Der Schutzgeist. Da unter F riedrichs Regiment nach abgewichnen 100 Jahren die Stände wiederum zuerst beysammen waren, das Gotha seinen Landtag nennt; So wünscht der Schutzgeist dieser Lande viel Glück und Heyl zu allem Stande! Den 20 März 1743. Horat. Carm. Sæcul. Iam fides, et pax, et honor, pudorque Priscus, et neglecta redire virtus Audet, apparetque beata pleno Copia cornu

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Christoph Eusebius Suppius: Der Schutzgeist. Da unter F riedrichs Regiment nach abgewichnen 100 Jahren die Stände wiederum zuerst beysammen waren, das Gotha seinen Landtag nennt; So wünscht der Schutzgeist dieser Lande viel Glück und Heyl zu allem Stande! Den 20 März 1743. Horat. Carm. Sæcul. Iam fides, et pax, et honor, pudorque Priscus, et neglecta redire virtus Audet, apparetque beata pleno Copia cornu (1749)

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Dein Inbegrif, vertrautes Land,
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Ist wichtiger, als Reich und Thronen,
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Der frohen Geisterwelt glückseelge Regionen,
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Und meinen auserwählten Stand
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Verließ ich gleich vor hundert Jahren,
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Um deine Gränzen zu bewahren.

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Jm Himmel sind es jetzo nur
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Noch etwa wenig Augenblicke,
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Da aus der Wächter Rath ein zornig Strafgeschicke
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In oft gewarnte Länder fuhr,
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Wodurch zu einem langen Morden
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Dem Kriege Macht gegeben worden.

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Auch dich betraf manch hart Gericht,
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Du fühltest sein verzehrend Feuer,
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Verwüstung, Hunger, Mord, nebst anderm Ungeheuer
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Verschonten deiner Fluhren nicht;
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Das Elend malt in vollem Lichte
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Dem Volk ein jämmerlich Gesichte.

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Wie sah es doch erbärmlich aus!
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Das Feld voll halb verfaulter Leichen,
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Es zitterte die Furcht bey nahen Todes-Zeichen,
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Der Kummer füllte Hof und Haus,
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Da wurde mancher Ort verlassen,
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Wo noch die Väter ruhig sassen.

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So traf ich deinen Zustand an,
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Als ich zu meiner Hut getreten,
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Der Friede wurde bald erseufzet und erbeten,
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Den keine Welt sonst geben kann,
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Von dessen wiederum Erlangen
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Bey uns die Sage schon gegangen.

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Da mußte mir dein Wohlergehn
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Die Ursach neuer Freude werden,
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Dein Ernst bewirkte dir ein langes Heyl auf Erden,
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Wie in dem Himmel heut geschehn,
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Da er wie Davids Sohn entzündet,
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In dir sein Arrarat gegründet.

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Der Stahl, den Menschen-Blut genährt,
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Ward krumm in reger Schnitter Händen,
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Und nährt auch wol den Rost an abgelegnen Wänden,
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Um den geschmückten Feuer-Heerd
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Ließ, nach begonnten Tagewerken,
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Sich die Bevölkrung wieder merken.

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Der Ueberfluß erschiene bald,
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Die Fruchtbarkeit stieg aus der Erden,
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Die Auen wurden gar zu unzählbaren Heerden;
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Die halb entkleidete Gestalt
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Der Wälder ließ bey jungen Bäumen
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Von holden Frühlings-Tagen träumen.

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Der Fürst indeß voll Gütigkeit,
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Und dem an seinem Volk gelegen,
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Erbat vom Himmel stets den Früh- und Abendregen,
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Wodurch ein ganzes Land gedeyt,
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Woher sein fürstliches Verwalten
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Die weise Machtkunst auch erhalten.

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Glückseeliges, gelobtes Land!
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Dein unvergleichliches Gefilde
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Spührt von der Zeit an noch die unerschöpfte Milde
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Von jener dir gewognen Hand,
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Du hast es in so vielen Jahren
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Durch deine Friederich erfahren.

