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Wer den geschickten kiel so flüchtig weiß zu führen,
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Zeigt, daß sein hertze nicht gantz unbeweglich sey.
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Wiewol, Florette läst mehr härt als schwäche spüren,
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Denn Berelis’ und du sind gar nicht einerley.
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Sie war ein weiches wachs, du wilst dem marmel gleichen;
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Doch zeit und regen hat auch marmel ausgehölt.
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Und endlich kan der mensch nicht aller regung weichen,
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Weil ihn der himmel selbst mit ihrer glut beseelt.
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Wer allzu leichte glaubt, geht freylich allzu sicher.
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Die hertzen stimmen nicht stets mit den lippen ein.
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Die unbedachtsamkeit würckt lauter thränen-tücher,
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Drum muß der klugheit licht der liebe leitstern seyn.
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Daß Ariadne sich so bald verlassen schaute,
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Und ehre, glück und ruh an einen nagel hieng,
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Das machte, weil sie gleich der blinden regung traute,
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Und nicht mit der vernunfft vorher zu rathe gieng.
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Die wahre liebe geht nicht mit verbundnen augen,
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Sie sucht vor, eh sie liebt, was liebens-würdig ist.
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Denn läßt einander ihm schon iede dirne taugen,
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So hat Leander doch ein edler ziel erkiest.
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Es mag Florettens mund die wetter-häne schelten,
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Sie wisse gantz genau, wie ihre kreide schreibt,
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Die welt sey ihrer voll; ich kan es nicht entgelten,
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Weil mein magnet, wie vor, bey seinem pole bleibt.
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Läst eine Helena den Menelaus sitzen,
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Und stöst Semiramis den Ninus in die grufft;
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So kan doch jener schuld Alcesten nicht beschmitzen,
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Denn ihre liebe drang biß in die todes-klufft.
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Das was cometen dräun, den sternen zuzuschreiben
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Wär allzu ungerecht, und kein erwogner schluß.
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Mag doch Aeneas falsch, und Theseus untreu bleiben;
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Deßwegen hält Aruntz und Cimber dennoch fuß.
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Drum übereil dich nicht, vernünfftige Florette
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Folg’ Aramenen nach und prüfe hertz und sinn.
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Die tugend ist mein zug, dein witz ist meine kette.
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Dergleichen fessel wirfft kein kluger leichtlich hin.
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Du wilst den männern zwar nur untreu zu erkennen,
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Und meynest: ihre glut sey nur ein kurtzer schein;
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Doch wenn die meisten schon in falschen flammen brennen,
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So kan Leander doch treu und beständig seyn.