Florette an Leandern

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Christian Hofmann von Hofmannswaldau: Florette an Leandern (1710)

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Leander schreibt zu viel: er lobt mein niedrig dichten,
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Und hält sein lauten-spiel nur einer leyer gleich;
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Doch sollt’ Apollo hier die gantze sache schlichten,
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Ich weiß, mein schwartzer brief würd’ augenblicklich bleich.
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Ich sag: er schämte sich; denn meine schwache feder
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Kennt keinen adler nicht, der sie getragen hat,
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Sie wuchs vor kurtzer zeit aus schlechtem gänse-leder;
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Drum schreibt Florette kahl, es weist es dieses blat.
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Gewiß, ich scheue mich die antwort aufzusetzen,
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Es fällt mir nicht ein wort, nicht eine sylbe bey:
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Ich wolte sie zwar wol wie gold in marmel ätzen;
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Allein es heist von mir: sie sagt nur einerley.
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Leander köntest du mir hand und feder führen,
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Ich weiß, ein iedes wort erweichte stahl und stein.
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Die mauren würden selbst den süßen thon verspüren,
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Und Orpheus müste mir in demuth dienstbar seyn.
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Jedoch du kanst nicht selbst vor dich die antwort schreiben.
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Man hört auch offtermals das kleine zeischen an.
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Die nachtigall kan uns nicht stets die zeit vertreiben,
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Drum ließ von meiner hand, was ich itzt reimen kan.
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Soll ich hinführo mehr von deinen händen lesen?
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So glaube, daß mich diß gantz ungemein vergnügt.
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In deinen versen zeigt sich ein besonders wesen,
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Das unsre hertzen mehr als ertz und glantz besiegt.
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Leander schreibt von flut, von flut aus tieffen brünnen;
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Und spricht, die poesie sey darum bey ihm matt.
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Was soll ich aber wol in einem hofe sinnen,
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Das nicht die eigenschafft der harten steine hat?
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Jedoch dein höflich seyn nimmt gleichwol mit vor willen,
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Seind schon die verse nicht galant, beliebt, noch frey.
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Ich wolte meine pflicht, so gut ich kan, erfüllen.
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Nur, bitt ich, reiß den brief, als er verdient, entzwey.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
(16161679)

* 01.01.1616 in Breslau, † 18.04.1679 in Breslau

männlich

deutsch-schlesischer Lyriker und Epigrammatiker, Politiker und Diplomat

(Aus: Wikidata.org)

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