,
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Nur aber allzeit innerlich.

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Sonst rühm ich euer Unterfangen,
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Das euch an diesen Ort gebracht,
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Ich kam erbost hieher gegangen,
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Weil ich allein zu seyn gedacht;
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So aber fand ich ein Getümmel,
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Und ein hochzeitliches Geschrey,
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Als ob allhier ein Freudenhimmel
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Der unbeqvemen Jahrszeit sey.

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Es sey darum! mein kalt Gebiete,
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Wo sich sonst kein Vergnügen säumt,
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Wird mit gefälligem Gemüthe,
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So schönen Kindern eingeräumt,
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Wär ich dem Frost nicht überlassen,
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Noch heute wählt ich manchen Arm
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Und sein jungfräuliches Umfassen,
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Und würde mit Vergnügen warm.

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Wiewohl, ich dürfte mich verwöhnen,
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Dafern auch solches möglich wär,
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Manch Klaglied würde bald ertönen,
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Es würde mich der kalte Bär
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Aus seinem Himmelsstrich verweisen,
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In welchem meine Heimath liegt,
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Wo mich nach dreyzehn Wochen-Reisen
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Der Boreas im Schlummer wiegt.

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Es bleibe nur von diesem Tage
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Mein so geliebter Aufenthalt,
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Trotz seiner ungeneigten Lage,
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Auf stets in herrlicher Gestalt;
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Und muß ich mich einst schlafen legen,
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Indem der Lenz die Fluhr betritt,
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So geb ich ihm noch manche Segen,
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Bis auf das Wiedersehen, mit.

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Besonders Euch, vergnügte Beyde!
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Die ich soll im Verbindniß sehn,
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Verheiß ich bey entferntem Leide
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Ein immerwährend Wohlergehn!
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So viele Flocken aus den Haaren
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Von Schnee die Berge weiß gemacht,
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In solcher Zahl sey euren Jahren
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Manch Glück in Zukunft zugedacht.

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Hat einsten Sommer, mein Herr Bruder,
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Von Euch ein Bildniß abcopirt,
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Indem er die beschwerten Fuder
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Der Ceres in die Scheuren führt;
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So will ich schon den Herbst befragen,
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Der mir es wieder sagen kann,
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Ob euren angenehmen Tagen
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Ein Sturmwind Eintrag hat gethan.

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Bringt nun der Welt von meinem Stande
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In Zukunft beßre Meynung bey,
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Sagt, daß, besonders diesem Lande,
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Ich bloß zur Lust gekommen sey;
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Gebt acht, es gehet nun zu Sprunge,
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Weil sich mein Geist ermuntert fühlt,
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Zusammen her! nach deutschem Schwunge,
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Der Winter tanzt! fort! aufgespielt!

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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