Die Leine. Weil doch die Berge reden können, so werden Sie ein Wort vergönnen; Sie leben! Schöne Herzogin! Durchlauchtste D orothee L uise , Die sonst mein rauschend Murmeln priese, Doch da ich heute frölich bin, so zeigt dieß Blatt, wie treu ichs meyne am Tage der Gebuhrt, man nennet mich die Leine. Den 10ten August 1740.

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Christoph Eusebius Suppius: Die Leine. Weil doch die Berge reden können, so werden Sie ein Wort vergönnen; Sie leben! Schöne Herzogin! Durchlauchtste D orothee L uise , Die sonst mein rauschend Murmeln priese, Doch da ich heute frölich bin, so zeigt dieß Blatt, wie treu ichs meyne am Tage der Gebuhrt, man nennet mich die Leine. Den 10ten August 1740. (1749)

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Erwählte Göttin meines Strandes!
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Beglückte Mutter dieses Landes!
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Luise! Fürstin! Große Frau!
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Durchlauchtigste! voll Gnaden-Triebe!
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Die ich erfüllt mit Mutter-Liebe
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Für alle Unterthanen, schau!
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O wollten schöne Worte fliessen!
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Die Leine sollte sich gedoppelt stark ergiessen.

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Wie werd ich doch im Geist entzücket,
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Daß mich ein hoher Wink beglücket,
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Den Tag der Wonne zu begehn!
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Den Tag, woran nach Frost und Kummer,
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Nach Warten, Sehnen, langem Schlummer
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Mein Angesicht soll freundlich sehn,
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Um durch ein aufgewecktes Lachen
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Weil meine Fürstin lebt, mein Glücke kund zu machen.

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Tag! deiner Morgenröthe Schimmer
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Treibt aus des Felsens hohlem Zimmer
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Die Nacht gewohnter Dunkelheit,
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Und dein Entstehn zeigt mir im Bilde
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Durch jener Thäler Lustgefilde
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Den Fels in seiner Herrlichkeit,
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Worauf der Fürst zu wohnen pfleget,
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Der nur zu unserm Heyl den Fürstenstab beweget.

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Von jenen blau gefärbten Gränzen,
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Die Mittagswärts das Land umkränzen,
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Wo mancher Hügel aufgethürmt;
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Da komm ich her, die Hand zu küssen,
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Die mich bey meinen Wassergüssen
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So lange väterlich beschirmt;
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Mein dankbar Herze wird mir klopfen,
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So lange sich bey mir die Qvellen nicht verstopfen.

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Bey alle diesem ist es Schade,
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Daß ich für solche grosse Gnade
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Nur schlechtes Wasser liefern kann,
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Ein tröpfelnd Moos, Schilf, Wasser-Linsen,
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Geringe Schmerlen, Meer-Gras, Binsen,
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Wer hat wohl seine Lust daran?
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Doch Theure Herzogin! Sie sehen;
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Daß diese Dinge längst zu Dero Diensten stehen.

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Da wohn ich einsam bey der Qvelle,
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Aus welcher meine Fluth ganz helle
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Fließt, eilet, schäumt, denn langsam rollt;
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Da bin ich, mit mir selbst zufrieden,
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Von allen Neidern unterschieden,
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Dem ruhigen Vergnügen hold,
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Und gäbe nicht vor Millionen,
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Daß mich mein Herzog läßt in diesem Winkel wohnen.

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Hier deckt mich Lust und stilles Schweigen,
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Wenn meine Wasser aufwärts steigen,
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Macht mich ihr kühnes Sprudeln naß,
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So werd ich doch darum nicht böse,
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Denn dieß unruhige Getöse
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Bereichert stets mein Urnen-Faß,
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Woraus nach aufgefangnem Triefen
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Ein Bach stürzt, fällt und rollt in segensvolle Tiefen.

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O Qvell entzückender Gedanken!
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Verwildert Buschwerk! rauhe Schranken!
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Wie wunderschön ist deine Pracht!
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Jedoch behalt ich unvergessen;
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Die Lust sey Jhnen zuzumessen,
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Die mir mein holder Winkel macht;
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Holdseeligste! mein Wohlergehen
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Kann sein zukünftig Glück in Dero Gnade sehen.

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Durchlauchtigste! darf ich erwehnen
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Welch unaussprechlich grosses Sehnen
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Mich Wasser-Nymphe näher bringt?
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So wie nach bitterlichem Weinen
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Ein zarter Säugling beym Erscheinen
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Der Mutter voller Unschuld springt,
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So ist mir eben wiederfahren,
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Als diesen Morgen Sie von mir zu sehen waren.

