Die Kutsch-Pferde. Die über den ohnweit Hannover im Brach- mond 1748 geschehenen unglücklichen Fall Sr. Freyherrl. Excellenz Des Herrn Geheimden Raths und Großvogts, B aron von M ünchhausen, als ihres mildesten Herrn und besten Versorgers, äusserst darnieder geschlagenen Pferde. Aus der Sprache der Houyhnhmns übersetzet von Gulliver dem Jüngern

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Christoph Eusebius Suppius: Die Kutsch-Pferde. Die über den ohnweit Hannover im Brach- mond 1748 geschehenen unglücklichen Fall Sr. Freyherrl. Excellenz Des Herrn Geheimden Raths und Großvogts, B aron von M ünchhausen, als ihres mildesten Herrn und besten Versorgers, äusserst darnieder geschlagenen Pferde. Aus der Sprache der Houyhnhmns übersetzet von Gulliver dem Jüngern (1749)

1
Wenn Reue kann Vergebung finden,
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Dafern auf nimmer Wiederthun,
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Nach Ablaß der begangnen Sünden,
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Ein edelmüthig Herz kann ruhn;
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So kommen wir, die frechen Hengste,
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Und wiehern nach Barmherzigkeit,
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Uns qvälen Millionen Aengste,
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Was wir begangen, ist uns leid!

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Wir, höchst bedrängte Gegenstände
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Von Donner, Blitz und manchem Fluch,
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Sind, durch der Speiser milde Hände,
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Mit Streichen itzt beschenkt genug;
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Sie sagen uns in ihrer Sprache,
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Die Pferde dennoch auch verstehn,
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Wir hätten aus geheimer Rache
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Mit Dir gesuchet durch zu gehn.

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Doch, Herr! dieß ist zu mild gesprochen,
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Und heisset uns was angeklebt,
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Wir haben nie so was verbrochen,
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So wahr das Pferd am Himmel lebt!
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Das ist am theuresten geschworen;
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Wo hätten wir doch hin gewollt?
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Wer hat die Krippen gern verlohren,
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Wo täglich fetter Hafer rollt?

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Du bist bey alle dem so gütig,
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Und immer ein so lieber Wirth,
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Daß noch kein Thier sich übermüthig
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In deinen Diensten aufgeführt;
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Wie sollten wir uns so vergessen,
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Wenn wir Dich übel heim gebracht!
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O dieses wäre zu vermessen,
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Und ziemlich schlecht von uns gedacht.

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Nein! Pferde wissen auch zu leben!
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So unvernünftig sind wir nicht!
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Ein folgsam rühmliches Bestreben
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Das ist bey uns die höchste Pflicht;
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Es hat sich zwar in Eselsköpfen
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Der Uebermuth oft stolz gezeigt,
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Auch sagt man, unter den Geschöpfen
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Sind Pferde sehr dazu geneigt.

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Doch solches sind nur Lästerungen,
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Von manchem schlechten Karrengaul,
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Was sich nie aus dem Staub geschwungen,
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Hat über uns das größste Maul;
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Bucephalus zeigt auch in Mienen,
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Daß er den Alexander trägt;
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Wer hat, wenn wir zu muthig schienen,
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Uns sonst, als Du, dazu bewegt?

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O Gnädiger! Du wirst vergönnen,
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Der Wahrheit ewig treu zu seyn;
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Nie werden wir es läugnen können,
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Wir bilden uns auf Dich was ein,
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Nur ausgenommen, was in Ställen
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Des Gottes dieser Lande zehrt:
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Jedoch in allen andern Fällen
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Sind wir zwiefacher Ehren werth.

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Kein andrer Läufer oder Springer
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Versuch und nehm es mit uns auf!
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Was wollten doch die armen Jünger,
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Versuchten sie doch einen Lauf.
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Man kann sich sicher drauf verlassen,
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Was es mit Dir zu sagen hat;
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Wo man uns sieht, auf allen Strassen,
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Da spricht man sich von Dir nicht satt.

