1
Wjlst du dein schwaches hertz in wahrem friede stärcken;
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So überwirff dich nicht mit andrer leute wercken.
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Denn was ein fremder thut, geht dich ohndem nicht an.
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Wer seinen vorwitz nicht im zaume halten kan,
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Und sich in sorgen mischt, die sinn und geist zerstreuen,
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Wie soll der himmel den mit langer ruh erfreuen,
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An die er wenig denckt? Es bleibet wol dabey:
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Daß niemand seliger, als ein gemüthe sey,
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Das vor der stoltzen welt zwar tief verborgen lieget,
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Doch in der stille sich mit seinem GOtt vergnüget,
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Und in der einfalt bleibt. O einfalt! theurer schatz!
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Wo du das hertze füllst, da nimmt der friede platz.
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Was hat den heiligen in finstren wüsteneyen,
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Wo keine reitzungen den äusern sinn erfreuen,
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Das ungemeine licht geheimer ding’ entdeckt?
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Nichts, als der ernste fleiß, den sie daran gestreckt,
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Sich aller lüsternheit des fleisches zu entschlagen,
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Und der begierden schwarm aus ihrer brust zu jagen,
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Der allen frieden stört. Verwundrungs-werther fleiß!
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Von dem man in der welt itzt, leyder! wenig weiß!
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Indem wir allzuviel nach fremden dingen gaffen,
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So eitel sie auch sind. Wer ist, der sich rechtschaffen
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Zur besserung entschleust, und unabläßig kämpfft,
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Bis er die schlangen-zucht der wilden lüste dämpfft?
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Es ist kein eifer da, der unsern muth entzünde,
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Man fiegt in langer zeit kaum über eine sünde,
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Und also kommen wir auch niemals an das ziel.
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Wer in geheimnissen verständig werden will,
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Der muß der bosheit wust erst aus dem hertzen räumen;
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Allein, so lange wir mit der verleugnung säumen,
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Und voll begierden sind, so wird gewiß nichts draus;
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Denn GOttes stimm und licht sucht nur ein einsam haus,
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Wo alles sauber ist, und keine Teufel schwermen.
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Die gröste hinderniß entstehet aus dem lermen,
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Den vorwitz, neid und lust im seelen-grunde macht.
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Wie herrlich würd’ es doch uns allen eingebracht,
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Wenn wir uns nach und nach von dem geräusch entfernten,
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Und in der strengen zucht den vätern folgen lernten,
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Die bis aufs blut gekämpfft, und keine müh gescheut;
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So aber darff die lufft der widerwärtigkeit
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Nur nicht mehr sanffte gehn, so fallen wir schon nieder,
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Und wenden voller angst die zarten augen-lieder
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Auf eitlen menschen-trost. Ach! warum stehn wir nicht
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Als Helden, derer muth kein sturm der feinde bricht?
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Wir würden, hielten wir nur hurtig aus, bald mercken,
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Wie wunderbar der HErr sein treues volck zu stärcken
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Und zu vertreten weiß. Denn der uns in den streit
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Und vor die feinde stellt, die voller grausamkeit
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Auf unsre seele gehn, will nicht, daß wir verzagen;
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Nein! sondern daß wir sie frisch aus dem felde schlagen;
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Und triumphirer seyn. Der ist kein krieges-mann,
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Der einen pantzer trängt, wenn er nicht fechten kan.
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Es braucht geringe kunst, sich einen Christen nennen,
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Und mit dem munde sich zur creutzes-fahn bekennen,
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Vor der das hertze flieht. Vor dem altare knien,
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Und einen rauhen sack an seine lenden ziehn:
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Des jahres sieben mal zu GOttes tische treten,
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Und wie viel stunden lang das Pater noster beten:
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Durch hunger und durch durst das wilde fleisch castey’n;
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Ein feind der gast-gebot und complimenten seyn:
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Kein frauenzimmer sehn: den kopff zur erden hengen:
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Stets mit der bihel gehn: mit heiligen gefängen
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Sich tag und nacht bemühn, heist noch kein Christenthum.
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In ceremonien sucht nur ein heuchler ruhm.
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Setz ich den gottesdienst in äuserliche dinge,
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So ist die andacht aus; so halt ich GOtt geringe;
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Indem ich ihn allein mit hülsen speisen will,
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Da ihm der kern gehört. Es ist kein kinderspiel,
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Ein wahrer Christ zu seyn: Man muß es erstlich meynen,
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Und ohne heuchelwerck vor seinem GOtt erscheinen,
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Der auf das hertze sieht, und keinen friede giebt,
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Als wo man seinen Geist in reiner einfalt liebt.
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Drum auf! last uns die axt gleich an die wurtzel setzen;
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Des glaubens blanckes schwerdt auf die begierden wetzen;
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Und fechten, bis der feind, der uns so scharff bekriegt,
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Und so viel unruh macht, tod vor den füßen liegt.
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Man überwirfft sich zwar mit vielen sünden-bürden,
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Doch wenn wir alle jahr nur einer ledig würden,
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So könten wir der last einst überhoben seyn.
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Stimmt’ auch der fortgang nur mit unserm anfang ein,
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Das ende würde sich so lange nicht verweilen;
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Allein so hitzig wir zum ersten angriff eilen,
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So schläffrig fahren wir in der bekehrung fort.
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Wem vor dem ruder graut, schifft langsam an den port.
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Man muß die hände nicht im wercke sincken lassen,
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Das hertze mit geduld, den geist in hoffnung fassen,
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So nimmt die besserung im glauben täglich zu:
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Wie wenig eifert man itzt um die seelen-ruh!
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Wenn unsre flammen nur nicht gantz und gar erkalten,
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Und etwa einen strahl der ersten brunst behalten,
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So heißt es schon genug. Wo ist ein rechter muth,
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Der bis ans ende daurt? Ist dein beginnen gut,
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Und ernst zum kampffe da, so können die beschwerden,
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So wichtig als sie sind, nicht unerträglich werden,
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Wenn nur ein tapffrer sinn den vorsatz unterstützt,
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Der sich nichts schrecken läst, weil ihn der himmel schützt.
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Scheint dir es allzuschwer, dich anders zu gewöhnen?
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So dencke: Was der kampff, und was vor müh und thränen
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Man zur vollkommenheit der selbst-verläugnung braucht.
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Wer der begierden brand schon täglich untertaucht,
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Ersäufft sie dennoch kaum. Wer aber kleine sachen
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Nicht überwinden lernt, was will er endlich machen,
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Wenn es ans große kömmt. Ach widersteh der lust,
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Eh’ sie zum laster wird; und halte sinn und brust
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Von aller unart ab: Denn wer dergleichen schuaten
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Zur wurtzel kommen läst, der hat sich schlecht berathen.
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O mensch! bedenck’ es doch, und schau der erden sand
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Nicht mehr vor perlen an. Verwirff den leeren tand,
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Damit dich Satan sonst in labyrinthe führet;
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Trittst du nun an den kampff, und thust was dir gebühret;
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So werden engel, GOtt, und menschen sich erfreun,
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Und dir ein ieder tag ein schritt zum friede seyn.