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Als mich ohnlängst das Waldhorn weckte,
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Verwirrtes Jagd-Geschrey erschreckte,
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Verkroch ich mich für Furcht ins Rohr,
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Jedoch steckt ich, wiewohl verstohlen,
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Bey manchem kurzen Odemholen
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Aus Neubegier den Hals hervor,
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Und als ich meine Fürstin sahe,
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Wie froh! ‒ ‒ Doch wußt ich selbst nicht, wie mir

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Seitdem nun ist es nicht geschehen,
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Ein Angesicht noch eins zu sehen,
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Das lauter Mutter-Herz verspricht;
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Mich dünkt, ich sah es dazumahlen
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So huldreich und so lieblich strahlen,
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Wie eines Engels Angesicht,
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Ach! möcht es eine Fügung schicken,
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In meiner Grott einmahl die Fürstin zu erblicken!

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Da sähen Sie in hohlen Steinen
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Ein schwaches Licht durch Ritzen scheinen,
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Und diese graue Finsterniß
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Zeigt Muschelschalen, kleine Schnecken
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An hundert ungeschliffnen Ecken,
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Den Boden pflastert glatter Kies,
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Gewässert Schilf dient mir zum Küssen
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Worauf sich ohne Zwang die Augen selber schliessen.

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Hier lag ich, als die Dämmrung eben
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Der Nacht den Abschied wollte geben,
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Mit unterstütztem Kopf und Arm,
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Da kam, gleich munterem Geflügel,
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Von Wald-Bewohnern dieser Hügel
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Ein Mohren ähnlich froher Schwarm,
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Aus vollem Halse schreyend: Heute ‒
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Was? sprach ich; Feyertag! wer sagt es? alle Leute!

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Geschwinde fuhr ich aus den Klüften,
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Und da vernahm ich in den Lüften
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Der Pauken und Trompeten Schall;
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Drauf rudert ich mit Händ und Füssen
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Durch meiner Bäche krummes Fliessen,
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That aber Anfangs manchen Fall,
111
Bis ich aus einem Lobgesange
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Von Kindern hörete; die Fürstin lebe lange!

113
Das Ende solcher Freuden-Lieder
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War denen Ohren fünfmahl wieder
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Von Berg und Thal zurück geschickt.
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Doch fuhr ich fort in manchen Krümmen
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Durch Feld und Wiesen hinzuschwimmen,
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Als ich den Inselsberg erblickt,
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Gab ihm mein Haupt ein höflich Zeichen
120
Gleich fing er lächelnd an den blauen Bart zu streichen.

121
Das war mir lieb; er hat vor diesen
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Sich mir oft ungeneigt erwiesen,
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Wenn er die Stirne finster macht,
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Auch mir als seinem Enkel-Kinde
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Durch zugeschickte trockne Winde
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Mein Erbe zu entziehn gedacht,
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Doch neigt ich mich, sah freundlich, lachte,
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Bis daß mein Ufer mich in diese Gegend brachte.

129
Da hat ein günstiges Geschicke
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Mir Dero mütterlichen Blicke
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In ihrer Lieblichkeit gezeigt,
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Doch durfte kein verwegnes Wagen
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In Wasser-Götter Mundart sagen:
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Da meiner Fürstin Glücke steigt,
135
So muß bey allen treuen Sachsen,
136
Absonderlich bey mir zugleich die Freude wachsen!

137
Geh, feuchtes Blatt! du sollst nur zeugen,
138
Mit was für einem tiefen Beugen
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Mein Haupt den Friedenstein verehrt,
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Den Fels, der Lieb und Furcht erreget,
141
Weil er des Landes Eltern träget,
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Die solches schönen Nahmens werth,
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O lebet lange! Theure Beyde,
144
Daß meine Grotte nichts von Ueberschwem̃ung leide!

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Jüngst wollt ich schon ein Opfer bringen,
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Von Friedrichs Wohlthun wollt ich singen,
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Er schenkt uns die Zufriedenheit;
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Von Jhm ist unser Heyl zu hoffen,
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Ach! rief ich; Augen, bleibet offen,
150
Die ihr des Landes Sonnen seyd;
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Allein, der Vorsatz gieng verlohren,
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Die Kälte war so groß, daß mir der Mund gefroren.

153
Wird aber einstens jener Morgen
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Die grüne Welt mit Thau versorgen,
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Der dieser Länder Hoffnung stärkt,
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Gut, so ‒ ‒ wiewohl, er mag erscheinen,
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Ich habe schon mit bunten Steinen
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Solch Kommen heimlich angemerkt;
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Ohnmöglich kann ich mich bezwingen,
160
Die ganze Gegend soll von seiner Gnad erklingen.

