Als er ihre Gunst erhalten

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Johann Georg Gressel: Als er ihre Gunst erhalten (1716)

1
Nun gehet bey mir auf die Sonne meiner Seelen/
2
Charlotte zeiget sich als wie ein Engels-Kind/
3
Mein Jammer-Stern ist fort/ er kan mich nicht mehr quählen/
4
Mir wird ein süsser Blick und holde Gunst gegünnt.
5
Das Hoffnungs-Schiff darff nun die frohen Seegel spannen/
6
Die Liebe leitet es zum sichern Haven hin/
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Kein Unglücks-Sturm wird es in seiner Fahrt bemannen/
8
Mein schöner Nord-stern lenckt sich recht nach meinem Sinn.
9
Es wird von diesem Port zu keinen Zeiten weichen/
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Ein angenehmer West in seine Segel spielt.
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So wird die lange Fahrt die Wohlfahrt nun erreichen/
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Wohin mein seuffzend Hertz so lange Zeit gezielt.
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Der Hoffnungs-Ancker ruht in solchen festen Gründen/
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Daß ihn kein starcker Sturm aus seinem Lager reist/
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Nun kan ich meine Ruh nach langen Suchen finden/
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Der angenehme Port sich in der Nähe weist.
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Des Zornes strenge Fluht/ die mich sonst auffgehalten/
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Verkennet ihren Grimm/ nun kan ich frölich seyn
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Mein hartes Schicksahl wil nun gantz und gar veralten/
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Es giebt den schönsten Blick und angenehmsten Schein.
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Charlotte läst den Mund und ihre Wangen küssen/
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Mein Lippen-Opffer brennt auf ihrer Marmor-Brust
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Mein froher Geist weiß nichts von Furcht und Hindernissen
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Er kennet keine Angst/ er spühret lauter Lust.
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Mir steht das Paradieß der süssen Wollust offen/
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Das Thor ist auffgethan so sonst verschlossen war/
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Mein Sehnen ist erfüllt/ es trifft mir zu mein Hoffen/
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Ich halte gantz vergnügt ein frohes Jubel-Jahr.
29
Mein Geist kan seine Lust an süssen Blicken haben
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Kein strenger Zorn verstellt dein schönes Angesicht;
31
Dein schönes Wesen wil die matten Sinnen laben/
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Du bist mein Schatz der Welt/ mein Leben/ und mein Licht.
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So hab ich was ich wil/ ich küsse mein Verlangen/
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Mein Klagen höret auf/ mein Wünschen ist erhört/
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Ich kan den Rosen-Mund und deine Brust umfangen/
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Der sanfften Küsse-Thau die matte Seele nehret.
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Ach bleibe so gesinnt mein wehrter Schatz im Lieben/
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Kein Neidhart treffe uns mit seinem Schlangen-Gifft/
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Kein Schein der Eyversucht muß unser Brust betrüben/
40
So weiß ich/ daß mein Glück mein Unglück übertrifft.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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