Geistliche Lehns-Muttung

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Hans Assmann von Abschatz: Geistliche Lehns-Muttung (1704)

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HeRR/ der du zählest unsre Tage/
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Den Tod und Leben Meister heist/
3
Von welchem ich zu Lehen trage
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Die edlen Gütter/ Leib und Geist/
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Schau dein getreuer Unterthan
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Giebt sich in Demutt bey dir an.

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Ich war der Lehn verlustig worden
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Durch angeerbter Boßheit Schuld/
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Ich mehrte der Verdammten Orden/
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Der Tod war meiner Dienste Sold/
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Mein stoltzes Schloß/ mein Ritter-Sitz
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Der Höllen Schlamm und Schwesel-Pfütz.

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Ach GOtt/ wie kräfftig kanst du lieben!
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Dein Sohn macht alles vor mich gutt/
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Es wird in Holtz und Stein geschrieben/
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Versiegelt durch sein theures Blutt/
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Daß ich aus Gnaden und umsunst
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Soll seyn ein Erbe deiner Gunst.

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Ich soll dir Pflicht und Treue schweren/
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Doch weil mein Alter dieses nicht
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Mit eignem Munde kan gewähren/
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Wird ein Gedenck-Brieff auffgericht.
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Der Tauffe Zeugnis machet kund
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Den zwischen uns getroffnen Bund.

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Ich habe drauff bißher genossen
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Die Gaben deiner milden Hand/
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Die Minder-Jahre sind verflossen:
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Ich baue zwar ein fremdes Land/
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Doch dieses auch/ mein GOtt/ ist dein/
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Die Pflicht soll abgeleget seyn:

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Nimm an diß Opffer meiner Hände/
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Daß ich dein unverdienter Knecht
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Zu deiner hohen Wohnung sende/
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Sind die unnützen Dienste schlecht/
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So weiß ich doch/ daß deine Gnad
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O milder HErr/ kein Ende hat.

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Verzeihe durch dein Blutt/ verzeihe/
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Wo ich/ von Fleisch und Welt verführt/
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Mißbrauche deiner Lieb und Treue/
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Verübe/ was mir nicht gebührt/
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Und wie nur/ leider! offt geschicht/
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Stell in Vergessen meine Pflicht.

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Bestärcke gnädig mein Verlangen/
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Mein schwacher Wille steht dahin/
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Ein neues Leben anzufangen/
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Und wenn ich mein selbst eigen bin/
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Nicht mir/ nicht schnöder Welt so wohl
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Als dir zu dienen/ wie ich soll.

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Laß mich die Wacht der Engel führen/
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Wohin mich meine Reise trägt/
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Im Vaterland und hier verspüren/
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Wie GOttes Hand zu schützen pflegt/
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Und unser aller Wohlgedeyn/
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Die Meinigen samt mir erfreun.

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Ich rühm und ehre deine Gütte
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So lang’ ein Athem lebt in mir/
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Und wenn die Seel aus ihrer Hütte
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Nach deinem Willen reist zu dir/
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So soll mein Mund in Ewigkeit
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Dein Lob zu singen seyn bereit.

(Abschatz, Hans Assmann von: Poetische Ubersetzungen und Gedichte. Leipzig, 1704.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Hans Aßmann Freiherr von Abschatz
(16461699)

* 04.02.1646 in Q7999247, † 22.04.1699 in Legnica

männlich

deutscher Barocklyriker und Übersetzer

(Aus: Wikidata.org)

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