Der Inselsberg . Ich seh ein allgemein Ergetzen von meiner Blumen reichen Höh, das muß auch mich in Freude setzen, Es reizt Luise Dorothee, Der theuren Landes-Mutter Nahmen, und Jhr Gebuhrts-Fest dieses Land: Sie lebe! gut! hier ist mein Amen, ich bin der Inselsberg genannt. Den 10 August 1738.

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Christoph Eusebius Suppius: Der Inselsberg . Ich seh ein allgemein Ergetzen von meiner Blumen reichen Höh, das muß auch mich in Freude setzen, Es reizt Luise Dorothee, Der theuren Landes-Mutter Nahmen, und Jhr Gebuhrts-Fest dieses Land: Sie lebe! gut! hier ist mein Amen, ich bin der Inselsberg genannt. Den 10 August 1738. (1749)

1
Durchlauchtigste! von jenem Hügel,
2
Den Friedenstein im West erblickt,
3
Des Ungewitters Sitz und Spiegel,
4
Bekommen Sie dieß Blatt geschickt;
5
Es ist der grossen Ehrfurcht Zeichen,
6
Die weckt des frohen Tages Schein,
7
Dieß dürfte wohl von meines gleichen
8
Vielleicht zum erstenmahle seyn.

9
Ich armer Berg bin in dem Stücke
10
Gewißlich übel gnug daran,
11
Wenn ich bey meiner Fürstin Glücke
12
Sonst nichts als Blätter liefern kan;
13
Moos, Blumen, Stauden, Gras und Bäume
14
Sind meine Zierde, ja mein Schatz,
15
Doch finden keine Dichter-Träume
16
Auf denen lautern Höhen Platz.

17
Und dennoch reizen mich die Tiefen
18
Der frohen Thäler lauter Klang
19
Die vielmahl; lebe lange! riefen,
20
Auch diesesmahl zum Lustgesang,
21
Er wird nach Gotha zu getrieben
22
Durch einen kühlen Westenwind,
23
Der Innhalt ist hier aufgeschrieben,
24
Wenn ja die Töne nicht mehr sind.

25
Ach Landes-Mutter! o Luise!
26
Frau! Fürstin! die uns GOtt geschenkt!
27
Mein Gipfel wird zum Paradiese,
28
Wenn er an Dero Hoheit denkt.
29
Erweg ich weiter Friedrichs Güte,
30
Wie sehr sie Land und Leuten nützt,
31
So hüpft mein höckrichtes Gebiete,
32
Weil auch sein Fürsten-Stab mich schützt.

33
Den Himmel schein ich zwar zu stützen,
34
Der Erden bin ich Schirm und Schutz,
35
Sonst böten meine stolzen Spitzen
36
Nicht den verschwornen Winden Trutz;
37
Doch das macht mich nicht aufgeblasen,
38
Nur Friedrichs Gnade macht mich stolz,
39
Die wehrt der Feinde Zorn und Rasen,
40
Und läßt mir Gras, Moos, Wild und Holz.

41
Nichts reicht an die bereiften Gipfel,
42
Denn ich kann alles übersehn,
43
Weil auch der höchsten Tannen Wipfel
44
Weit unter mir als Stauden stehn;
45
Und dabey muß ich doch bekennen,
46
O tugendvolle Herzogin!
47
Sie sind alleine Groß zu nennen,
48
Und noch weit höher, als ich bin.

49
Ach sollten Jhnen meine Höhen
50
Dereinst Glück zu! entgegen schreyn,
51
So würden Sie auf Wolken gehen,
52
Und näher bey den Sternen seyn;
53
Ich gäbe von den besten Zweigen
54
Der Fürstin grüne Kronen hin,
55
Denn durch Jhr gnädigstes Bezeigen
56
Wird Sie der Herzen Königin.

57
Ich steh an Friedrichs Landes Gränzen,
58
Dem Sie der Himmel beygelegt;
59
Von da seh ich die Felder glänzen,
60
Wie gelber Aehren Fluth sich regt,
61
Der Unterthan ist froh deswegen,
62
Weil keine Furcht die Hoffnung stöhrt,
63
Er weiß gewiß, daß dieser Segen
64
Nur ihm, sonst keinem zugehört.

65
Die unvergleichlich schöne Gegend,
66
Die weit weit unter meinem Stand,
67
Scheint, wenn kein trüber Himmel regent,
68
Und ist auch ein Gelobtes Land;
69
Kein Maler hat so was erhoben
70
Durch seines Pinsels klugen Strich,
71
Davon ist GOtt die Ursach droben,
72
Auf Erden aber Friederich.

73
Sieht man nun Berge, Thäler, Wälder
74
Von diesen Landen überhin,
75
So müssen die entlegnen Felder
76
Zuletzt in blaue Ferne fliehn;
77
In einem weit erstreckten Lichte
78
Von nebelichter Düsterkeit
79
Verliehrt sich endlich das Gesichte
80
Mit ungewisser Dunkelheit.

81
Doch Friedrich weiß und kennt die Seinen,
82
Dieweil er Landes-Vater heißt,
83
Vom Größesten bis zu dem Kleinen,
84
Wofür Jhn auch die Ehrfurcht preist;
85
Und wenn ich dessen Lob erhebe,
86
Wozu ich mich doch nicht geschickt,
87
So will ich auch, die Fürstin lebe!
88
Sie leben Beyderseits beglückt.

89
Wenn früh der Morgenröthe Schimmer
90
Zu unsrer Oberfläche dringt,
91
So seh ich zu der Jahrs-Zeit immer,
92
Wie sie den Tag getragen bringt;
93
Weil sie mich heute nun erschreckte,
94
Benebst der Thäler Lust-Geschrey,
95
Und früher, als gewöhnlich, weckte,
96
So dacht ich, was doch dieses sey?

(Suppius, Christoph Eusebius: Oden und Lieder. Gotha, 1749.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent
Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.