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Jüngst ziehn wir Dich nach jener Gegend,
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Die nur zu Zeiten so belebt,
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Wenn sie der Landesvater segent,
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Der sich, ach! weit dahin erhebt,
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Du bist uns sonsten zwar tagtäglich
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Die allerangenehmste Last,
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Doch dießmahl war es uns ohnmöglich,
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Für Wohllust kollerten wir fast.

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O was für Leute! welche Menge
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Zog nicht des Landes Herrgott her!
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Vor allem murmelnden Gedränge
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War uns sogar der Durchzug schwer,
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Jetzt schreckt sie unser Schnauben wenig,
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Denn sie erfüllt nur eine Lust,
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Kaum siehet sie den grossen König,
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So ist ihr Preis Georg August.

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Zwar wiehern wir: Weicht aus, ihr Leute!
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Jhr Herrn, zurück! doch ist kein Platz;
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Wir schielen trotzig von der Seite,
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Versuchen manchen kühnen Satz;
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Damit muß es denn noch gelingen,
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Daß man uns eine Bahne macht,
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Bis an den Vorhof durchzudringen,
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Wohin wir Dich schon oft gebracht.

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Auf beyden Seiten stehn wie Wände
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Die Menschen ganz bis an das Thor,
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Theils heben segnend ihre Hände,
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Theils strecken sie den Hals empor,
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Das Volk, und Leute von Verstande,
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Die sagten, als sie Dich gesehn:
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Es ist der Joseph hier im Lande!
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Ein Herr ‒ ‒! es muß ihm wohl ergehn!

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Er hilft Bedrängten, schützt die Waysen,
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Der Wittwen Sachen sind im Werth,
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Das Landvolk ruft: Er ist zu preisen,
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Wenn hätt er wohl das Land beschwert?
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Wir hörten mehr, von allen Leuten,
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Es war kein schmeichlerischer Ton,
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Von dem Saturn, von güldnen Zeiten,
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Zwar, was versteht ein Pferd davon?

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Wie rühmten hochgelahrte Männer
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Dich, nach verehrter Gegenwart,
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Ganz heimlich als den feinsten Kenner
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Von Creaturen ihrer Art!
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Du liessest Wissenschaften rufen,
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Es sähe sich der Fleiß belohnt;
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Wie beydes denn auf Ehrenstufen
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Jm weissen Roß von Deutschland wohnt.

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Wie will ein Pferd doch alles merken,
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Wir haben nie den Kopf beschwert;
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Du bist so groß in Thun und Werken,
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Daß man sein rechtes Wunder hört;
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Soll das nicht unser Herz ergetzen?
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Macht es nicht wählig und geschwind
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Die wir uns so schon glücklich schätzen,
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Daß wir an deiner Krippe sind.

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Hierüber wühlten wir in Steinen
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Und waren an Gedanken reich,
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Nun mochtest du zurück erscheinen,
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Gnug, wir bekamen einen Streich;
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Das Schrecken kommt oft ungelegen,
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Ein Pferd hat seinen Eigensinn;
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Du warest wirklich bald zugegen,
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Da gieng es nach Hannover hin.

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Nun dachten wir durch schnelle Dienste
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Nur deiner Gnade werth zu seyn,
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Gebrauchten folglich alle Künste,
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Ja rannten endlich qver feldein;
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Wir dachten so, wie Pferde denken,
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Das ist ein Herr! der hat zu thun!
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Und liessen uns nicht weiter lenken
136
Von selbst wohl wissend, wo zu ruhn.

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O lieber Herr! wenn unsre Klauen
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Uns dießmahl doch den Dienst versagt,
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Bevor dein minderes Vertrauen
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Zu uns den Unglücks-Sprung gewagt!
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Was hilft die Warnungs-Stimme Pferden;
142
Daß Eilen öfters schädlich ist,
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Es kann nicht mehr geändert werden,
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So lange du nicht besser bist.

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Nun sind wir wider unsern Willen
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An deinem grossen Unfall schuld.
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Der Unmuth lässet sich nicht stillen,
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Er treibt uns bis zur Ungeduld!
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Der beste Herr, den wir verehren,
150
Ist unter der Centauren Hand,
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Was müssen wir vor Flüche hören!
152
Ach! uns verwünschen Stadt und Land.

