1
„jhr Wollen ist so fest verknüpft und einerley,
2
„als wann die Wesenheit in zweyen einfach sey.
3
„das Bindniß ihres Sinns, ihr zärtliches Vernehmen
4
„kann selbst der Einigkeit Verrichtungen beschämen.
5
„jhr Thun und Lassen ist von so verbundner Art,
6
630”Daß eins des andern Sinn als einen Schaz bewahrt.
7
„sie will nur, was er will; er denckt, was sie gedencket;
8
„jhr Leben ist in ihm, sein Herz in ihr versencket.
9
„sie streiten, welches mehr dem andern angenehm;
10
„was dem beliebig ist, wird jenem auch bequem.
11
635”Es ist nichts was den Bund so theurer Eintracht stöhre;
12
„nichts, was die Gegengunst der Gegentreu versehre.
13
„seht nur das Herrschen an! wie sie der Kronen Last
14
„und er mit ihr des Throns Beschwerlichkeiten faßt;
15
„wie unermüdet sie den Sinn, den Winck, den Willen
16
640”Eins für das andere zu gleicher Zeit erfüllen.
17
„eins ist dem anderen so treu, geneigt und lieb,
18
„als käm die Regung nur von eines Herzens Trieb.
19
„die sanften Wirckungen der Eintracht ihrer Seelen
20
„seynd, daß man beyde kann vor ein Geschöpfe zählen.
21
645”Sie wohnt in seiner Seel, er herrscht in ihrer Brust;
22
„jhr Aug ergözet sich in seiner Augen Lust.
23
„es ist ein Zwillings-Paar in Sinn, Gestallt und Wercken;
24
„eins weiß das andere mit gleicher Kraft zu stärcken.
25
„geschieht es, das man eins in Traur und Drangsal stürzt;
26
650”So wird sie durch das Leid des anderen verkürzt.
27
„vergnügen, Freud und Trost, Leid, Unlust, Qual und Schmerzen,
28
„vermehren, mindern sich zugleich in ihren Herzen.
29
„ermuntert er den Blick, so faßt ihr Auge Muth,
30
„weil ihre Lust allein in seiner Freude ruht.
31
655”Selbst Unzertrennlichkeit ist ihrer Neigung Kette;
32
„der Sinnen Einigkeit der beyden Seelen Bette.
33
„die Tugend ist der Quell, aus welchem alles quillt,
34
„was beyde mit der Kraft der Zärtlichkeit erfüllt.
35
„o Wunder-volles Paar! das selber sich beglücket,
36
660”Weil eins das andere durch Rath und Tugend schmücket.
37
„jhr Herz ist jenes Erz, in dem das Ebenbild
38
„des Ehgemahls geprägt; er aber jener Schild
39
„mit dem, wann ungefähr ein Unfall sie bestürmet,
40
„sie sich Vertrauens-voll, auch Kron und Thron beschirmet.
41
665”Jhr Aug ist jenes Ziel, nach dem er allzeit schaut;
42
„und er der treue Rath, dem sie das Herz vertraut.
43
„jhr Seyn und Dencken ist so fest und unzertrennet,
44
„daß keins von ihnen sich als in dem andern kennet.
45
„nur weil es ihr gefällt, sizt er auf ihrem Thron;
46
670”Nur weil es ihm gefällt, trägt sie den Schmuck der Kron.
47
„er wünscht ihr einen Schaz von hundert Königs Kronen;
48
„und sie, daß er den Thron des Erd-Runds könnt bewohnen.