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Gehorsam leben ist weit sichrer, als befehlen:
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Denn unterthänig seyn ist kein geringes gut;
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Wiewol die wenigsten nach dieser regel wehlen,
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Weil das gehorsams-joch dem fleische bange thut.
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Drum dient der gröste theil aus noth und nicht aus liebe;
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Doch wer die sanffte last nicht ohne murren trägt,
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Der hat ihm, wenn er sich schon vor verdruß begrübe,
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Nur eine größre bürd auf seinen hals gelegt.
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Drum lerne durch den Geist des fleisches hoffart stillen,
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Sonst übergiebst du dich der ärgsten tyranney;
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Denn wo das hertze nicht sich um des Höchsten willen
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Freymüthig unterwirfft, so wirst du niemals frey.
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Glaubst du es aber nicht, so lerne mit verlierung
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Der allzutheuren zeit, was hier dein auge liest;
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Und sage mir alsdenn, ob ausser der regierung,
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Die uns in Christo führt, die ruh zu finden ist.
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Der eingebildte wahn hat ihrer viel betrogen,
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Denn die zufriedenheit liegt an dem orte nicht:
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Ein tugendhaffter mann ruht zwischen well und wogen,
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Wenn einem thoren auch in hafen ruh gebricht.
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Es ist wol, leyder! wahr, daß ieder seinen willen
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Und eigensinn allein vor seinen herrn erkennt;
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Was die begierde sagt, das muß die hand erfüllen,
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Und wer das strafen will, der wird ein feind genennt.
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Doch wo wir GOttes ehr’ und unsre wohlfahrt suchen,
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So muß die eigenheit nicht unser abgott seyn.
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Ach lerne, lieber mensch! den eigensinn verfluchen,
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Und räume, was du kanst, des friedens wege ein.
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Denn wo ist solch ein mensch, der alles ausstudiret,
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Und der in dieser welt nichts mehr zu lernen hat?
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Wer ihm alleine glaubt, wird insgemein verführet:
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Wer sicher gehen will, sucht auch bey andern rath.
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Ist deine meynung gut, und dein gehorsam hertze
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Schlägt sie aus Gottes rath und antrieb in den wind,
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So glaube, daß dein geist nach überstandnem schmertze
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Vor das vermeynte gut das höchste gut gewinnt.
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Wer andern rath ertheilt, geht lange nicht so sicher,
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Als der sich rathen läst, wie die erfahrung zeigt.
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Zucht und gehorsam macht viel klüger, als viel bücher,
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Weil Gott den niedrigen nichts heilsames verschweigt.
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Drum folg und lerne dich in den gehorsam schicken:
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Gewöhne die vernunfft zur unterthänigkeit,
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Und laß ben eigensinn dir nicht das ziel verrücken,
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Den frechen eigensinn, den uns der HErr verbeut.
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Man mag bisweilen wol gar gute schlüsse fassen;
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Doch widerspenstig seyn, und als ein störrig holtz
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Von treuen führern sich zu nichts bewegen lassen
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Heißt bey verständigen nur unverstand und stoltz.