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Doch Herr! vergieb es deinen Hengsten!
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Du ahndest sonst so leichte nicht.
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Wir sind bestraft! wir stehn in Aengsten,
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Und wer erblickt dein Angesicht?
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Geschwindigkeit wird unter Rossen
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Ja sonst der Tugend beygezählt,
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Woran es oftmals denen Grossen
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Von unsrer Nation gefehlt.

161
Du wirst ja jenes Eyland kennen,
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Ein Gott herrscht hier und dort zugleich,
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Da macht noch itzt manch Pferd durch Rennen
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Oft seinen Herrn wer weiß wie reich;
165
Die Pferde-Tagebücher melden
166
Von einer grossen Tiber-Stadt,
167
Daß man von schnellen Pferde-Helden
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Daselbst auch Ueberwinder hat.

169
Es steht in unsern Zeit-Geschichten
170
Von einer alten alten Zeit,
171
Das Pferde-Rennen gab zu dichten
172
Vier Jahr einmahl Gelegenheit,
173
Die Griechen nennten solches Spiele,
174
Und sassen stets sehr ernsthaft da,
175
Doch starb so mancher Gaul am Ziele
176
Als Helden vor die Helena.

177
Die Pferde waren Ueberwinder
178
Und doch bekam ein Mann den Preiß,
179
Für sie war Hafer viel gesünder
180
Als oft für ihn das grüne Reiß,
181
Denn wenn die Renner doppelt frassen,
182
Ward ihnen neuer Muth gebracht;
183
Doch kann der Mensch sich öfters fassen,
184
Dem nur ein Zufall Ehre macht?

185
Zur Zeit, als selbsten noch die Götter
186
Die Staats-Karossen angespannt,
187
Ist auch Neptun als wie ein Wetter
188
Einmahl vor Jlium gerannt;
189
Homer, der uns an vielen Stellen
190
So schön geschildert, zeigt es ja;
191
Er fähret ab, rollt über Wellen,
192
Weit ist der Weg, nun ist er da.

193
Was alle Zeiten von uns rühmen,
194
Was Pferden Preis und Ehre bringt,
195
Das soll allein uns nicht geziemen,
196
Die allemahl dein Ruhm verjüngt?
197
Bey welchem wir die Ohren spitzen,
198
Die Köpfe recht vernünftig drehn,
199
Auch sonst Gelassenheit besitzen,
200
Daß wir auf einen Tonlaut stehn!

201
Die Neueren und auch die Alten
202
Erkannten diesen unsern Werth;
203
Was jener Ritter hochgehalten,
204
War Rossinant, hernach das Schwerd,
205
Kann eine Tugend auch verjähren,
206
Und achtet man sie nicht mehr hoch:
207
So seyd ihr glücklich, faule Mähren,
208
Bey Peitsche, Hexel, Karn und Joch!

209
Herr! Deinen Zorn von uns zu lenken,
210
Hat dieß die Nothwehr beygebracht,
211
Zu zeigen, daß wir nicht so denken,
212
Als man uns zum Verbrechen macht;
213
Und daß wir es vielleicht verdienen,
214
Wenn man uns dir recht häßlich malt;
215
Verleumdung ist dir nie erschienen,
216
Du hast sie allzeit schlecht bezahlt.

217
Wenn wir indessen was beklagen,
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So ist es, Herr! Dein Ungemach!
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Wir stehn, wie vor den Kopf geschlagen,
220
Dein Stall ertönt von lauter Ach!
221
Uns lasse dich bald wieder blicken
222
Ein grosser Geist der Heilungskunst,
223
So ziehen wir mit ganzem Rücken
224
Hinfort an deiner Gnad und Gunst.

225
Nur dieses noch heischt Flehn und Bitten,
226
Vergiß hinfort der Missethat!
227
Den aus der Art geschlagnen Tritten,
228
Die schon dein Zug verbessert hat;
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Dir unsre Noth selbst vorzutragen,
230
Fällt unsrer Mundart viel zu schwer,
231
Doch, was wir hier mit Ehrfurcht sagen,
232
Verdeutschet uns ein Gulliver.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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