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Wenn auf der Kugel halben Theil,
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Den deine Nachbarschaft bewohnet,
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Manch oft gezüktes Schwerd der Länder nicht geschonet
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So sah ich dein betagtes Heyl,
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Durch deiner Fürsten weises Fügen,
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In einer stolzen Ruhe liegen.

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Schon zweyer Nahmen stehen dort
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Jm Jahrbuch jener Welt verfasset,
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Und als die Sterblichkeit sich ihrer angemasset,
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So ist nur, was vergänglich, fort,
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In ein nicht fernes Reich geschritten,
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Denn Beyde leben noch im Dritten.

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Er ist es, den manch Jubel-Jahr
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Entlegnen Welten nicht verschweiget,
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Von dem der Ruf bereits durch alle Sphären steiget,
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Der dieser Bothschaft Innhalt war,
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Nach welchem Mächtige der Erden
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Sich dermaleinsten bilden werden.

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Durch Jhn und unter seiner Macht,
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Jhr Völker dieser milden Zone,
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Ist in dem Himmel euch zu einem Gnaden-Lohne
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Ein ewger Friede zugedacht,
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Dabey ist Seinem langen Leben
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Ein grosses Maaß noch zugegeben.

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Ich, als ein Wesen hoher Art,
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Begabet mit Verstand und Willen,
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Bin itzt hieher gesandt, die Bothschaft zu erfüllen
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In unsichtbarer Gegenwart,
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Wozu das unerschaffne Wesen
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Mich diesesmahl hat ausgelesen.

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Nimm dieß in deiner Mundart hin,
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Denn die mir aufgetragne Sachen
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Sind unaussprechlich hoch in unsern Geistersprachen,
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Und brauchen da den schärfsten Sinn,
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Es hat sie dir mein reines Lieben
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Hier zu gefallen aufgeschrieben.

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Indem an dieses Tages Schein,
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Die in dem Himmel ohne Nächte,
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So manches Geister-Heer, manch ewiges Geschlechte
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Mit Lobgesängen ämsig seyn,
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So kam zu englischem Vergnügen
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Die Andacht durch die Luft gestiegen.

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Es bracht ihr vogelschneller Flug
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Ein rüstig Heer von Flehn und Danken
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Durch diese See voll Luft mit bodenlosen Schranken,
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Die Innbrunst schloß zuletzt den Zug,
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Sie kommen mit gebrochnen Worten
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Bis zu des Paradieses Pforten.

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Die Demant-Angeln drehten sich
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Auf dieser Menge scharfes Dringen,
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Denn fieng die Andacht an mit starkem Händeringen:
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Du Ehren-König! höre mich,
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Und was hier diese Schaaren bitten
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Für Herzog Friederich den Dritten!

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Der, so auf seines Vaters Thron
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Voll Majestät zur Rechten sitzet,
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Als wahrer Menschen-Freund voll Bruder-Liebe
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Verstund des Flehens Innhalt schon,
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Sein hohenpriesterliches Handeln
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Wußt es in Räuchwerk zu verwandeln.

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Mit güldnem Rauchfaß in der Hand
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Begab er vor dem Himmels-Volke
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Sich zu der Herrlichkeit, die in der heilgen Wolke
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Einst Amrams Sohne wohl bekannt,
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Durch ihrer Stimme gnädig Schallen
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Ließ sie das Opfer sich gefallen.

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Indem erschien der fromme Held,
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Der dort den höchsten Orden träget,
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Und welcher hier zuerst den Fürstenstab beweget,
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Das Wunder abgelegner Welt,
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Man sah ihn, sich mit Ehrbezeigen,
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Nach abgelegter Krone, neigen:

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Herr! segne, was mein Erbtheil ist!
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Sprich Amen zu dem Jubel-Liede!
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Allgegenwärtiger! gieb meinem Volke Friede,
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Das deinen Gnaden-Zepter küsst;
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Laß dorten auf mein brünstig Flehen
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Den Würger stets fürüber gehen!

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Er sprach: Ein Ambrosinen-Duft,
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Den die Erhörung lässet rauchen,
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Dergleichen keine Welt pflegt von sich auszuhau-
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Erfüllete die Himmels-Luft,
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Wobey die auserwählten Schaaren
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Mit Anbetung geschäftig waren.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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