161
Du, aller Qvellen Ursprung droben!
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Wie bist du doch dafür zu loben,
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Daß du mich in dieß Land gebracht,
164
Wo meine Wasser langsam rollen,
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Und gar zu ungern weiter wollen,
166
Sie drehn, sie krümmen sich mit Macht,
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Weil Lieb und gnädiges Erbarmen
168
Die Herzen hebt und trägt mit mütterlichen Armen.

169
Wohl euch, ihr frohen Unterthanen!
170
Laßt euch den Weg zu Wünschen bahnen,
171
Denn ihr genießt die güldne Zeit;
172
Jhr könnet unter Feigen-Bäumen
173
Bey eurem Weinstock ruhig träumen,
174
Was gleichet dieser Seeligkeit?
175
Jhr wohnet in dem Paradiese,
176
Weil Herzog Friedrich lebt, und Dorothee Luise.

177
Und ja! so viel ich wahrgenommen,
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Als ich auf meiner Fluth geschwommen,
179
Die Lieb’ ist wirklich allgemein;
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Das Alter wünscht der muntern Jugend,
181
Gott, ihrem Herzog, denn der Tugend,
182
In unsrer Fürstin hold zu seyn;
183
Seht, sagt es, ist Jhr Angesichte
184
Nicht schöner, als der Mond in seinem vollen Lichte?

185
O meine Bäche, lauft geschwinde,
186
Begleitet von geneigtem Winde!
187
Eilt! sagt doch jener Gegend an,
188
Wohin, Georgen zu erblicken,
189
Die Erden-Götter Bothschaft schicken,
190
Was sich mein Ursprung rühmen kan;
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Erzehlt, daß euch vor andern Flüssen
192
Ein recht gelobtes Land zum Erbe werden müssen.

193
Malt ihnen die glückseelgen Auen,
194
Wie ihr sie pfleget zu beschauen,
195
Mit euren blassen Farben vor;
196
Erfüllet mit der fetten Wayde,
197
Mit Triften, reifendem Getrayde,
198
Zugleich ihr aufmerksames Ohr,
199
Stellt Friedenstein in blaue Ferne,
200
Damit ihr Auge nur die Gegend kennen lerne.

201
Hernach gedenkt von unsern Tagen;
202
Und wenn sie euch ausführlich fragen,
203
So gebet kurz Bescheid darauf:
204
Man lebet ruhig bey den Seinen
205
Man seufzet nicht, man hört kein Weinen,
206
Das Alter schließt mit Lust den Lauf;
207
Hält aber bey dem Schlafenlegen,
208
Was es dem Herzog wünscht, für seiner Kinder Segen.

209
Ach Theureste! hier muß ich schweigen,
210
Es läßt sich nur im Bilde zeigen,
211
Was Dero Gnade wirken kann;
212
Ich sehe gleich der Wünsche Schaaren
213
Auf Fittigen des Windes fahren,
214
Denn heute lebt kein Unterthan,
215
Den man für Dero Wohlergehen
216
Nicht auch den Säuglingen die Hände falten sehen.

217
Drum komm auch ich, gerührte Leine!
218
O Landes-Fürstin! ich erscheine
219
Mit dem, was ich bisher verhehlt;
220
Sie leben an des Herzogs Seiten,
221
Bis es nach langen langen Zeiten
222
Dem Urnen-Faß an Wasser fehlt;
223
Und seynd beglückt in solchen Massen,
224
Als Wasser-Tropfen jetzt die beyden Ufer fassen.

225
Und lieber Herzog! Dero Tage
226
Verzögern lange jene Klage,
227
Die einst ein heilger Rath bestimmt;
228
Sie glauben; daß, dieß zu erbitten,
229
In meiner ungebauten Hütten
230
Ein täglich Andachts-Opfer glimmt;
231
Prinz! werde stark, und groß an Jahren,
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Und laß Dich bald zur Lust auf meinem Wasser fahren!

233
Nun kehr ich an den Ort des Strandes,
234
Zu jenen Gränzen dieses Landes,
235
In meine Grotte, Grosse Frau!
236
Wo ich mit nur gereiztem Triebe
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Die ungemeine Mutter-Liebe
238
In Einsamkeit erst recht beschau;
239
Und sehe Milch und Honig fliessen,
240
Weil Gnadenströhme sich auf dieses Land ergiessen.

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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